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Hochwasserkatastrophe in Tschechien: Schäden größer als befürchtet

Nach dem verheerenden Hochwasser werden in Tschechien weitaus größere Schäden an der Bausubstanz befürchtet als erwartet. In mehreren Ortschaften müssten vermutlich viele Wohnhäuser abgerissen werden, die durch die Überschwemmungen instabil geworden seien, wurde am Montag in den nationalen Medien berichtet. Besonders betroffen seien die nordböhmische Stadt Decín und die Landeshauptstadt Prag. Wie der tschechische Ministerpräsident Vladimír Spidla am Montag bei den Verhandlungen mit dem Organisationsausschuss des Prager Abgeordnetenhauses verlautbarte, werden die bisher bekannten Schäden, die das Jahrhunderthochwasser in den zurückliegenden Tagen in der Tschechischen Republik angerichtet hat, auf einen Betrag zwischen 60 bis 90 Milliarden Kronen (ca. 2 bis 3 Milliarden Euro) geschätzt. Spidla ergänzte jedoch sofort, dass es sich bei diesen Zahlen nur um eine erste Schätzung zur Orientierung über das Ausmaß des Gesamtschadens handele. Laut Spidla beabsichtige die tschechische Regierung, in den Haushaltsentwurf des kommenden Jahres den Betrag von 20 Milliarden Kronen als Sonderreserve für die Beseitigung der Hochwasserschäden einzubauen.

Soforthilfe von 150.000 Kronen für obdachlose Tschechen im Gespräch

In Tschechien soll jeder Bürger, der durch die verheerende Hochwasserkatastrophe der letzten Tage seine Wohnung verloren hat, eine staatliche Zuwendung von 150.000 Kronen (ca. 5.000 Euro) erhalten. Wie der tschechische Staat beabsichtigt, müssen die Empfänger der Zuwendung " inzwischen obdachlose Besitzer oder Mieter der ehemaligen Wohnung " den Betrag nicht zurückzahlen, sondern werden ihn quasi als Spende entgegennehmen. Darüber hinaus wird vorbereitet, dass den Hochwassergeschädigten zinsgünstige Kredite in Höhe von 850.000 Kronen (ca. 27.000 Euro) mit einem Zinssatz von zwei Prozent und einer Laufzeit von 20 Jahren angeboten werden. Diese Unterstützung muss am Mittwoch noch von der Prager Regierung abgesegnet werden, informierte der Minister für Regionale Entwicklung, Pavel Nemec, am Montag die Nachrichtenagentur CTK. Unterdessen rollt für die etwa 220.000 Menschen in Notunterkünften eine Welle der Hilfsbereitschaft durch das Land. Seit Tagen bieten nicht vom Hochwasser Betroffene im Rundfunk und in Zeitungsanzeigen kostenlose Hilfsmittel und Privatunterkünfte an. Seit dem späten Montagnachmittag läuft im Prager Lucerna- Palast ein Wohltätigkeitskonzert mit populären tschechischen Rock- und Popgruppen, dessen Erlös den Hochwassergeschädigten schnell und unbürokratisch zugute kommt.

Aktuelle Lage in Prag: Teilbereiche zweier Stadtteile weiterhin gesperrt

In der Hauptstadt Prag war am Sonntag nach dem Einsturz des bereits dritten Hauses die Rückkehr der Bewohner in Teilbereiche der evakuierten Stadtviertel Karlín und Holesovice, die zu den vom Hochwasser am meisten betroffenen Prager Stadtteilen gehören, gestoppt worden. Prager Tageszeitungen berichteten am Montag bereits von vier eingestürzten Gebäuden. Wie Oberbürgermeister Igor Nemec am Montag auf einer Pressekonferenz verkündete, dürfen die einsturzgefährdeten Straßenzüge im Stadtteil Karlín mindestens noch bis Freitag nicht bewohnt werden. Geologen und Statiker sollen zunächst das Terrain und die einzelnen Häuser genauestens untersuchen. Die Moldau sank in Prag im Vergleich zu Mittwoch, als sie ihren Höchstwert erreicht hatte, bereits um fünf Meter. Die Karlsbrücke soll nach etwa einwöchiger Sperrung an diesem Dienstag wieder geöffnet werden. Nach Angaben der Statiker hat die reißende Moldau das historische Bauwerk nicht beschädigt.

Prager Magistrat will für vollständigen Zugang zu Hauptverkehrsader sorgen

Wegen der kritischen Situation im städtischen Verkehr erwägt der Prager Magistrat, die nach dem 11. September 2001 getroffenen Maßnahmen zum Schutz des Senders Radio Freies Europa/Radio Liberty (RFE/RL) aufzuheben. Das Gebäude befindet sich an der direkt durch das Stadtzentrum führenden Hauptverkehrsader, der sogenannten Magistrale, deren Fahrbahn zur Hälfte geschlossen wurde. Der Prager Oberbürgermeister Igor Nemec will wegen des drohenden Verkehrskollaps mit Innenminister Stanislav Gross und Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik verhandeln. Der Zentrale Krisenstab in Prag will jedoch nichts an den Schutzmaßnahmen um das RFE/RL-Gebäude ändern und sucht nach einer anderen Lösung, teilte die Sprecherin des Innenministeriums Gabriela Bartikova am Montag der Nachrichtenagentur CTK mit.

Deutscher Umweltminister besucht tschechische Chemiefabrik Spolana

Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin wird sich wegen möglicher Umweltschäden durch die tschechische Chemiefabrik Spolana in Neratovice ein Bild vor Ort machen. Die Anlage wurde im Zuge des Elbe-Hochwassers überflutet. Trittin besucht das Chemiewerk an diesem Dienstag auf Einladung seines tschechischen Amtskollegen Libor Ambrozek, teilte das Umweltministerium in Berlin mit.

Spezialtrupps haben Chlorverarbeitung in Chemiefabrik Spolana eingeleitet

In der Chemiefabrik Spolana im mittelböhmischen Neratovice haben sich am Montagvormittag Spezialtrupps erstmals Zugang zu den mit Chlor gefüllten Lagern der Fabrik verschafft, aus denen am Donnerstag eine bisher noch unbekannte Menge des giftigen Gases entwichen war. Man gehe aber davon aus, dass etwa 16 Kilogramm Chlor in die Luft gelangt seien, hieß es am Montag in einer Meldung der Nachrichtenagentur CTK. Durch die aus einem beschädigten Behälter entwichene Chlormenge sei, den Vertretern der Firma und des tschechischen Umweltministeriums zufolge, die Gesundheit der Bewohner der Stadt nicht gefährdet worden. Im zum Teil noch unter Wasser liegenden Areal der Fabrik befinden sich in insgesamt 10 Behältern 114 Tonnen Chlor. Inzwischen hat man mit der Verarbeitung des hier deponierten Chlors zum unschädlichen Hypochlorit begonnen.

Böhmen: Krummau öffnet Altstadt wieder " Decín unterliegt Verkehrskollaps

Auch an anderen Orten Tschechiens kann inzwischen von einer Verbesserung der Lage gesprochen werden. Das in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragene südböhmische Cesky Krumlov/Krummau hat am Montag sein historisches Zentrum wieder für die Touristen geöffnet. Die in einer Moldauschleife stehende Altstadt ist allerdings von den Überschwemmungen schwer beschädigt.

Die Pegelstände der Elbe in der Region um die nordböhmische Kreisstadt Usti nad Labem/Aussig sinken weiter. Nach dem Absinken des Wasserspiegels auf unter acht Meter konnte hier am Montagvormittag mit den Aufräum- und Reinigungsarbeiten begonnen werden, auch wenn noch nicht alle der rund sechstausend evakuierten Einwohner von Aussig in ihre Häuser zurückkehren konnten. Dafür kann nach und nach wieder Strom und Gas in die noch am Samstag überfluteten Häuser zugeschaltet werden. Im Einzugsbereich von Decin/Tetschen sind aber immer noch mehrere Trafostationen vom Netz abgeschaltet. Trotz der Wiederaufnahme des Verkehrs über eine der dortigen zwei Straßenbrücken unterliegt die nördlichste böhmische Elbestadt derzeit einem Verkehrskollaps. Etwas besser stellt sich die Verkehrslage inzwischen in Mittelböhmen dar. Nördlich von Prag ist die Mehrzahl der über Elbe und Moldau führenden Brücken wieder passierbar. Lediglich in Aussig muss man sich mit dem elbüberschreitenden Verkehr noch etwas gedulden.

Drei deutsch-tschechische Grenzübergänge weiterhin gesperrt

Durch die Folgen der Flutkatastrophe in Böhmen und in Sachsen bleiben drei deutsch-tschechische Grenzübergänge vorerst bis auf weiteres geschlossen. Im einzelnen sind dies der Grenzübergang Altenberg"Cínovec sowie die Reiseübergänge Bahratal"Petrovice und Schmilka"Hrensko. Dem Sprecher einer deutschen Behörde zufolge weicht der LKW-Verkehr von und nach Tschechien in der Regel auf den Grenzübergang Neugersdorf"Rumburk aus. Der Grenzübergang Sebnitz"Dolní Poustevna ist für den Reiseverkehr weiterhin geöffnet.

Pilger riefen in Mähren zur Hilfe für Hochwassergeschädigte auf

Tausende Pilger sind am Sonntag auf dem Berg Hostyn beim mittelmährischen Kromeriz/Kremsier zusammengekommen. Der Bischof von Olomouc/Olmütz, Josef Hrdlicka, der die heilige Messe in der Basilika Mariä Himmelfahrt zelebrierte, rief die Gläubigen zur Hilfeleistung in den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gebieten auf. An der traditionellen Pilgerfahrt aus Anlass des seit vier Jahrhunderten gefeierten Festes der Mariä Himmelfahrt kamen auf dem Berg etwa fünftausend Menschen zusammen.

Tschechischer Bergsteiger einer von fünf Wochenendopfern in den Alpen

Ein tschechischer Bergsteiger ist unter den fünf Opfern, die es am zurückliegenden Wochenende in den Schweizer Alpen gegeben hat. Der Tod des 48-jährigen Mannes aus Prag wurde der Nachrichtenagentur CTK am Montag durch die tschechische Konsulin Ivana Cervenková aus Bern bestätigt.