Nachrichten

r_2100x1400_radio_praha.png

Schwarzenberg erneut zum Parteichef der Top 09 gewählt

Auf dem Parteitag der konservativen Partei Top 09 wurde am Sonntag in Prag der ehemalige Außenminister Tschechiens, Karel Schwarzenberg, mit klarer Mehrheit erneut zum Parteichef gewählt. Schwarzenberg hatte keinen Gegenkandidaten, er erhielt 160 der 173 abgegebenen Stimmen.

In seiner Rede vor den Delegierten des Parteitags erklärte Schwarzenberg, dass seine Partei ausschließlich zum Wohl des Landes arbeiten werde. Gleichzeitig kritisierte er das Erscheinungsbild der tschechischen Politik, die von der Korruption befallen sei. Alles funktioniere in Tschechien, außer der Politik. Auch in anderen Ländern gäbe es Diebstahl und Korruption, doch die entsprechenden Täter würden nicht in dicken Wagen durch die jeweilige Hauptstadt fahren, ergänzte Schwarzenberg. Der wiedergewählte Top-09- Parteichef äußerte jedoch auch die Hoffnung, dass jetzt eine neue Generation heranwachse, die nicht von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts belastet sei, sondern in einer völlig anderen Zeit lebe. Schwarzenberg sieht seine Partei in einer guten Position, aus der heraus sie konstruktive Oppositionspolitik machen werde. Der entstehenden Koalition warf er jedoch vor, dass sie ihre vor den Wahlen gemachten großspurigen Versprechungen wird nicht halten können.

Zum Vizechef der Top-09-Partei wurde erneut Ex-Finanzminister Miroslav Kalousek gewählt. Bei der Wahl der weiteren Stellvertreter-Posten konnte sich indes der junge Prager Oberbürgermeister Tomáš Hudeček nicht durchsetzen.

Premier Rusnok entschuldigt sich für Äußerungen zu Mandela-Begräbnis

Der scheidende tschechische Premier Jiří Rusnok hat sich für seine „unglücklichen Äußerungen“ in Bezug auf das Begräbnis Nelson Mandelas entschuldigt. „Es war nicht richtig, sich so im Zusammenhang mit dem Tod von Südafrikas Ex-Präsidenten zu äußern, das tut mir leid. Für diese Worte entschuldige ich mich“, schrieb Rusnok am Samstag in einer sms an die Presseagentur ČTK. Er sei überarbeitet, das Andenken Nelson Mandelas aber wolle er gebührend würdigen, ergänzte der Regierungschef.

Bei der Sitzung des Abgeordnetenhauses am Freitag hatte Rusnok gegenüber dem scheidenden Verteidigungsminister Vlastimil Picek seinen Unwillen darüber geäußert, die Tschechische Republik womöglich beim offiziellen Staatsbegräbnis für Mandela als Gast repräsentieren zu müssen. Rusnok begründete dies mit einem vollen Terminkalender und den zusätzlichen Reisestrapazen aufgrund des langen Flugs. Während des Dialogs hatte er jedoch nicht bemerkt, dass die Mikrofone des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ČT 24 auch während der Tagungspause im Parlament geöffnet waren.

Das Arbeitsprogramm eines Premiers auch bei unerwarteten Ereignissen weiter in Einklang zu bringen, sei eine „Zauberei mit der Zeit“; erst recht im Dezember, wenn die Arbeitszeit wegen der Feiertage quasi um eine Woche kürzer sei, erklärte Rusnok zu seiner Verteidigung. Für seine unbedarften Äußerungen erntete Rusnok indes scharfe Kritik von der internationalen Presse.

Beim offiziellen Staatstrauerakt für den Kämpfer gegen die Apartheid und ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas am Dienstag in Johannesburg wird Tschechien durch Außenminister Jan Kohout vertreten. Das gab die Sprecherin des Ressorts, Johana Grohová, am Sonntag bekannt.

Entstehende Koalition macht nächsten Schritt – nur zwei Felder noch offen

Die Koalitionsverhandlungen zwischen den Sozialdemokraten (ČSSD), der Ano-Partei und den Christdemokraten (KDU-ČSL) sind am Samstag ein weiteres Stück vorangekommen. Nach den nahezu sechsstündigen Verhandlungen konstatierten die Spitzen der drei Parteien, dass man in den meisten Punkten des künftigen Koalitionsvertrags eine Einigung erzielt habe. Unterschiedliche Auffassungen aber gebe es noch bei den Steuern und im Gesundheitswesen. Es sei jedoch möglich, dass der komplette Koalitionsvertrag schon am Dienstag unterzeichnet werde, sagte Sozialdemokratenchef Bohuslav Sobotka nach dem Treffen vor Journalisten.

Seilbahn-Defekt im Adlergebirge: 100 Skifahrer wurden „abgeseilt“

Nur neun Tage nach dem Seilbahn-Unglück im Riesengebirge hat es in den böhmischen Bergen einen weiteren Defekt an einem Seilzug gegeben. Diesmal war einer der modernsten Personenaufzüge in Tschechien, die viersitzige Seilbahn in Červená Voda betroffen. Wegen eines Kabelbrands in der Schaltanlage der Seilbahn musste ihr Betrieb am Sonntagmittag unterbrochen werden. Zu diesem Zeitpunkt wurden rund 100 Leute transportiert, die in luftiger Höhe minutenlang festsaßen. Mit Unterstützung der Bergwacht und mit Hilfe eines Diesel-Ersatzmotors konnten alle Passagiere nach und nach aus ihrer misslichen Lage befreit werden. Ihre Bergung in der Bergstation dauerte rund 40 Minuten, keiner der Fahrgäste wurde verletzt.

Wegen der fälligen Reparaturarbeiten wird die Seilbahn am Montag außer Betrieb sein. Man werde sehen, ob sie bereits am Dienstag wieder startklar ist, sagte der Direktor des dortigen Skiparks. Die Seilbahn in Červená Voda wurde erst vor drei Jahren in Betrieb genommen.

Soziologen warnen: Fälle von häuslicher Gewalt an Senioren nehmen zu

Fast jeder fünfte Tscheche über 60 Jahre wurde schon Opfer von häuslicher Gewalt. Tyrannisiert würden die Senioren vor allem von ihren Kindern oder Enkeln, die ihre Nächsten am häufigsten psychisch erniedrigen. Immer öfter aber würden die Altvorderen auch physisch attackiert und um ihr Geld gebracht, informieren Soziologen.

Die Aufdeckung von häuslicher Gewalt an Senioren sei jedoch kompliziert. Die letzte Umfrage zu dieser Thematik habe die Südböhmische Universität schon vor knapp zehn Jahren durchgeführt, man sei jedoch überzeugt, dass die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt zunehme, sagen führende Soziologen. Die von ihnen aufdeckten Fälle lägen zwar nur bei 16 Prozent, doch man erkenne das Problem an anderen Indizien, so die Soziologen. Die Bürgervereinigung Život 90 zum Beispiel habe ein so genanntes Senior-Telefon eingerichtet, über das sich Menschen über 60 Jahre mit ihren Sorgen melden können. Im vergangenen Jahr wurden über diese Leitung über 1000 Fälle mehr an häuslicher Gewalt angezeigt als im Vorjahr, sagte die Chefangestellte für den Betrieb des Telefons der Presseagentur ČTK. Ein wesentlicher Grund für den Anstieg dieser Gewalt sei die Zunahme von Bürgern, die in finanziellen Problemen steckten. Dieser Zustand gehe proportional mit der wirtschaftlichen Krise einher, so die Chefangestellte.

Black Sabbath begeisterte bei Konzert vor 16.000 Fans in Prag

Die legendäre britische Heavy-Metal-Band Black Sabbath wurde am Samstagabend in Prag bejubelt. Im Rahmen ihrer Welttournee zur neuen Scheibe „13“ gab die Gruppe um Frontsänger Ozzy Osbourne ein Konzert vor 16.000 Zuschauern in der O2-Arena. Es war der erste Auftritt der populären Band in der Moldaustadt nach acht Jahren, und das in fast kompletter Originalbesetzung. In der über zweistündigen Show erklangen neben den neuen Songs auch viele populäre Hits wie beispielsweise „Iron Man“. Black Sabbath gastierte erstmals Mitte der 1990er Jahre in Tschechien, und zwar in Ostrava / Ostrau. Danach folgten zwei weitere Auftritte in Prag (1998, 2005).

Florball-WM: Tschechiens Damen schlagen Norwegen zum Auftakt 6:1

Zum Auftakt der ersten Florball-WM der Damen, die in Tschechien stattfindet, bezwangen die Gastgeberinnen am Samstag in Brno / Brünn die Auswahl Norwegens klar mit 6:1. Mit dem gleichen Ergebnis schlugen die Schweizerinnen die Mannschaft Lettlands. Am Sonntag treffen die beiden siegreichen Teams im direkten Duell aufeinander. Der Gewinner dieser Partie wird aller Voraussicht nach Erster der Gruppe B und könnte so Titelverteidiger Schweden im Halbfinale aus dem Weg gehen. Die tschechischen Florball-Spielerinnen hatten bei der letzten WM Bronze gewonnen und wollen diesmal ins Finale.

Biathlon: Vítková Vierte der Verfolgung in Hochfilzen – Soukalová im Weltcup weiter vorn

Die tschechische Biathletin Veronika Vítková hat am Sonntag ihre dritte Podestplatzierung in der diesjährigen Weltcup-Saison nur knapp verpasst. Im Verfolgerrennen der Damen im österreichischen Hochfilzen belegte sie den vierten Platz, nur drei Sekunden hinter der Polin Krystyna Palka. Das Rennen gewann die Norwegerin Synnøve Solemdal, die nun in der Weltcup-Gesamtwertung auf den zweiten Platz vorgerückt ist. In dieser Wertung führt weiterhin die Tschechin Gabriela Soukalová, die sich nach ihrem mäßigen 23. Platz im Sprint am Freitag in der Verfolgung noch bis auf Platz 9 vorkämpfte. Damit hat Soukalová noch drei Punkte Vorsprung auf Solemdal. Veronika Vítková schob sich indes nach vorn auf den 7. Rang der Weltcup-Wertung.

Das Wetter am Montag: bedeckt, Regen, bis 8 Grad

Am Montag ist es in Tschechien überwiegend bedeckt, in weiten Landesteilen wird es regnen. In höheren Lagen ab 900 Meter wird der Regen in Schneeregen übergehen. Das einsetzende Tauwetter bringt Tageshöchsttemperaturen von 4 und 8 Grad Celsius mit sich, in Höhenlagen um 1000 Meter werden die Höchstwerte bei +2 Grad Celsius liegen. Es weht ein frischer Westwind, der in den Bergen Spitzen von 20 Meter pro Sekunde erreichen kann, gegen Abend aber abschwächen wird.