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Tschechien feiert den Sankt Wenzeltag

In Tschechien ist am Samstag Staatsfeiertag. Er wird zu Ehren des heiligen Wenzel (sv. Václav) begangen, den die Tschechen quasi als den Urvater ihres Staates verehren. Er gilt zudem als Landespatron. Auch wenn das Datumsjahr bis heute nicht hundertprozentig belegt ist, so wird zumindest der 28. September als der Tag ausgewiesen, an dem Wenzel von seinem Bruder ermordet worden sein soll. Ob das 929 oder 935 war, darüber streiten die Historiker. Nur einige Jahre nach der politischen Wende wurde der 28. September von den Gesetzgebern zum tschechischen Staatsfeiertag erklärt. Neben der Wenzelverehrung wird er als Tag der tschechischen Staatlichkeit begangen.

Die öffentlichen Feierlichkeiten zum St. Wenzeltag haben seit dieser Zeit ihren Höhepunkt in Stará Boleslav / Altbunzlau. In Prag finden in der Regel politische Veranstaltungen statt, in diesem Jahr waren es wieder vor allem Rechtsradikale, die auf die Straße gingen.

Senat ehrt populäre Tschechen für ihre Verdienste mit Gedenkmedaille

Bei einer Feierstunde zum Tag der tschechischen Staatlichkeit hat der Senat am Freitag in seinem Hause mehrere Landsleute für ihre Verdienste dem Staat gegenüber geehrt. Zu den Ausgezeichneten gehören die beiden ehemaligen Zehnkämpfer Robert Změlík und Roman Šebrle, die anerkannte Japonologin Vlasta Winkelhöferová, der Musikant Jiří Pavlica oder der Meeresschwimmer Richard Konkolski. Die Vertreter der oberen Parlamentskammer zeichneten insgesamt 17 Persönlichkeiten mit der silbernen Gedenkmedaille des Senats aus. Sie wurde ihnen von Senatschef Milan Štěch überreicht. Diese Persönlichkeiten hätten ihren Beitrag dazu geleistet, dass Tschechien ein guter Ort zum Leben sei und dass die Republik auch im Ausland einen guten Ruf genießt, sagte Štěch in seiner Dankesrede.

DSSS-Demo: Zusammenstöße von Radikalen und Polizei in Ostrau – Suche nach Täter von Laserpointer-Attacke

Schon am Vorabend des Feiertags kam es am Freitag in Ostrava / Ostrau zu Ausschreitungen nach einer Demonstration, die von der extremistischen Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit (DSSS) organisiert wurde. Nach der Kundgebung versuchten Hunderte Rechtsradikale, die sich im Ostrauer Zentrum zusammengerottet hatten, in ein vorwiegend von Roma bewohntes Viertel vorzudringen. Gut ausgerüstete Einsatzkräfte der Polizei hinderten sie an dem Unterfangen, so dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den Randalierern und der Polizei kam. Die Rechtsradikalen warfen mit Flaschen, Steinen und zündeten Pyrotechnik, die Polizei setzte unter anderem Tränengas ein. Nahezu 100 Personen wurden festgenommen, 21 davon wurden gefesselt auf die Polizeiwache gebracht. Die Demonstranten beschädigten sechs Polizeiautos und verletzten drei Kollegen, sagte ein Polizeisprecher. Ein zur Überwachung der Lage eingesetzter Polizeihubschrauber wurde von den Randalierern mit einem Laserpointer bestrahlt. Die Polizei fahndet mittlerweile nach dem Täter wegen öffentlicher Gefährdung. Durch das Anstrahlen mit dem Laserpointer hätte der Pilot die Kontrolle über den Helikopter verlieren und es hätte zu einem schweren Unfall kommen können, erläuterte der Sprecher das mögliche Ausmaß der Straftat, die zumindest billigend in Kauf genommen worden sei.

Rechtsradikale trafen sich in Prager City – Professor Putna: Kann dazu als Katholik nicht schweigen

Rund 100 Rechtsextremisten sind am Samstag zu einer Manifestation auf dem Prager Wenzelsplatz zusammengekommen. Unter ihnen waren auch Mitglieder der Radikalen Partei aus Serbien, die ein Transparent mit der Aufschrift „Der Kosovo gehört den Serben“ mit sich führten. Die Demonstranten planten, ihre genehmigte Versammlung mit einem Marsch bis vor das tschechische Regierungsamt fortzusetzen. Laut Medienberichten gab es keine Zwischenfälle.

Als Reaktion auf den Aufmarsch der Rechtsradikalen wurden in Prag auch Gegendemonstrationen angemeldet. Eine davon hatte die Bürgerinitiative „Blokujeme“ einberufen. Auf deren Kundgebung war auch der Literaturhistoriker Martin C. Putna zugegen. Er war im Frühjahr in die Schlagzeilen geraten, weil ihn Präsident Zeman wegen dessen Teilnahme am Homosexuellenfest „Prague Pride“ zunächst nicht zum Professor ernennen wollte. Zeman hatte ein Protestschild gestört, das Putna auf der Parade der Homosexuellen zeigte. Zu seiner Teilnahme an der Gegendemo sagte Putna, es rege in auf, wenn die gute Tradition der Feierlichkeiten zum St. Wenzeltag durch die Aufmärsche von Ultrarechten und anderen nur ethnischen Hass schürenden Gruppen missbraucht und diskreditiert werde. Deshalb könne er als Katholik nicht schweigen, äußerte Putna.

Laute Demonstration für Freilassung von Pussy-Riot-Frauen vor russischer Botschaft in Prag

Bis zu 1000 Anhänger der russischen Punkband Pussy Riot und der Technomusic haben am Samstag vor der russischen Botschaft in Prag für die Freilassung der inhaftierten Frauen der Band demonstriert. Die Teilnehmer der Kundgebung haben das Botschaftsgebäude dabei von nahezu allen Seiten umringt. Auf Transparenten vor Ort und weiteren, die sie auf einem Marsch mitführten, drückten sie ihre Unterstützung für die Mitglieder von Pussy Riot aus und kritisierten den russischen Präsidenten Vladimir Putin. Eine der Inhaftierten, die 23-jährige Nadeshda Tolokonnikowa, hat unlängst einen Hungerstreik begonnen, mit dem sie auf die schlechten Bedingungen in russischen Gefängnissen aufmerksam machen will. Sie und ihre Bandkolleginnen verbüßen derzeit eine zweijährige Haftstrafe.

Nach Angaben von Reportern des Servers iDNES.cz gleiche die Demo vor der russischen Botschaft aber eher einer kleinen Technoparty. Auf mindestens fünf Autos seien großen Musikboxen aufgebaut, von denen laute Musik über den Platz vor der Botschaft dröhne, auf dem die Leute tanzen, hieß es.

Präsident Zeman feiert arbeitsreichen Geburtstag auf Schloss Lany

Der tschechische Präsident Miloš Zeman feiert am Samstag seinen 69. Geburtstag. Das Feiern werde aber mehr oder minder von Arbeit überlagert, sagte Zeman im Vorfeld der Presseagentur ČTK. Er werde auf Schloss Lany, seinem alternativen Amtssitz zur Prager Burg, jede Menge verschiedener Dokumente wälzen, die er einsehen und vertiefen müsse. Er sei aber zufrieden, dass es ihm bisher gelinge, stets alle Büroakten zu erledigen, die er sich an Wochenenden zur Bearbeitung vornehme, sagte Zeman.

Der Geburtstag des Staatsoberhauptes ist identisch mit dem St. Wenzeltag. Im Gegensatz zu seinen Vorgänger Václav Klaus nahm Zeman am Samstag jedoch nicht an der nationalen Wallfahrt zu Ehren Wenzels in Stará Boleslav / Altbunzlau teil. Unzählige Gratulationen zu seinem Geburtstag hat der Präsident bereits unter der Woche während seines dreitägigen Besuchs in Südmähren erhalten.

Moldau-Bootsrennen über drei Stauwehre erheitert viele Prager und Gäste

Eine Attraktion zu den Feierlichkeiten am St. Wenzeltag erlebten die Prager und ihre Gäste am Samstag auf der städtischen Moldau. Dort bekamen sie das schrille und unterhaltsame Bootsrennen „Napříč Prahou – přes tři jezy“ (Quer durch Prag – über drei Stauwehre) zu sehen, an dem rund 2100 Leute auf 700 Kähnen, Kajaks und anderen Wasserfahrzeugen teilnahmen. Erstmals nahmen an diesem bunten Rennen auch Wassersportler auf mit einem Paddel gesteuerten Schwimmbrettern (Paddleboarding) teil, die die mehr als sechs Kilometer lange Strecke im Stehen absolvierten.

Bei der mehr auf Show als auf Sieg orientierten Veranstaltung blieben Komplikationen und unfreiwillige Moldaubäder nicht aus. Einige Boote kenterten, über den Wehren konnten sich einige Paddleboarder nicht mehr auf ihren Brettern halten. Die Zuschauer des attraktiven Rennens, darunter zahlreiche Touristen auf der Karlsbrücke, bedachten die wagehalsigen Leistungen der Rennteilnehmer mit viel Applaus und nicht mit Häme.

Tennis: Kvitová besiegt Kerber im Finale von Tokio und klettert in Top 10

Tennisspielerin Petra Kvitová hat das WTA-Turnier in Tokio gewonnen. Im Finale besiegte die 23-Jährige am Samstag die zwei Jahre ältere Angelique Kerber aus Deutschland in drei Sätzen mit 6:2, 0:6 und 6:3. Für die tschechische Top-Spielerin war es der elfte internationale Turniersieg ihrer Karriere und die mögliche Trendwende in ihrer Talfahrt nach dem Wimbledonsieg vor zwei Jahren. Durch den Gewinn des Turniers von Tokio gelang Kvitová der Sprung zurück unter die Top Ten der Damen-Weltrangliste, in der sie ab Montag wieder als Nummer sieben geführt wird. Zudem haben sich damit ihre Chancen auf eine Teilnahme am diesjährigen WTA-Masters-Turnier in Istanbul erhöht.

Tennis: Berdych zieht ins Finale des ATP-Turniers von Bangkok ein

Beim ATP-Turnier der Herren in Bangkok hat der Tscheche Tomáš Berdych das Finale erreicht. In der Vorschlussrunde bezwang der 28-Jährige den Franzosen Gilles Simon in drei Sätzen mit 6:7, 6:2 und 7:5. Das hart umkämpfte Match, in dem Berdych 18 Asse schlug, dauerte fast drei Stunden. Im Endspiel trifft der Tscheche nun am Sonntag auf den Kandier Milos Raonic.

Das Wetter am Sonntag: herbstlich heiter, Frühnebel, bis 16 Grad

Am Sonntag ist es in Tschechien wolkenlos bis heiter, im südlichen Landesteil ist jedoch auch wechselhaft bewölkt. Morgens und vormittags kommt es in Tälern zu Frühnebel, ansonsten nur gelegentlich neblig oder diesig. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 12 und 16 Grad Celsius. In Höhenlagen um 1000 Meter werden nur bis zu 8 Grad Celsius erreicht.