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Ex-Präsident Klaus: Tschechien hat schwache Regierung ohne klare Konzeption

Der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus hat die Regierung und die Opposition des Landes vor Akademikern und Studenten aus der Ökonomie scharf kritisiert. Die Regierung Nečas habe keine klare wirtschaftliche Vision und die Opposition sei destruktiv, sagte Klaus am Samstag bei seinem Vortrag in der Hochschule für Ökonomie in Prag. Alle führenden Politiker hätten nur die Wahlen vor Augen und würden diesem Ereignis alles unterordnen, monierte Klaus. Der ökonomische Rückgang sei keine kurzzeitige Erscheinung, sondern er könne auch länger dauern. Die Regierung aber lasse nicht erkennen, dass ihr dieses Phänomen bewusst sei und sie deshalb auch etwas dagegen tun wolle, erklärte Klaus im bis auf den letzten Platz gefüllten Auditorium der Hochschule.

Das Land werde von einer außergewöhnlich zerbrechlichen beziehungsweise schwachen Regierung Koalition geführt, die uneins sei und keine klare ökonomische Konzeption habe. Und man bekäme zudem ständig den Populismus der parlamentarischen Opposition wie auch den destruktiven Populismus der außerparlamentarischen Opposition vor Augen gehalten, sagte Klaus.

Premier Nečas: Eine Kritik von allem und allen ist nicht mein Programm

Premier und ODS-Chef Petr Nečas hat sich gegen die Kritik von Václav Klaus verwahrt. Als ehemaliger Premier wisse er nur zu gut, wie es ist, eine brüchige Koalitionsregierung zu haben und wie schwer es dann sei, Reformen durchzusetzen. Klaus sei das von seinen damaligen Koalitionspartnern nicht ermöglicht worden. Seine Regierung aber habe seit dem Jahr 2010 schon eine Reihe von Veränderungen durchgesetzt, auch wenn dafür in der Koalition Kompromisse eingegangen werden mussten. Das ökonomische und politische Programm der Regierung widerspiegele sich auf den Auslandsmärkten, und zwar in höheren Rating-Werten und den niedrigsten Zinsen auf staatliche Schuldverschreibungen in der Geschichte des Landes. Eine Kritik von allem und allen sein daher nicht sein Programm, reagierte Nečas auf den Rundumschlag von Klaus.

Präsident Zeman warnt in Theresienstadt vor Manipulationen bei Geschichtsbetrachtung

Bei einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer der nazistischen Verfolgung hat Tschechiens Präsident Miloš Zeman davor gewarnt, bei der historischen Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit jedweden Manipulationen zu unterliegen. Falls man das Recht auf Information aufgebe sowie auf den Vergleich von Informationen dank unterschiedlicher Quellen, dann werde man sich nur noch wie ein dummes Schaf verhalten, sagte Zeman. Das Staatsoberhaupt wählte seine Worte vor dem Hintergrund, dass über die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Krieg gerade wieder aus mehreren Blickwinkeln debattiert werde.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Tschechischen Verbandes der Freiheitskämpfer, Jaroslav Vodička, all diejenigen kritisiert, die die Vertreibung anzweifelten. Damit würden die historischen Ereignisse sehr stark verzerrt. Man müsse an das Unheil vor mehr als 60 Jahren erinnern, damit es sich nicht wiederhole. Man sei daher verpflichtet, stets an die Toten von damals zu erinnern und insbesondere an jene, die in Terezín / Theresienstadt ums Leben kamen, sagte Vodička.

Im Ghetto Theresienstadt und in der Kleinen Festung Theresienstadt haben die Nationalsozialisten während des Krieges Zehntausende Menschen hingerichtet. Ins Ghetto wurden vor allem Juden gebracht. Von den 155.000 Juden, die hier gepeinigt wurden, haben mehr als zwei Drittel die Freiheit nicht erlebt.

Experten: Tschechien wird Rezession im zweiten Halbjahr überwinden

Die tschechische Wirtschaft sollte im zweiten Halbjahr 2013 endlich wieder zulegen. Es werde ein kleines Wachstum geben, sagten zwei führende Wirtschaftsexperten des Landes am Sonntag im Tschechischen Fernsehen (ČT). Dieses Wachstum werde zwar relativ gering sein, doch die Chancen dafür seien da, sagte der ehemalige Finanzminister Jiří Rusnok. In die gleiche Kerbe schlug der ehemalige Wirtschaftsminister der föderativen Tschechoslowakei, Vladimír Dlouhý. Die tschechische Wirtschaft wird in der zweiten Jahreshälfte die Talsohle durchschritten haben, erklärte Dlouhý. Der Chefökonom verwies jedoch darauf, dass das Ende der Rezession nicht sofort auch die Senkung der Arbeitslosigkeit zur Folge habe. Laut Rusnok werden neue Arbeitsplätze frühestens im kommenden Jahr entstehen. Staat und Wirtschaft aber müssten bereits jetzt die Arbeitsplatz-Bewerber auf die neuen Erfordernisse vorbereiten. Vor allem in der Industrie und im Bauwesen müssten zukünftige Arbeitnehmer auch bereit sein, längere Anfahrten auf dem Weg zur Arbeit in Kauf zu nehmen, äußerte Rusnok.

Causa Putna: Zeman will Karlsuni-Rektor Hampl zu Gespräch einladen

Präsident Miloš Zeman will den Rektor der Prager Karlsuniversität, Václav Hampl, zu sich auf die Prager Burg einladen, um ihm seine Gründe für die Nichternennung den Literaturwissenschaftlers Martin C. Putna zum Professor zu erläutern. Dazu warte er aber noch den dazu angekündigten Brief von Hampl ab, sagte Präsidentensprecherin Hana Burianová am Sonntag. Uni-Rektor Hampl hatte Zeman am Freitag mündlich aufgefordert, zu seiner Entscheidung Stellung zu nehmen.

Wegen Zemans Ablehnung, Martin C. Putna zum Professor zu ernennen, war das Staatsoberhaupt in politischen wie akademischen Kreisen des Landes zum Teil scharf kritisiert worden. Infolge des Drucks auf seine Person ließ Zeman am Wochenende zumindest durchblicken, dass ihm Putnas Teilnahme an dem Homosexuellen-Festival Prague Pride missfallen habe. Beim Umzug der Homosexuellen durch die Prager Innenstadt habe Putna dabei ein Plakat mit sich geführt, das er nicht für gut heiße, so Zeman.

Tschechischer Rundfunk setzt Feiern zum Jubiläum mit Interview-Marathon fort

Mit dem Interview-Marathon, bei dem binnen 48 Stunden 90 halbstündige Interviews mit prominenten und interessanten Personen geführt werden sollen, hat der Tschechische Rundfunk auch am Sonntag die Feierlichkeiten zu seinem 90-jährigen Gründungsjubiläum fortgesetzt. In dem öffentlich-rechtlichen Radiosender wurde am 18. Mai 1923 um 20.15 Uhr zum ersten Mal eine Sendung ausgestrahlt. Die ersten Übertragungen wurden noch aus einem Zelt im Prager Vorort Kbely unter dem Namen Radiojournal gesendet. Die Moderatoren des heutigen Radiojournals haben deshalb symbolisch am Samstag um 20.15 Uhr den Interview-Rekordversuch aus einem Zelt auf dem Prager Wenzelsplatz gestartet.

Anlässlich des Jubiläums fand am Samstag ein Tag der offenen Tür im Rundfunk statt. Interessenten konnten dabei die Räumlichkeiten im historischen Gebäude des Prager Senders sowie die Räume seiner regionalen Studios besichtigen. Am Samstagabend haben zudem Kardinal Duka und andere Kirchenvertreter im Prager Veitsdom eine Messe für den Rundfunk gelesen. Das Feierwochenende wird am Sonntag mit einem Gala-Abend im Prager Theater na Vinohradech beschlossen.

Kronjuwelen der böhmischen Könige haben 30.000 Besucher gesehen

Die Ausstellung der Kronjuwelen der böhmischen Könige auf der Prager Burg ging am Sonntag zu Ende. Sie wurde von rund 30.000 Leuten besucht, informierte der Sprecher der Burgverwaltung. Jeden der zurückliegenden zehn Tage hatten sich lange Menschenschlagen gebildet vor dem Wladislaw-Saal, in dem die Krönungsinsignien gezeigt wurden. Dennoch hätten alle, die angestanden haben, auch Erfolg gehabt, so der Sprecher. Am Montag wird der königliche Schatz wieder an seinen Aufbewahrungsort zurückgebracht – in die Schatzkammer im Prager Veitsdom.

Motorrennsport: Tscheche Kornfeil Sechster des WM-Rennens in Le Mans

Motorradrennfahrer Jakub Kornfeil hat am Sonntag den Großen Preis von Frankreich als Sechster in der Klasse Moto 3 beendet. Der 20-jährige Tscheche ist damit bei den Rennen zur diesjährigen Motorrad-WM schon das dritte Mal in den Top Ten gelandet. Mit 27 Punkten liegt er in der Gesamtwertung nach vier der insgesamt 17 WM-Läufe auf dem 7. Platz. Kornfeil, der vom 14. Startplatz ins Rennen gegangen war, hatte am Ende 40 Sekunden Rückstand auf den spanischen Tagessieger Maverick Vinanles.

Tennis: Šafářová verteigt Titel beim Prager ITF-Turnier

Die tschechische Tennisspielerin Lucie Šafářová hat ihren Titel beim internationalen Turnier Sparta Prague Open erfolgreich verteidigt. Im Finale am Sonntag bezwang sie die Rumänin Alexandra Cadantu in drei Sätzen mit 3:6, 6:1 und 6:1. Die Nummer 25 der Weltrangliste ist damit die erste Spielerin, die das Turnier schon zweimal gewonnen hat. Beim ersten Turnier siegte die Tschechin Lucie Hradecká, beim zweiten die Slowakin Magdalena Rybáriková, und im Endspiel des Vorjahres setzte sich Šafářová gegen ihre Landsfrau Klára Zakopalová durch.

Kanu: Tscheche Fuksa gelingt Einzelsieg bei Weltcuprennen in Račice

Beim Weltcup der Kanurennsportler im böhmischen Račice hat der Tscheche Martin Fuksa am Sonntag das Rennen im C1 über 500 Meter gewonnen. Er setzte sich dabei auch gegen den zweifachen Weltmeister auf dieser Strecke, den Weißrussen Dzjanis Haraschu durch, der Zweiter wurde. Am Samstag hatte Fuksa bereits zwei zweite Plätze über die 1000-Meter-Distanz eingefahren. Im K1 belegte zudem der Tscheche Josef Dostál einen sehr guten dritten Platz.

Das Wetter am Montag: bewölkt mit Schauern, bis 21 Grad

Am Montag ist es in Tschechien überwiegend bewölkt. Örtlich Schauer, vor allem in den Bergen, vereinzelt auch Gewitter. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 17 und 21 Grad, in Westböhmen aber nur bei 15 Grad Celsius. In Höhenlagen um 1000 Meter erreichen die Höchstwerte 12 Grad Celsius.