Nachrichten Freitag, 24. März, 2000

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Karel Brezina zum neuen Minister ohne Portefeuille ernannt

Der tschechische Präsident Václav Havel hat am Donnerstag in Lány bei Prag den bisherigen Leiter des Regierungsamtes, Karel Brezina, zum neuen Minister ohne Portefeuille ernannt. Brezina löst Jaroslav Basta (51) ab, dem mangelnde Ergebnisse beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die Wirtschaftskriminalität im Lande vorgeworfen werden. Der 27jährige Brezina ist der jüngste Minister des sozialdemokratischen Kabinetts. Gegenüber seinem Vorgänger Basta ist er jedoch nur mit bedeutend eingeschränkten Vollmachten ausgestattet, da die Nachrichtendienste nicht mehr in seinen Kompetenzbereich entfallen.

Tschechischer Verleger von "Mein Kampf" lehnt Auslieferstopp ab

Für Unruhe sorgt derzeit die erste tschechische Ausgabe des Hitler-Buches "Mein Kampf", die seit Montag auf dem hiesigenen Markt zu haben ist. Politiker verurteilen die unkommentierte Fassung des Buches, die unter den Paragrafen zur Verbreitung kommunistischer und faschistischer Ideologie fallen könnte. Der tschechische Verleger von "Mein Kampf", Michal Zitko, hat die umstrittene Herausgabe des Buches von Adolf Hitler jedoch verteidigt. "Jeder soll ein Recht auf freie Meinungsbildung haben und dieses Basiswerk jener Ideologie lesen dürfen, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig änderte", sagte Zitko am Donnerstag vor Journalisten in Prag. Die Aufforderung des Freistaats Bayern, die Auslieferung zu stoppen, wies der 28jährige zurück. "Ich denke, wir sind ein selbständiges Land", sagte Zitko. Er werde auf ein entsprechendes Fax der deutschen Botschaft in Prag nicht reagieren. Inzwischen beschäftigt sich auch die Polizei mit dem Buch. Laut der Nachrichtenagentur CTK sollen die Gesetzeshüter herausfinden, ob die Publikation nicht einer Straftat darstelle.

Tschetschenien-Flüchtlinge suchten um Übersiedlung in anderes Land an

Die 23 Flüchtlinge aus Tschetschenien, die am Mittwoch im Büro des UN- Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Prag Zuflucht fanden, haben in dieser Institution um die Übersiedlung in ein Land ersucht, in dem man für ihre Sicherheit garantieren könne. Die Gruppe, die hauptsächlich aus Frauen und Kindern besteht, hatte am Mittwoch das Flüchtlingslager Cervený Újezd bei Teplice/Teplitz verlassen und das erwähnte UN-Büro in Prag besetzt. Im Lager - so gaben die Besetzer an - waren sie auf russisch wiederholt telefonisch bedroht worden, was sie aus Angst die Flucht nach vorn ergreifen ließ. Jetzt warten die Flüchtlinge, die sich in ihrer gegenwärtigen Zufluchtsstätte sehr ruhig verhalten, bis sie in ein anderes Flüchtlingslager versetzt werden.

Vorsichtige Prognosen: Bruttoinlandsprodukt steigt 2000 um 1 Prozent an

Der tschechische Premier Milos Zeman erwartet für dieses Jahr einen Anstieg des hiesigen Bruttoinlandsproduktes von 1,5 bis 2 Prozent. Damit äußerte er sich am Mittwoch optimistischer als das Tschechische Statistische Amt, das seine ursprüngliche Einschätzung von einem Zuwachs bis zu 1,6 Prozent nach unten zu korrigieren gedenkt. Auch ODS- und Abgeordnetenchef Václav Klaus sieht das zu erwartende Wirtschaftswachstum eher bei einem Prozent angesiedelt. Grund für die nur gedämpft optimistischen Prognosen ist das am Dienstag durch das Statistische Amt bekannt gegebene Bruttoinlandsprodukt des Jahres 1999. Dieses war gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent gesunken, was Wirtschaftsexperten auf das Fehlen von Impulsen zurück führten. Wegen der Strukturkrise im Bausektor und des zu langsamen Anstiegs der Reallöhne sei kaum mit einer schnelleren Besserung zu rechnen, zitierte die Nachrichtenagentur CTK.

Skoda Auto bleibt die TOP-Firma in Tschechien

Die "Top 100" der tschechischen Wirtschaft werden - wie auch im letzten Jahr - von den Skoda-Automobilwerken aus Mladá Boleslav angeführt. Das ergab die von der Vereinigung Czech Top 100 erneut aufgestellte Liste der in Tschechien am meisten geschätzten Firmen. Silber erhielt in diesem Jahr das Touristikunternehmen Fischer Reisen, den dritten Platz belegte die Tschechoslowakische Handelsbank (CSOB).

In Prag und Brno fanden Demonstrationen zu politischen Ereignissen statt

Einen Tag vor dem ersten Jahrestag des Beginns der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien haben am Donnerstag in Prag zwei Kundgebungen stattgefunden. Auf dem Wenzelsplatz versammelten sich dabei rund 500 Menschen, um ihre Unterstützung für Serbien und das sozialistische Regime von Slobadan Milosevic zu bekunden. Auf Transparenten brachten sie ihre antiamerikanische und ihre Anti-NATO-Haltung ebenso zum Ausdruck wie ihre nationalistisch orientierte Gesinnung für ein "gemeinsames Interesse der slawischen Länder". Vor dem Gebäude der jugoslawischen Botschaft hatten zuvor etwa 30 junge Leute für das Recht der jugoslawischen Republik Montenegro auf Selbstbestimmung demonstriert. In Brno/Brünn wiederum haben ebenfalls am Donnerstag 12 Demonstranten mit Transparenten und der Auslegung von Maschendraht vor dem russischen Konsulat ihren Unmut zum russischen Vorgehen in Tschetschenien geäußert.

Zwei Drittel der Tschechen sagt JA zum EU-Beitritt des Landes

Rund zwei Drittel der tschechischen Bürger erkennen den Beitritt der Tschechischen Republik in die EU aus das vorrangigste politische Ziel ihres Landes an und drei Viertel von ihnen wollen darüber in einem Referendum abstimmen. Das geht aus einer in der ersten Märzhälfte durchgeführten Umfrage des Meinungsforschungszentrums STEM hervor, die am Donnerstag von der Nachrichtenagentur CTK veröffentlicht wurde. Der Umfrage ergab, dass die Unterstützung des EU-Beitrittes ihres Landes bei den tschechischen Bürgern seit dem März 1996 relativ stabil ist.

Und hier die aktuelle Wettervorhersage:

Am Freitag wird das Wetter in der Tschechischen Republik durch einen Tiefdruckausläufer von Westen her beeinflusst. Tagsüber wird es größtenteils bewölkt bis bedeckt sein, örtlich ist mit Regenschauern zu rechnen. Die Nachttemperaturen liegen zwischen 4 und 0 Grad, die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 11 und 15 Grad Celsius.

Die weiteren Aussichten: Am Samstag und Sonntag keine wesentlichen Wetterveränderungen. Es wird größtenteils bewölkt sein, nur vereinzelt klart es auf. Örtlich ist Niederschlägen und morgens mit Frühnebel zu rechnen. Die Nachttemperaturen bewegen sich zwischen 5 und 1 Grad, die Tageshöchstwerte liegen an beiden Tagen zwischen 11 bis 15 Grad Celsius.