Nachrichten Freitag, 31. März, 2000

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SLOWAKISCHER VIZEPREMIER IN PRAG

Die Integration der Tschechischen und der Slowakischen Republik in die EU ist Hauptthema der Gespräche, die der slowakische Vizepremier Pavol Hamzík mit tschechischen Spitzenrepräsentanten am Donnerstag in Prag führte. Der Vorsitzende des tschechischen Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus äußerte seine Freude über das Treffen mit Hamzik und betonte bei diesem Anlass, er würde auf der Erhaltung der tschechisch-slowakischen Zollunion auch in dem Fall bestehen, dass die Tschechische Republik früher als die Slowakei der EU beitreten würde. Über die tschechisch-slowakische Zusammenarbeit im Falle, dass die beiden Länder nicht gemeinsam in die EU aufgenommen werden, verhandelte der slowakische Vizepremier auch mit Außenminister Jan Kavan.

PRÄSIDENT HAVEL KRITISIERT DIE LAGE IN TSCHECHIEN

Unklare Regeln der Privatisierung, besonders bei der Privatisierung großer Betriebe, sowie eine niedrige ethische und politische Kultur sind nach der Meinung von Präsident Vaclav Havel Hauptursachen des mafiaartigen Kapitalismus, der - so Havel - in der Tschechischen Republik wuchere. Das tschechische Staatsoberhaupt sagte dies am Mittwoch in einer Debatte im Tschechischen Rundfunk. Wie Havel erklärte, trage auch er selbst Verantwortung für den gegenwärtigen beunruhigenden Stand, weil er auf die merkwürdigen Geflechte in der Finanzsphäre nicht rasant genug hingewiesen habe. Die kürzlich geführten Gespräche mit Experten hätten jedoch seine schwärzesten Erwartungen bestätigt.

PREMIER ZEMAN IN FINNLAND

Der tschechische Premier Milos Zeman hat sich am Donnerstag während seines Finnland-Besuchs u.A. mit seinem finnischen Amtskollegen Paavo Lipponen getroffen. Die Gespräche der beiden Regierungschefs und der Regierungsdelegationen betrafen die Europäische Union, die Handelbeziehungen und Investitionen, aber auch die Problematik der Roma und die Entwicklung in Österreich. Den Abschluss des Tages bildete ein Besuch bei der finnischen Parlamentspräsidentin Ritta Uosukainen.

DELEGATION DES DEUTSCHEN BUNDESTAGS IN PRAG

Der EU-Beitritt, die Bildungsproblematik, grenzüberschreitender Bahnverkehr, aber auch z.B. die Zusammenarbeit im Sozialbereich sind Themen der Gespräche, die in diesen Tagen deutsche Parlamentarier in Prag führen. Die Delegation der deutsch-tschechischen Parlamentariergruppe im Bundestag, wird von ihrer Vorsitzenden Petra Ernstberger geleitet. Über die Bedeutung der bilateralen Konsultationen auf Parlamentsebene sagte sie gegenüber Radio Prag:

"Das Wichtigste ist der Erfahrungsaustausch, das Gespraech mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem tschechischen Parlament - d.h. Themen zu diskutieren, die vielleicht manchmal auch heikel sein koennen - in einem Rahmen, der unterhalb der Ministerebene stattfindet und wo wir einfach mal Ziele setzen koennen, die wir gemeinsam haben oder wo es Probleme gibt."

AUSZEICHNUNG FÜR DEN WIENER OBERBÜRGERMEISTER

Der Wiener Oberbürgermeister Michael Häupl hat am Donnerstag in Brno/Brünn die Große Gold-Medaille der dortigen Masaryk-Universität übernommen. "Wir wollen auf diese Art und Weise die Bedeutung der Kontakte unserer Universität mit der Kultur des Nachbarlandes Österreich und der Stadt Wien hervorheben," sagte dazu der Prorektor der Masaryk-Universität, Jiri Fukac.

INTEGRATION DES JÜDISCHEN FRIEDHOFES IN DAS GEBÄUDE

Auf 100 Millionen Kronen schätzen Repräsentanten der Tschechischen Versicherungsanstalt (Ceska pojistovna) die Kosten auf die Integration des jüdischen Friedhofs in ihr entstehendes Verwaltungsgebäude im Prager Stadtzentrum. Nach der Entscheidung des tschechischen Kabinetts vom Mittwoch sollen die Reste des bei Bauarbeiten entdeckten Friedhofs von allen Seiten einbetoniert und in das Gebäude integriert werden. Die außerhalb des bebauten Areals liegenden Gräber werden zum Kulturdenkmal erklärt. Außenminister Jan Kavan bemerkte am Donnerstag im Zusammenhang mit der Kostenfrage, er sei vom Kabinett beauftragt worden, Verhandlungen über Finanzierungsmöglichkeiten der Bauänderung auch mit einigen ausländischen Partnern zu führen.

TSCHECHISCHE NATIONALE WALLFAHRT NACH ROM

Rund 5 Tausend tschechische Katholiken haben sich zur Wallfahrt nach Rom begeben. Es handelt sich um die einzige tschechische nationale Wallfahrt in diesem Jubiläumsjahr 2000. Eine Reihe von kleineren Gruppen werde jedoch während des ganzen Jahres in die "Heilige Stadt" pilgern, sagte am Donnerstag der Sprecher der tschechischen Bischofskonferenz Daniel Herman. Es sollen z.B. Wallfahrten katholischer Ärzte, Künstler, Jugendlicher oder Priester veranstaltet werden.

ANTIÖKOLOGISCHER TITEL "ROPAK DES JAHRES"

Die am häufigsten angeführten Kandidaten in der Umfrage um den antiökologischen Titel Ropák (Erdöltier) sind Industrie- und Handelsminister Miroslav Gregr sowie Umweltminister Milos Kuzvart. Wie Miroslav Patrik aus der Organisation "Kinder der Erde" informierte, sei der bisher häufigste Kandidat der Laureat vom letzten Jahr Miroslav Gregr, und zwar wegen der Durchsetzung der Fertigstellung des Atommeilers Temelin im Kabinett und wegen seiner Bemühung um die Verlängerung der Uranförderung in Nordböhmen. Der zweite Kandidat, Milos Kuzvart, wird wegen seiner Kompromissbereitschft bei der Lösung der Borkenkäferkalamität im Böhmerwald und im Streit um die Trassenführung neuer Autobahnen kritisiert.

WETTER

Zum Schluss der Wetterbericht. Am Freitag soll es bewölkt bis bedeckt sein, örtliche Regenschauer sind erwartet. Die Nachttemperaturen liegen zwischen 5 und einem Grad, die Tageshöchstwerte erreichen nur 5 bis 9 Grad Celsius.