Nachrichten Samstag, 13. Januar, 2001

Von Jitka Mladkova

Abwahl des Fernsehrates

Seit Freitag Morgen bis in die späte Nacht hat sich das Unterhaus des tschechischen Parlaments mit der Situation im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (CT) befasst. In einer Abstimmung wurden die restlichen sechs Mitglieder des ursprünglich neunköpfigen Fernsehrates abgewählt. Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte auch darin überein, dass der TV-Sender nicht die im Gesetz definierte Aufgabe einer öffentlich-rechtlichen Anstalt erfüllt. In einem Votum bekräftigte das Abgeordnetenhaus, dass die Meinungsfreiheit in Tschechien nicht gefährdet wurde und auch nicht gefährdet ist.

Pavel Dostal

Das Kabinett rechnet auf keinen Fall mit der Privatisierung des Tschechischen Fernsehens. Dies erklärte Kulturminister Pavel Dostal im Rahmen der Parlamentsdebatte über die Novelle des Mediengesetzes. Befürworter der Privatisierung des Senders ist der Chef des Abgeordnetenhauses und der Demokratischen Bürgerpartei ODS Vaclav Klaus.

Vorschlag zur Tätigkeit des künftigen Fernsehrates

Die Verhandlungen des Fernsehrates sollten künftig nur in den durch das Gesetz festgelegten Fällen für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Diese Meinung präsentierte das ehemalige Mitglied des Fernsehrates Milos Rejchrt bei einer öffentlichen Anhörung im Senat, deren Teilnehmer eine Stellung zur vorgesehenen Novellierung des Fernsehgesetzes nahmen. Nach Rejchrts Meinung sollten nur die Ratssitzungen öffentlichen Charakter haben, auf denen über einen neuen Generaldirektor, den Haushalt bzw. den Jahresbericht zur Tätigkeit des Tschechischen Fernsehens verhandelt wird.

Niederösterreichischer Landeshauptmann in Prag

Die Problematik des Atomkraftwerkes Temelin sowie des Grenzschutzes haben am Freitag der tschechische Premier Milos Zeman und der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll bei einem Treffen in Prag erörtert. Dem Regierungssprecher Libor Roucek zufolge werde Zeman den Innenminister Stanislav Gross beauftragen, sich mit dem Menschenschmuggel an der tschechisch-österreichischen Grenze zu befassen. Erwin Pröll besuchte ebenfalls den Chef des Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus, der seinen Worten nach Verständnis für die österreichische Position in der Temelin-Frage bekundet habe.

Eine weitere Panne in Temelin

Im AKW Temelin musste die Feuerwehr am Freitag einen Brand löschen, der von entwichenem Öl aus dem ersten Reaktorblock ausgelöst worden war. Nach einer Information des AKW-Sprechers Milan Nebesar sei das Feuer sofort unter Kontrolle gewesen, die Flammen hätten keine Schäden verursacht und keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage.

Tschechischer Gesundheitsminister zu Uran-Munition

Der tschechische Gesundheitsminister Bohumil Fiser hält die Wirkungen des Strahlenrisikos für NATO-Soldaten in Bosnien und Jugoslawien durch die Uran-Munition für ausgeschlossen. Wie Bohumil Fiser sagte, komme es ihm seinen Erkenntnissen zufolge unmöglich vor, dass diese Uran-Munition eine solche Wirkung an die Bevölkerung oder die Soldaten ausüben könne, wie allgemein behauptet.

Lage der Züge über das Internet abrufbar

Die Tschechischen Bahnen haben für alle Interessenten eine neue Dienstleistung eingeführt. Die Internetbenutzer können ab jetzt die momentane Lage jedes Zuges auf seiner ganzen Strecke erfahren, und zwar unter www.cdrail.cz. Man müsse nur den Namen oder die Nummer des Zuges eintippen. Wie die Sprecherin der Tschechischen Bahnen Martina Rouskova ausführte, würde die aktuelle Lage der Züge der Tschechischen Bahnen aufgrund der Informationen aus den einzelnen Bahnstationen bestimmt. Die Tschechischen Bahnen fertigen im Durchschnitt täglich über 7 Tausend Züge ab.

Professor Polisensky ist gestorben

Der renommierte und international anerkannte tschechische Historiker und Professor der Karlsuniversität in Prag, Josef Polisensky, ist am Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Professor Polisensky galt als Fachkenner nicht nur auf dem Gebiet der modernen Geschichte, sondern auch der Geschichte Großbritanniens, der Niederlande, der Iberischen Halbinsel sowie Lateinamerikas.

Nationaltheater in Brünn unter Rekonstruktion

Beide Gebäude des Nationaltheaters in Brünn, das Mahen Theater und das Janacek Theater, stehen unter umfangreicher Rekonstruktion. Wie der Direktor des Nationaltheaters in Brünn, Mojmir Weimann, ausführte, stellte die Brünner Stadtkasse für die Reparaturwerke im Mahen Theater etwa 10 Millionen Kronen bereit. Viel aufwändiger ist dagegen der Umbau des Janacek-Theaters, in dem vor allem die Oper- und Ballettensembles des Nationaltheaters Brünn wirken. Wegen der fälligen Reparaturen wird die laufende Theatersaison im Janacek Theater bereits Mitte Mai beendet. Die nächste Saison soll nach Worten des Direktors Weimann am 22. September aufgenommen werden.

Irischer Hersteller von PC-Komponenten in der Region Most

Der Irische Hersteller von PC-Komponenten, M.Ward Manufacturing, wird bis Ende 2002 in seiner Fabrik in der nordböhmischen Region um die Stadt Most 600 neue Arbeitsplätze schaffen. Noch bis Ende dieses Jahres soll die Firma die ersten etwa 100 Leute aufnehmen. Das sagte heute vor Journalisten der Vorsitzende des Wirtschafts- und Sozialrates der Region Most Richard Falbr. Diese Region weist die höchste Arbeitslosenquote in ganz Tschechien auf. Ende des vergangenen Jahres erreichte sie sogar mehr als 21 Prozent.