Nachrichten Sonntag, 16. April, 2000

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Demo für streikende Bergarbeiter

Ungefähr 600 Menschen haben am Samstag vormittag an der Demonstration in Marianske Radcice bei Most/Brüx teilgenommen, um die Forderungen der streikenden Bergarbeiter der Braunkohlemine Kohinoor zu unterstützen. Seit dem 31. März sitzen 47 Bergleute im Besetzungsstreik unter Tage, um den Verkauf der Braunkohlemine einem Interessenten voranzutreiben, der den Betrieb der Mine aufrechterhalten würde. Die Demonstration wurde von den Gewerkschaftern und von den Frauen der streikenden Bergarbeiter organisiert. Die Teilnehmer der Demonstration forderten u.A. den Vorsitzenden der Böhmisch-Mährischen Konföderation der Gewerkschaftsverbände, Richard Falbr, der zugleich als Senator den Kreis Brüx vertritt, zum Rücktritt auf. Damit reagierten sie auf Falbrs Erklärungen, in denen er den Gewerkschaftschef der Kohinoor-Mine, Vladimir Perlik, und den Geschäftsführer der Firma SHD-Peel, die die Mine kaufen will, Ladislav Pleticha, beschuldigte dass sie die Bergarbeiter betrügen.

Fallschirmjäger aus Chrudim reisen nach Bosnien und Herzegowina

An die 500 Angehörigen des 43. Fallschirmjägerbatallions haben sich am Samstag im ostböhmischen Chrudim vor der Abreise nach Bosnien und Herzegowina feierlich verabschiedet. Binnen zwei Wochen werden die Soldaten aus Chrudim ihre Kollegen ablösen, die in Bosnien und Herzegowina im Rahmen der SFOR-Truppen stationiert sind. Josef Sima vom Generalstab der tschechischen Armee erinnerte gegenüber der Nachrichtenagentur ctk daran, dass tschechische Truppen zum erstenmal als Bestandteil der internationalen Führung, also als ein gleichwertiges Nato-Mitglied an der Aktion teilnehmen werden. Bisher waren tschechische SFOR-Soldaten der britischen Führung untergeordnet.

Tschechische Abgeordnete diskutierten in Deutschland über Geheimdienste

Erfahrungen mit der Kontrolle der Geheimdienste auszutauschen, war eines der Ziele des Besuches einer tschechischen Abgeordnetendelegation in Deutschland. Der Leiter der Abgeordnetekommission für die Kontrolle des Sicherheits- und Informationsdienstes-BIS, Jan Klas, bezeichnete den einwöchigen Besuch tschechischer Parlamentarier in Deutschland als sehr nützlich. Er betonte, sie hätten viele anregungsreiche Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt und gute Kontakte auch mit Vertretern bundesdeutscher Sicherheitsdienste angeknüpft. Jan Klas erklärte, dass sie die Erkenntnisse bei der Vorbereitung eines neuen Gesetzes über die Kontrolle der Nachrichtendienste durch das Parlament ausnutzen möchten.

Politologe Dolezal: Tschechen sollen sich den Sudetendeutschen entschuldigen

Die Art, wie die tschechisch-deutsche Erklärung vor drei Jahren verabschiedet wurde, ist nach Meinung des tschechischen Politologen Bohumil Dolezal unwürdig, denn sie stütze sich auf eine unaufrichtige Übereinstimmung beider Seiten. Es sei eine Bürgerinitiative notwendig, die den Text einer tschechischen Entschuldigung formulieren würde. Dieser Text sollte dem Sudetendeutschen Rat adressiert werden und es sollten Unterschriften unter diesen Text gesammelt werden. Dies erklärte Dolezal am Samstag auf der 9. Tschechisch-deutschen Konferenz in Jihlava/Iglau. Opfer des problematischen Konsensus seien - so der Politologe - nicht nur Deutsche, sondern auch Tschechen. "Es ist kein historisches, sondern ein ethisches und politisches Problem, ein Problem der Minderheit, die es uns zwar gelang, zu vertreiben, das bedeutet jedoch nicht, dass sie als unsere Minderheit nicht existiert," meinte Dolezal. An den dreitägigen Iglauer Gesprächen nehmen mehr als 100 Politologen, Historiker und Vertreter von verschiedenen Vereinen aus den beiden Ländern teil.

Ibl nimmt am UN-Kongress über Prävention der organisierten Kriminalität teil

Im Kampf gegen internationale organisierte Kriminalität sind für die Tschechische Republik die Fragen des Frauenhandels und des Kampfes gegen Korruption am brennendsten. Dies erklärte der tschechische Vizeinnenminister Petr Ibl gegenüber Journalisten am Freitag in Wien, wo er an dem 10.-en Kongress der UNO zum Thema der Prävention der Kriminalität teilnimmt. Der Frauenhandel stelle - so Ibl - ein sehr ernsthaftes Problem dar, weil die Tschechische Republik sowohl ein Ziel- als auch ein Transitland sei. In seiner Rede auf dem Kongress stellte Ibl fest, Tschechien sei für die Verabschiedung einer Erklärung, die den Kampf gegen international organisierte Kriminalität anregen wird. Ibl brachte auch die Unterstützung für die vorbereitete Konvention über den Kampf gegen organisierte Kriminalität zum Ausdruck, die im Herbst von der UNO-Vollversammlung gebilligt werden soll.