Zahl der angezeigten Vergewaltigungen steigt in Tschechien

In Tschechien ist die Zahl der angezeigten Fälle von Vergewaltigung sowie häuslicher Gewalt in diesem Jahr angestiegen. Darüber informierte der Vorsitzende des Regierungsausschusses für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Radan Šafařík, am Montag bei einem Pressefrühstück anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Die bisherigen Daten würden darauf hinweisen, dass die Gesamtbilanz in diesem Jahr historisch die höchste überhaupt sein könnte. Das müsse aber nicht unbedingt bedeuten, dass die Gewalt zunehme, so Šafařík. Womöglich suchten nur mehr Opfer nun auch Hilfe.

Die Anwendung des zehntägigen Verweises eines Gewalttäters aus der eigenen Wohnung werde zum Ende des Jahres demnach bei knapp 1500 Fällen liegen. 2022 war auf diese Maßnahme nur 1265-mal zurückgegriffen worden. Zudem zeigen laut Šafařík die Eurobarometer-Umfragen, dass die Menschen in Tschechien Gewalt gegen Frauen mehr als in anderen EU-Länder tolerierten und eher den Opfern die Schuld gäben.

Des Weiteren kündigte die Menschenrechtsbeauftragte der tschechischen Regierung, Klára Šimáčková Laurenčíková, bei dem Treffen an, im Parlament einen erneuten Ratifizierungsprozess für die Istanbul-Konvention anzuregen. Das Dokument zur Prävention von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ist 2016 von Tschechien unterschrieben, bisher aber nicht ratifiziert worden.