Derby in Prag eskaliert: Slavia-Fans stürmen Rasen und greifen Sparta-Spieler an
Das Derby zwischen den beiden Prager Fußballklubs Slavia und Sparta ist am Samstagabend eskaliert. Vier Minuten vor Ende der Nachspielzeit stürmten Hunderte Slavia-Fans mit Pyrotechnik das Spielfeld im Prager Eden-Stadion. Sie warfen Leuchtraketen in Richtung der Sparta-Anhänger und gingen mehrere Spieler des Erzrivalen tätlich auf dem Rasen an. Konkret sollen der Torwart Jakub Surovčík, Stürmer Matyáš Vojta und der Verteidiger Jakub Martinec attackiert worden sein. Die Sparta-Spieler verließen daraufhin aus Sicherheitsbedenken das Stadion. Slavia-Vorstandschef Jaroslav Tvrdík gab schließlich den Abbruch der Begegnung bekannt.
Der Spielstand in der siebenten Minute der Nachspielzeit war 3:2 für Slavia. Im Falle eines Sieges hätte sich der Verein vorzeitig den Meistertitel gesichert. Nun droht jedoch, dass das Spiel als verloren für Slavia gewertet wird. Darüber hinaus muss der Verein mit einer Geldstrafe in Höhe von bis zu zehn Millionen Kronen (411.000 Euro) rechnen. Auch eine Schließung des Stadions gilt als mögliche Maßnahme, über die die Disziplinarkommission des Ligaverbandes entscheiden könnte.
Jaroslav Tvrdík, der seit über zehn Jahren an der Spitze des Slavia-Vorstandes steht, nannte die Situation am Samstagabend den schlimmsten Moment seiner bisherigen Laufbahn bei dem Prager Verein. Am Sonntag gab er im Netzwerk X bekannt, dass die Fankurve im Eden-Stadion bis auf Weiteres gesperrt werde. Von den Hooligans, die auf das Spielfeld gelaufen sind, verlange man Schadensersatz, zudem würden die Fans mit einem lebenslangen Stadionverbot belegt, hieß es weiter. Derweil hat auch die tschechische Polizei Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs aufgenommen.
Slavia gab am Sonntag auch bekannt, dass die beiden Nationalspieler Tomáš Chorý und David Douděra wegen unsportlichen Verhaltens aus dem A-Team ausgeschlossen werden und bis Ende der Saison nicht mehr für die Mannschaft auf dem Rasen stehen werden. Beide Spieler erhielten die Erlaubnis, im Sommer den Verein zu wechseln. Chorý hatte am Samstag in der 59. Minute Rot gesehen – und dies bereits das dritte Mal in dieser Saison. Douděra hatte zu Beginn der Nachspielzeit den Schiedsrichter vulgär beleidigt und dafür ebenfalls eine rote Karte bekommen.