Zwischen Medaillenambitionen und Comeback-Bemühen: Tschechische Leichtathleten bei der EM in Birmingham
Im englischen Birmingham haben am Montagvormittag die Leichtathletik-Europameisterschaften begonnen. Im tschechischen Team gibt es eine Handvoll Sportlerinnen und Sportler mit Medaillenambitionen. Einige von ihnen haben sich jedoch gerade erst von Verletzungen erholt.
Am meisten Chancen auf Edelmetall werden der 400-Meter-Sprinterin Lurdes Gloria Manuel eingeräumt. Sie ist seit März dieses Jahres Hallen-Weltmeisterin.
„Ich wünsche mir natürlich sehr eine Medaille. Es wird aber auch darauf ankommen, wie in dem Moment die Bedingungen sein werden. Ich werde sehen, wie sich das entwickelt“, so die erst 21-jährige Leichtathletin in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.
Shootingstar Lurdes Gloria Manuel
Auch in der Freiluftsaison hat Manuel ihre gute Form bestätigt: Mit 49,37 Sekunden ist sie derzeit die Zweitschnellste über 400 Meter in Europa – hinter der Norwegerin Henriette Jaeger. Doch die Sprinterin aus Ostrava / Ostrau weiß auch:
„Bei einer Europameisterschaft zeigen die Athletinnen noch einmal einen ganz anderen Energielevel. Natürlich hört es sich schön an, auf den vorderen Plätzen in der Rangliste zu sein. Im Wettkampf selbst muss das aber gar nichts heißen, denn meine Gegnerinnen finden vielleicht irgendeine versteckte Motivation.“
Für Lurdes Gloria Manuel beginnt die Mission EM-Medaille am Mittwoch mit dem Vorlauf, das Finale steht jedoch erst am Samstag auf dem Plan.
Verärgerter Kugelstoßer Staněk
Als erste mögliche Medaillenhoffnung Tschechiens ging Kugelstoßer Tomáš Staněk an den Start. Bereits am Montagmittag stand für ihn die Qualifikation an (Staněk wurde Zweiter), und dann am Abend geht es in das Finale. Zwei Wettkämpfe an einem Tag, das macht den Bronze-Gewinner von der EM 2022 in München sauer:
„Auf so etwas werde ich wohl nie vorbereitet sein. Wie soll ich das anständig ausdrücken? Ich glaube, wir werden mit den Mehrkämpfern verwechselt. Ich weiß zum Beispiel gar nicht, wo ich zu Mittag essen werde. Dazu komme ich vielleicht erst um drei Uhr nachmittags. Und zu Abend essen werde ich wohl gar nicht.“
Staněk ließ vor zwei Wochen die tschechischen Leichtathletikmeisterschaften aus, weil er sich beim Krafttraining im hinteren Oberschenkelmuskel eines Beines eine leichte Zerrung zugezogen hatte. Das sollte jedoch in Birmingham kein Problem mehr darstellen, meinte der 35-jährige Kugelstoßer kurz vor der Abreise.
Sehr unklar ist die aktuelle Form jedoch bei einer weiteren tschechischen Medaillenhoffnung: dem Speerwerfer Jakub Vadlejch. Vor zwei Jahren holte er EM-Gold. Doch in der vergangenen Saison hatte der Olympiazweite von Tokio mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Dann startete Vadlejch mit 85,24 Metern in Tokio gut in die aktuelle Saison. Doch bei den folgenden Wettkämpfen der Diamond League konnte er diese Weite nicht bestätigen. Und so steht hinter der Leistungsfähigkeit des Titelverteidigers in Birmingham ein großes Fragezeichen.
Hochspringer Štefela auf Höhenflug
Ganz anders der beste tschechische Leichtathlet des vergangenen Jahres, der Hochspringer Jan Štefela. Bei den Landesmeisterschaften gewann er mit 2,30 Metern den Titel. Im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) sagte er danach:
„Ich bin zufrieden, auch weil wir uns Versuche gespart haben. Deswegen bin ich 2,10 Meter, dann 2,20 Meter und zum Schluss 2,30 Meter gesprungen. Ich hatte ehrlich nicht geglaubt, dass das klappt, es war einfach ein Test. Jetzt bin ich froh, dass das Experiment aufgegangen ist.“
Dabei ist der 25-Jährige in der Hallensaison sogar noch höher hinausgekommen. Im Februar gewann er ein Meeting in Banská Bystrica mit 2,32 Metern. Ein Zentimeter weniger reichte ihm im vergangenen Jahr zu WM-Bronze. Für Štefela beginnen die Europameisterschaften am Dienstagvormittag mit der Qualifikation.
Schwangere Stabhochspringerin Švábíková
Zumindest Ambitionen aufs Finale dürfte die Sprinterin Karolína Maňasová haben. Anfang Juni stellte sie bei einem Meeting in St. Pölten mit 11,01 Sekunden einen neuen tschechischen Rekord über 100 Meter auf. Damit liegt sie in der europäischen Jahresbestenliste auf dem vierten Rang.
Definitiv nicht in Birmingham an den Start gehen zwei Sportler aus Tschechien, die weitere potenzielle Finalhoffnungen gewesen wären: Weitspringer Radek Juška und Stabhochspringerin Amálie Švábíková. Für Juška hat es nicht mehr gereicht, eine Verletzung auszukurieren, die er sich kurz vor den tschechischen Meisterschaften zugezogen hatte. Bei Švábíková ist es hingegen ein freudiger Grund, denn sie ist schwanger.








