Tschechischer Staat plant Fonds zur Unterstützung von Startup-Firmen
Bisher hat sich der tschechische Staat nur projektbezogen um Startup-Firmen gekümmert. Die Regierung von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) plant nun aber eine systematische Hilfe. Dazu soll auch ein staatlicher Risikokapital-Fonds beitragen.
Das tschechische Ministerium für Industrie und Handel will einen Venture-Capital-Fonds gründen. Über ihn sollen Startups und weitere innovative Firmen nötiges Risikokapital erhalten. Den entsprechenden Vorschlag hat das Ministerium bereits zur Beurteilung an die anderen Ressorts geschickt. Und in den kommenden Monaten könnte das Kabinett über die Pläne abstimmen.
Zahlreiche Staaten in Europa haben bereits solche Fonds angelegt. Tschechien hinke in diesem Bereich hinterher, gesteht Martin Jiránek. Er ist der Beauftragte für Startup-Firmen des Ministeriums für Industrie und Handel. Jiránek zählt auf, welche Länder schon weiter sind…
„Die baltischen Länder, Skandinavien, Polen, Deutschland, Frankreich, die Niederlande. Fast alle Staaten haben solch einen öffentlichen Fonds. Und das hat auch Sinn. Auf der einen Seite wird das Kapitalangebot erhöht, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Startups des Landes in der internationalen Konkurrenz bestehen können. Auf der anderen Seite sind die Fonds gewinnträchtig“, so der Bevollmächtigte.
Wobei ein möglicher Gewinn nicht schon gleich morgen kommen muss. Meist setzt sich nur eines von zehn Startups innerhalb von zehn Jahren durch. Doch dann fließen die Einnahmen, die alle anderen erfolglosen Investitionen übersteigen.
Investitionen vermittels Venture-Capital-Fonds
Wichtig ist aber ein weiterer Punkt. Denn der staatliche Fonds wird sein Kapital nicht direkt in die Firmen investieren. Geplant ist hingegen, dass er fünf bis sieben weitere Venture-Capital-Fonds mit Geld ausstattet. Und erst diese geben konkreten Unternehmen die nötigen Finanzmittel. Dabei werden diese Fonds maximal 30 Prozent ihrer Mittel aus öffentlichen Gelder erhalten, der allergrößte Anteil soll hingegen von Privatpersonen kommen. Barbara Pošivalová leitet die Aktiengesellschaft für Entwicklung und Investitionen (Národní rozvojové investiční), eine Tochter der Nationalen Entwicklungsbank, die für Risikokapital zuständig ist:
„Wir erwarten, dass sich der Anteil der öffentlichen Gelder an den Venture-Capital-Fonds sogar zwischen zehn und 25 Prozent bewegen wird. Dann könnte also noch mehr Anteil von privaten Investoren mobilisiert werden.“
Als mögliche Empfänger des Risikokapitals sind vor allem Firmen gedacht, die im sogenannten Bereich der Deep Tech agieren. Gemeint sind damit beispielsweise Biotechnologie, Cybersicherheit, Weltraumtechnologie oder Künstliche Intelligenz. Außerdem könnten Spin-offs von Universitäten mitfinanziert werden, die wissenschaftliche Ergebnisse kommerzialisieren wollen.
Mehrere Kriterien entscheiden
Über die Auswahl der Venture-Capital-Fonds wird der Staat den Plänen nach nicht allein entscheiden. Stattdessen ist eine Kommission geplant, in der auch externe Branchenkenner Platz nehmen. Diese Kommission entscheidet dann aufgrund festgelegter Kriterien, von denen Pošivalová in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks einige nannte.
„Das sind zum Beispiel das Investitionsteam und seine Erfahrungen, die Gebührenstruktur, die Minimalinvestitionssumme in tschechische Startups oder auch der Umfang der privaten Kapitalquellen“, sagte die Expertin.
Laut Barbara Pošivalová könnte jeder der Venture-Capital-Fonds rund 20 Startup-Firmen unterstützen, insgesamt wären es also 100 bis 140. Das entspricht etwa einem Zehntel jener Startups aus Tschechien, die in den vergangenen Jahren Gelder von Privatinvestoren erhalten haben.
Startups fordern Bürokratieabbau
Der hiesige Branchenverband misst der staatlichen Förderung auch einen Symbolcharakter bei. Laut seinem Chef Jiří Vicherek sei dies ein Signal, dass Tschechien an seine Startups glaube. Pošivalová selbst gesteht indes, dass bestimmte Nachbarstaaten mehr Geld in die Hand nehmen würden:
„In Deutschland werden über solche Fonds mehrere Milliarden Euro vergeben. Und in Polen wurde seit 2008 in über einhundert Venture-Capital-Private-Equity-Fonds investiert – und damit indirekt in 1150 Startups.“
Startup-Firmen weisen außerdem darauf, hin, dass auch die Gesetzgebung verbessert und Bürokratie abgebaut werden sollte. Diese sei sogar ein größeres Problem als fehlendes Kapital, hieß es.







