Von der Schulbank ins eigene Business: Wie tschechische Jugendliche Märkte erobern

Schon vor dem Abitur legen sie den Grundstein für ihr eigenes Unternehmen, und zum 18. Geburtstag gibt es neben der Reifeprüfung einen Gewerbeschein. Tschechische Schülerfirmen setzen sich selbst gegen die Großkonkurrenz durch. Laut den Daten des Industrieministeriums ist ihre Zahl in den letzten fünf Jahren um 40 Prozent auf fast 10.000 gestiegen.

Universität für Chemie und Technologie in Prag | Foto: Gampe,  CC BY-SA 4.0 DEED

Im Keller der Hochschule für Chemische Technologie im Prager Stadtteil Holešovice befindet sich ein Raum voller Kartons, Wachse, Dochte und Gläser. Genau hier führen drei Studierende das Unternehmen fort, das sie bereits im Alter von 16 Jahren gegründet haben – und zwar die Herstellung von Duftkerzen. Statt einer professionellen Ausrüstung stünden ihnen Töpfe aus der Küche ihrer Eltern und geschenkte Möbel zur Verfügung, erzählt der Firmengründer Miloš Nováček:

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Wir hatten die Idee mit den Sojakerzen und fingen an, die Sache zu erforschen. Voller Ambitionen kauften wir große Vorräte an Wachs, Dochten und Gläsern, bevor wir feststellten, dass das Ganze gar nicht so einfach ist.“

Duftkerzen und Marketing-Agentur

Zudem war ein Startkapital von 20.000 Kronen (rund 800 Euro) nötig, das die Schüler – auch mit Unterstützung ihrer Eltern – zusammenlegten. Im Laufe der Zeit veränderte sich die Unternehmensstruktur und pendelte sich schließlich auf drei Personen ein. Mittlerweile kaufen längst nicht mehr nur Eltern oder Mitschüler ihre Duftkerzen; sogar Großunternehmen gehören inzwischen zu ihren Kunden.

Vojtěch Sýs | Foto: VŠCHT

Um das Wachstum der Kerzenproduktion zu finanzieren und ausreichend Budget für Material oder Marketing zu sichern, arbeiten die Gründer noch in Nebenjobs. Für die kommenden Wochen planen sie zudem den Sprung in den stationären Einzelhandel. Vojtěch Sýs dazu:

„Ich habe die schöne Vorstellung, dass wir, sobald der Prototyp unseres Kerzenständers fertig ist, beispielsweise in ein Blumengeschäft gehen. Blumen und Kerzen passen ja zusammen, und wir wollen ihnen zeigen, was wir anbieten.“

Auch Marko Veruovič wagte den Schritt in die Selbstständigkeit noch während der Schulzeit. Heute führt er gemeinsam mit einem Partner eine Full-Service-Agentur für 360-Grad-Marketing. Ihr Angebot reicht vom Webdesign über klassisches Marketing bis hin zur Social-Media-Betreuung. Das junge Unternehmen wird bereits mit mehreren Millionen Kronen bewertet, und die Auftragslage wächst kontinuierlich. Manchmal sorge das Alter der beiden Gründer, die heute 19 Jahre als sind, bei den Kunden noch für Überraschung, bestätigt Veruovič:

Marko Veruovič | Foto: Marko Veruovič / FB

„Aber letztlich schätzen sie genau das Alter an uns: Wir bringen den unverfälschten Blick der Generation Z mit. Wir verstehen, was diese Zielgruppe wirklich will, welche Produkte oder Dienstleistungen bei ihr funktionieren und wie man diese auf den Social-Media-Kanälen erfolgreich vermarktet.“

Staatliche Rückendeckung

Gabriela Káninská Repková | Foto: JA Czech

Beide Unternehmen verbindet die Teilnahme am Projekt JA Czech, das sie bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit begleitet hat. Seit 1992 hätten bereits Zehntausende Schüler und Studenten diesen Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Bildungsministeriums durchlaufen, sagt Geschäftsführerin Gabriela Káninská Repková. Sie beschreibt, wie sich der Fokus der Unternehmen verändert hat:

„Wir beobachten eine ganz klare Entwicklung hin zu Technologie und digitalen Lösungen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Jugendliche traditionelle Produkte oder Dienstleistungen aufgeben. Im Gegenteil: Es setzt sich immer häufiger eine Symbiose aus beidem durch.“

Marko Veruovič  (vierter von links) auf der Messe „Junior Achievement EXPO 2024 JA Czech“ | Foto: SOŠAIG

Daten des tschechischen Industrie- und Handelsministeriums bestätigen den Boom junger Gründer: Die Zahl der Unternehmer unter 20 Jahren hat sich hierzulande in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt, bei den unter 25-Jährigen gab es ein Plus von 40 Prozent. Michal Španěl vom Karriereportal Jenpráce.cz zufolge ist Selbstständigkeit parallel zum Studium längst kein Randphänomen mehr:

„Laut dem aktuellen GUESSS Global Report 2025 besitzen bereits 3,4 Prozent der tschechischen Studierenden ein Unternehmen. Weitere 13,8 Prozent befinden sich zudem in der Gründungsphase ihres eigenen Business.“

Autoren: Markéta Kachlíková , Barbora Borovská
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