One, Two, Jazz – deutsch-tschechische Musiktalente spielen gemeinsam

Foto: Romy Ebert

Musik ist eine eigene Sprache. Darum haben die Nachwuchsmusiker der deutschen Glen-Buschmann-Jazzakademie und des Prager Jaroslav-Ježek-Konservatoriums keine Probleme gemeinsam zu spielen. Im Rahmen eines Jugendaustausches bestreiten die Bigbands beider Musikschulen mehrere Konzerte in Prag. Am Donnerstag starteten die jungen Musiker in die Proben, und am selben Abend gaben sie in der Prager Reduta auch ihren Einstand vor dem Publikum.

Die Stimmung im bekannten Prager Jazzclub Reduta ist ausgelassen. Das Publikum jubelt den 30 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu, die sich in Abendrobe auf die schmale Bühne gequetscht haben.

„Wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich viel ältere Musiker vor mir. Die jungen Leute sind sehr talentiert und schaffen eine super Atmosphäre“, sagt ein Konzertbesucher.

Es ist das erste von drei Konzerten in Tschechien, das die Nachwuchstalente der deutschen Glen-Buschmann-Jazzakademie und des Prager Jaroslav-Ježek-Konservatoriums geben. Die Konzertreihe ist Teil eines Jugendaustausches der beiden Musikschulen für Hochbegabte. Für Uwe Plath, Leiter der Bigband an der Glen-Buschmann-Jazzakademie, ein ganz besonderes Projekt:

„Wir haben auch Kooperationspartner in anderen Ländern, die sind aber nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Für uns ist es wichtig, so viele Studenten wie möglich mit anderen in Verbindung zu bringen. Wenn wir mit dem Flugzeug fliegen, sind das vielleicht sechs bis zehn. Aber hier haben wir die Möglichkeit mit dem Bus hinzufahren und 30 mitzunehmen.“

Tatsächlich ist fast die gesamte Glen Buschmann Jazzakademie angereist, darunter 3 Dozenten und 23 junge Musiker. Fast genauso viele tschechische Jugendliche sind beteiligt. Im Jahr 2000 gestartet, musste der Austausch für einige Jahre unterbrochen werden. Seit dem vergangenen Jahr wollen sich die beiden Schulen aber wieder regelmäßig treffen, um voneinander zu lernen. Michal Kašpárek nimmt dieses Jahr zum zweiten Mal teil und ist begeistert:

„In einer Band dieser Art zu spielen ist ein deutlicher Unterschied zu einer klassischen Bigband, bei der man sich regelmäßig trifft und besser kennt. Die Beziehungen sind völlig unterschiedlich. Hier lernen wir uns nur ganz kurz kennen und beginnen sofort zusammen zu spielen. Das funktioniert ganz anders.“

Die Noten haben die jungen Jazztalente schon vor zwei Wochen bekommen, geprobt wird aber nur einen Nachmittag lang. Das macht den fast schon professionellen Musikern aber nichts aus. Karla Kölner, eine der deutschen Teilnehmerinnen, findet:

Dian Pratiwi
„Es sind eben Musiker, man spielt zusammen und das passt alles sehr gut.“

Die Proben sind für die Jugendlichen gleichzeitig Workshops, in denen die Nachwuchstalente beispielweise lernen, wie man Vokalisten begleitet. Im Konzert setzen die jungen Musiker das Gelernte direkt um: Die renommierte Jazzsängerin Dian Pratiwi aus Bali tritt in Tschechien gemeinsam mit den Jugendlichen auf. Am Freitagabend treten die Nachwuchstalente der Glen-Buschmann-Jazzakademie und des Jaroslav-Ježek-Konservatoriums in der Prager Stadtbibliothek auf, am Samstag geht es zum Internationalen Jazzfestival nach Karlovy Vary / Karlsbad weiter. Im November sehen sich die beiden Musikschulen dann in Deutschland wieder und gehen dort auf Tour. Das Eröffnungskonzert im Club Reduta hat die Zuschauer begeistert, auch diese junge Tschechin:

„Das ist mein allererstes Jazzkonzert, und ich bin total überrascht. Ich habe nie etwas mit Jazz zu tun gehabt, aber ich glaube, ich fange jetzt an, regelmäßig zu Jazzkonzerten zu gehen.“

Fotos: Autorin

Autor: Romy Ebert
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