Präsident Vaclav Havel zu Besuch in der Region von Broumov / Braunau

Vaclav Havel in Broumov

Der tschechische Präsident Vaclav Havel hat am Dienstag die Region Broumov/Braunau in Ostböhmen besucht. Den ganzen Tag reiste er durch die Gegend, die seinerzeit durch turbulente Nachkriegsgeschehnisse gezeichnet war. Mit dabei war Jitka Mladkova und berichtet:

sondern verschiedene Bürgerinitiativen, deren Vertreter bei dieser Visite die Hauptgesprächspartner des Präsidenten waren. Die meisten Gespräche und Treffen standen unter dem Motto "Wiederbelebung der Braunau-Region". Das gleichnamige Projekt, erarbeitet und mittlerweile auch von den einzelnen Bürgerinitiativen ins Leben gerufen, gilt der Überwindung der Folgen, die die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung nach dem 2.Weltkrieg bis heute hinterlassen hat. In die Realisierung dieses Zieles, also der Wiederbelebung der Region, gelingt es, wenn auch nicht immer reibungslos, auch Vertreter derjenigen einzubinden, die einst einen integralen Bestandteil dieser Gegend und ihrer Landschaft darstellten. Über diese Zusammenarbeit äußerte sich Präsident Havel wie folgt:

"Ich bin der Meinung, dass dies ein guter und richtiger Weg ist - diese Kooperation mit den sogenannten Sudetendeutschen, also mit den ausgesiedelten Deutschen und deren Nachkommen. Sie können tatsächlich einiges beisteuern - zu den Wurzeln der gemeinsamen Geschichte. Dort, wo es kein Bewusstsein einer Kontinuität gibt, gibt es auch keine richtige Reflexion der eigenen Identität."

Während die Gesprächspartner des Präsidenten im Laufe seiner Visite oft wechselten, begleitete ihn einer beinahe auf Schritt und Tritt: Jan Pinos, Leiter der Verwaltung des Naturschutzgebietes von Broumov und einer der führenden Persönlichkeiten der Bürgerinitiativen dieser Region sowie Initiator des Projektes "Wiederbelebung". Mit dem Thema "Bürgerinitiativen" stieß er beim Präsidenten keineswegs auf taube Ohren, im Gegenteil. Havel gilt als Verfechter einer auf Bürgerinitiativen basierenden Gesellschaft. Bei seinem Treffen mit jungen Aktivisten in Broumov sagte er - Zitat: Wo die bürgerliche Gesellschaft nicht genug Spielraum für die eigene Entwicklung hat, dort siecht die Demokratie dahin und öffnet sich ein Spielraum für totalitäre Kräfte." Gewisse Befürchtungen vor einer möglichen Verengung dieses Spielraums äußerte auch Jan Pinos gegenüber Radio Prag:

Broumov, foto: Google Maps
"Wir fühlen uns bestärkt dadurch, dass der Präsident zu uns gekommen ist. Für uns ist es eine große menschliche Genugtuung. Wir befürchten aber, dass die Verhältnisse, die nach 1998 entstanden, und damit auch die Voraussetzungen, die wir für unsere Arbeit haben, durch eine politische Druckausübung gefährdet werden könnten."

Vaclav Havel besuchte auch Krinice, wo er u.a. auch mit dem Bürgermeister der Gemeinde Martin Sleis zusammenkam. Auf die Frage, ob er sich von dieser Visite etwas verspreche, sagte uns Herr Sleis entschieden:

"Ich erwarte von Herrn Präsidenten keine Hilfe und nichts derartiges. Mir reicht es, dass er in unsere Gemeinde kam und somit bestätigte, was wir mit Erich Ahnesorg , der hier geboren wurde, den Krieg erlebte und abgeschoben wurde, begonnen hatten. Ich mag keine Regierungs- und Parlamentssitzungen darüber, ob hier Tschechen oder Deutsche leben werden. Hier werden doch Menschen leben, und wenn sie sich zusammentun, diejenigen, die hier früher waren und die, die hier heute leben, dann ist alles erledigt, es gibt keine Vorwürfe mehr."

Erich Ahnesorg lebt heute in Bayern, nach Krinice kommt er seit vielen Jahren und faktisch nie mit leeren Händen. Auf die simple Frage, was ihn mit Krinice verbinde, gab er eine simple Antwort:

"Ich bin hier geboren und mein Herz ist hier geblieben. Arbeiten und Leben tue ich in Bayern."