Raumsonde Voyager führt seit 50 Jahren tschechische Grüße an Außerirdische mit sich
Die tschechische Sprache ist auch noch Dutzende Milliarden Kilometer von der Erde entfernt zu hören. Denn die beiden Voyager-Raumsonden führen Aufnahmen mit Grüßen von der Erde mit sich.
Seit 50 Jahren durchqueren die Raumsonde Voyager 1 und ihre baugleiche Schwestersonde Voyager 2 das Weltall. Sie sammeln Daten aus dem äußeren Sonnensystem. An Bord der beiden Fluggeräte befindet sich ein Gegenstand namens „Voyager Golden Record“. Es ist eine kupferne Datenplatte, die zum Schutz vor Korrosion mit Gold überzogen ist und auf der sich unter anderem Aufnahmen von Grüßen in 55 Sprachen finden.
„Liebe Freunde, wir wünschen Ihnen alles Gute.“
Diese Grußbotschaft auf Tschechisch wurde vor 50 Jahren von Václav Otakar Kostroun aufgenommen. Der Physiker lebt heute in den USA. Eine Gruppe von Mitarbeitern der Sternwarte in Brno / Brünn hat den Forscher vor kurzem in Übersee besucht. Kostroun feiert in diesem Jahr seinen 88. Geburtstag. Den Großteil seines Lebens verbrachte er in den USA. An Tschechien denke er jedoch oft, wie Kostroun in einem Gespräch betonte, das von der Brünner Sternwarte veröffentlicht wurde. Der Wissenschaftler sagte unter anderem:
„Ich bin stolz darauf, dass die tschechische Sprache dank meiner Stimme an dem am weitesten entfernten Punkt im Weltall erklingt, den wir als Menschheit bislang erreicht haben. Es freut mich noch mehr, dass ich auf Tschechisch nun zu Ihnen in der Tschechischen Republik sprechen kann.“
Die Sonde Voyager 1 wird im Herbst eine Entfernung von einem Lichttag zur Erde überschreiten. Das sind ungefähr 26 Milliarden Kilometer. Ein Funksignal von der Sonde auf die Erde benötigt inzwischen etwa 24 Stunden. Wissenschaftler von der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa wollten laut Kostroun einst an Bord der Voyager-Sonden eine Botschaft in die Tiefen des Weltraums senden – für potenzielle Finder oder zumindest als eine Erinnerung an die Menschheit. Die Nachricht sollte in vielen Sprachen aufgenommen werden, erinnerte sich der tschechische Physiker:
„Ich war damals gerade in meinem Labor, als mich eine Bekannte anrief. Sie war Ungarin und wusste, dass ich Tschechisch spreche. Sie sagte mir, dass gerade eine Aufnahme für die Sonde Voyager entsteht. Ich hatte nur ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen, wie ich mich kurz äußern könnte. Dann sagte ich ungefähr: ,Liebe Freunde, ich wünsche Ihnen das Allerbeste.‘“
Václav Kostroun hat sich damals dafür interessiert, warum gerade er angesprochen wurde und nicht etwa jemand von der Uno...
„Sie sagten, dass sie dort schon angefragt hätten, aber jeder wollte 20 Minuten lang reden. Die vergoldete Platte hatte jedoch keine derartige Kapazität.“
Die Forscher von der Nasa suchten damals also an den Universitäten nach Menschen, die verschiedene Sprachen beherrschten. Insgesamt wurden Grüße in 55 Sprachen aufgenommen. Um die Langlebigkeit zu gewährleisten, wurden die Stimmen auf der kleinen vergoldeten Datenplatte aufgezeichnet. Die damals gebräuchlichen Magnetbänder wären von der kosmischen Strahlungen schnell gelöscht worden. Die darum ausgewählte Platte dürfte jedoch Milliarden von Jahren überdauern.
Tomáš Přibyl von der Sternwarte in Brünn betont, es sei ein Glücksfall, dass die tschechischen Forscher Professor Kostroun jetzt während der Ferienzeit an der Cornell-University überhaupt angetroffen hätten:
„Das Schuljahr ist gerade zu Ende, viele Mitarbeiter waren schon weg. Aber Herr Kostroun hatte zum Glück Zeit und hat beim Anruf nicht gleich wieder aufgelegt.“
Václav Kostroun erklärt in dem Interview, er würde an den Grüßen, die er vor 50 Jahren für die Raumsonde aufgezeichnet hat, auch heute nichts ändern. Der Platte mit den Aufnahmen wurde in der Sonde eine einfache Gebrauchsanleitung sowie die kosmische Adresse des Planeten Erde beigefügt. Niemand weiß jedoch, ob sie tatsächlich einmal jemand findet...
„Stephen Hawking hatte Befürchtungen, dass dies gefährlich sein könnte“, merkt Professor Kostroun dazu an. Sollten die Außerirdischen unseren Planeten anhand der Daten aus der Sonde aufspüren, wird dies seiner Ansicht nach aber nicht mehr zu unseren Lebzeiten geschehen.







