Täglicher Nachrichtenüberblick

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Tschechiens Spediteuren geht Mindestlohn-Aussetzung nicht weit genug

Tschechischen Spediteuren geht die vorläufige Aussetzung des Mindestlohns für ausländische Transit-Lkw-Fahrer in Deutschland nicht weit genug. Zweifellos reiche dieser Schritt nicht aus, sagte der Sprecher des Branchenverbands Česmad Bohemia, Martin Felix, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Der Verband lehne es ab, dass der Mindestlohn bei Fahrten von und nach Deutschland gelten solle. Das betreffe unzählige Lkw-Transporte, denn Deutschland sei Tschechiens wichtigster Handelspartner. Der deutsche Mindestlohn sei viermal so hoch als der Mindestlohn und doppelt so hoch als der Durchschnittslohn in Tschechien, sagte Felix. Der Branchenverband erwägt weiter rechtliche Schritte. Innerhalb der Europäischen Union sei das eine einmalige Maßnahme, die alle Spediteure bürokratisch belaste, sagte Felix. Ein Staat dürfe sich nicht in die Regelung von Arbeitsverhältnissen in einem anderen Staat einmischen.

Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer hat am Freitag den Beschluss der deutschen Bundesregierung begrüßt. Die DTIHK habe in den letzten Tagen und Wochen sehr viele Anfragen von verunsicherten Unternehmen zur Umsetzung des deutschen Mindestlohns bekommen. Er begrüße daher den Entschluss der Bundesregierung, bis zur Klärung der unterschiedlichen Rechtsauffassungen die Anwendung des Mindestlohngesetzes für den Bereich Transit auszusetzen“, erklärte der Geschäftsführer der DTIHK Bernard Bauer.

Staatspräsident wirft dem Außenminister Appeasement-Politik vor

Präsident Miloš Zeman wirft dem Außenminister Lubomír Zaorálek eine Appeasement-Politik vor. In diesem Sinne sprach er über Zaoráleks ablehnende Reaktion auf seinen Aufruf zu einer Militäraktion gegen den Islamischen Staat. Zemans Meinung wurde am Freitag von seinem Sprecher veröffentlicht. Die empörten Aussagen von Außenminister Zaorálek erinnerten an die Appeasement-Politik der 1930er Jahre. Es sei das gleiche wie zu erklären, die Deutschen hätten selbst mit Hitler aufräumen sollen, führte das Staatsoberhaupt an. Zeman hatte in seiner Rede zum vierten Welt-Holocaust-Forum vor einem „Super-Holocaust mit mehreren Hundert Millionen Toten“ durch den islamistischen Terror gewarnt und rief zu einer vereinten Militäroperation gegen den „Islamischen Staat“ auf.

Generalstabschef Pavel wegen Streitigkeiten mit Verteidigungsminister zum Rücktritt bereit

Der Generalstabschef der Tschechischen Armee, Petr Pavel, erwägt einen Rücktritt von seiner Funktion. Grund dafür sind Streitigkeiten mit dem Verteidigungsminister Martin Stropnický (Ano). Er wolle nicht ein Hindernis im Funktionieren der Armee sein und sei bereit, vorzeitig zurückzutreten. Pavel führte es gegenüber der Tageszeitung Právo am Freitag an. Er reagierte damit auf Streitigkeiten mit dem Verteidigungsminister und mit der Regierung in den letzten Monaten. Zuletzt waren unter anderen der von Stropnický vorgeschlagene Kandidat für den Posten des Chefs der Militärpolizei sowie der Einsatz der Soldaten bei der Bewachung des Munitionslagers in Vrbětice Steine des Anstoßes.

Visa-Studie: Anteil des Grauen Kapitalmarkts am BIP in Tschechien bei 15 Prozent

Das Volumen der grauen Wirtschaft in Tschechien ist im vergangenen Jahr um zirka zehn Milliarden Kronen (ca. 360 Millionen Euro) gestiegen. Das Gesamtvolumen betrug daher 612 Milliarden Kronen (ca. 22 Milliarden Euro). Für dieses Jahr wird ein leichter Anstieg auf 614 Milliarden Kronen (23 Milliarden Euro) erwartet. Das geht aus einer Studie der Kreditkarten-Gesellschaft Visa hervor, die von ihr am Freitag veröffentlicht wurde. Anhand dieser Studie beträgt der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr 15 Prozent. Der europäische Durchschnitt liegt bei 18,5 Prozent.

Fleisch- und Milchproduktion in Tschechien ist 2014 gestiegen

Die Fleischproduktion in Tschechien ist nach elfjährigem Rückgang im vergangenen Jahr erstmals gestiegen. Insgesamt wurden etwas über 451.000 Tonnen Fleisch produziert, das ist ein Zuwachs von 0,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Geschrumpft ist lediglich die nebensächliche Produktion von Pferde- und Ziegenfleisch, bei allen anderen Fleischsorten wurde zugelegt. Ebenfalls gestiegen ist die bei tschechischen Landwirten aufgekaufte Milch. Von den Abnehmern wurden 2,35 Milliarden Liter Milch eingekauft, was einem Zuwachs von 1,3 Prozent entspricht. Die Daten hat das Tschechische Statistikamt (ČSÚ) am Freitag veröffentlicht.

Älteste Chronik Böhmens wird auf Prager Burg ausgestellt

Die älteste Chronik Böhmens wird für vier Tage in Prag ausgestellt. Dabei handelt es sich um die sogenannte Bautzener Handschrift der Chronica Boemorum von Cosmas von Prag. Sie ist bis zum Montag im Rahmen der Ausstellung „Zámky objevované a opěvované“ (zu Deutsch etwa „Entdeckte und besungene Burgen und Schlösser“) in der Reitschule der Prager Burg zu sehen. Die Chronica Boemorum wurde von dem böhmischen Geschichtsschreiber Cosmas von Prag in den Jahren 1119–1125 verfasst. Sie ist in mehreren Handschriften erhalten, die älteste davon ist eben die Bautzener Handschrift von der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Das Buch wird in Sammlungen des Nationalmuseums in Prag aufbewahrt. Es wird seit seiner Restaurierung in den 1990er Jahren erst zum zweiten Mal zugänglich gemacht.

Tschechien steht vor Grippeepidemie

Tschechien kämpft mit einer heftigen Grippewelle. Bis Freitag istom fünf Kreisen eine Grippeepidemie ausgebrochen. Mehr als 1700 pro 100.000 Einwohner wurden es in Mittelböhmen, Südböhmen, Südmähren sowie in den Kreisen Pardubice und Zlín gemeldet. Laut Angaben der Ärzte steht Tschechien vor einer republikweiten Epidemie. Die Zahl der Neuerkrankungen ist in der zurückliegenden Woche besonders bei Erwachsenen stark angestiegen. In Prag lag der Anstieg bei 40 Prozent, was der höchste Wert seit 2010 ist.

Unbekannte warfen auf Autobahn D1 Holzscheite auf Autos – 25 Fahrzeuge beschädigt

Zwei unbekannte Täter haben am Donnerstagabend gegen 19 Uhr von einer Autobahnbrücke bei Hranice in Mähren größere Holzscheite auf vorbeifahrende Autos geworfen. Durch diese kriminelle Tat wurden 20 Fahrzeuge beschädigt, eine Person wurde verletzt. Der Verletzte wurde vor Ort behandelt, die vom Holz getroffenen Autos hatten zerbrochene Windschutzscheiben oder Schäden an der Karosserie. Weitere fünf Fahrzeuge wurden bei einem ähnlichen Vorfall beschädigt, der sich rund eine Stunde früher auf derselben Autobahn D1 nur einige Kilometer weiter in Richtung Ostrava / Ostrau ereignet hatte. Auch hier wurden Gegenstände von einer Brücke auf vorbeifahrende Autos geworfen.

Nach ersten Schätzungen der Polizei ist beim Vorfall nahe Hranice ein Sachschaden von über einer halben Millionen Kronen (18 bis 20 Millionen Euro) und im zweiten Fall von 200.000 bis 300.000 Kronen (um die 10 Millionen Euro) entstanden. Die Polizei hat die Ermittlungen nach den Tätern eingeleitet. Sie fahndet dabei nach einem grünen Pick-up mit Anhänger, auf dem Holz transportiert wurde.

Geheimdienstler tötet Ex-Frau und sich selbst

Ein Geheimdienst-Mitarbeiter hat in Tschechien seine Ex-Frau mit der Dienstwaffe erschossen und sich dann selbst getötet. Das meldete die Nachrichtenagentur ČTK am Freitag unter Berufung auf die Polizei. Hintergrund der Tat seien persönliche Probleme gewesen, teilte ein Sprecher des Inlandsgeheimdienstes BIS mit. Ein Zusammenhang mit der Arbeit des Mannes sei nicht erkennbar. Die Polizei fand die Toten vor dem Wohnhaus der Frau in der Stadt Blovice bei Pilsen, nachdem Anwohner Schüsse gehört hatten. Das Paar hinterlässt zwei Kinder.

Tennis: Šafářová /Mattek-Sands gewinnen Doppel-Titel bei Australian Open

Die Tennisspielerinnen Lucie Šafářová und Bethanie Mattek-Sands haben bei den Australian Open den Titel im Damen-Doppel gewonnen. Das Tennis-Duo aus Tschechien und den USA setzte sich am Freitag im Endspiel in Melbourne gegen Chan Yung-Jan/Zheng Jie (Taiwan/China) mit 6:4, 7:6 (7:5) durch. Die 27-jährige Šafářová eroberte damit ihren ersten Grand-Slam-Titel überhaupt. Sie ist nach 20 Jahren die erste Tschechin, die das Doppel in Melbourne gewonnen hat. Zuletzt war das 1995 Jana Novotná an der Seite der Spanierin Arantxa Sanchez-Vicario gelungen.