Templeton-Preisträger Halík: Eine moralische Verpflichtung

Tomáš Halík (Foto: Martina Schneibergová)

Professor Tomáš Halík ist katholischer Priester, Philosoph und Soziologe an der Prager Karlsuniversität. Während des kommunistischen Regimes engagierte er sich im Untergrund. 1978 wurde er geheim zum Priester geweiht. Und nach der Wende von 1989 gehörte er zu den Beratern von Präsident Václav Havel. Er setzte sich auch international für interreligiöse Toleranz und für einen Dialog zwischen den Religionen sowie zwischen Gläubigen und Atheisten ein. Vorige Woche wurde Professor Halík in London mit dem Templeton-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1973 international renommierten Persönlichkeiten für ihren Beitrag zur geistlichen Dimension des Lebens verliehen. Nach der Rückkehr aus London traf Tomáš Halík am Sonntag mit den Journalisten zusammen. Bei dieser Gelegenheit hat Radio Prag mit ihm gesprochen.

Tomáš Halík  (Foto: Martina Schneibergová)
Herr Professor Halík, zunächst einmal Gratulation zum Templeton-Preis, der Ihnen als erstem Tschechen verliehen wurde. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

„Für mich ist das selbstverständlich eine große Ehre und Freude. Zugleich ist es aber auch eine moralische Verpflichtung, denn vielleicht wird mein Werk und meine Stimme in der Welt nun mehr Gehör finden. Das ist immer mit einer großen Verantwortung verbunden. Ich stehe jetzt in einer Reihe mit großartigen Persönlichkeiten wie Mutter Tereza oder dem Dalai Lama. Der Vergleich mit diesen Preisträgern ist für mich eine Probe der Demut. Aber ich akzeptiere die Entscheidung der Jury und glaube, dass es nicht nur eine Auszeichnung für mich persönlich ist, sondern auch für unser Land, unsere Kirche und die Karlsuniversität.“

Templeton-Preis  (Foto: Archiv UOK)
Glauben Sie, dass Ihnen der Preis in erste Linie für ihre Tätigkeiten in der Untergrundkirche verliehen wurde oder für Ihr theologisch-philosophisches Werk? Oder für Ihre Verdienste um die jungen Gläubigen, oder Suchenden, die Sie angesprochen haben?

„Ich denke, ich wurde für beides ausgezeichnet, auch für meine Tätigkeiten in der Untergrundkirche während des Kommunismus. Damals war ich Berater von Kardinal Tomášek und spielte mit meinem Projekt der geistlichen Erneuerung des Volkes auch eine gewisse Rolle während der Samtenen Revolution. Seit der Wende liegt eine meiner Tätigkeiten im interreligiösen Dialog. Zu dieser kommt meine pastorale und akademische Arbeit hinzu, sowie meine literarische Arbeit. Meine Bücher wurden mittlerweile in 18 Sprachen übersetzt, und ich weiß, dass ich auch im deutschsprachigen Raum viele Leser und Sympathisanten habe. Außerdem habe ich dort gute Kontakte mit den Bischöfen und Vertretern der katholischen Kirche, aber ich arbeite auch ökumenisch. Für die internationale und ökumenische Arbeit fühle ich mich besonders verantwortlich.“

Kardinal Reinhard Marx  (Foto: Wolfgang Roucka,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
In den Medien hierzulande wurden bereits einige Reaktionen der tschechischen Kirche veröffentlicht. Haben Sie auch persönlich Resonanz auf Ihre Auszeichnung von Kirche und Gesellschaft erfahren?

„Ich bekomme viele sympathische Reaktionen, und das nicht nur von den Gläubigen und nicht nur aus der Tschechischen Republik. Zwei Stunden nach der Pressekonferenz in London gratulierten mir auch Kardinal Marx und die Deutsche Bischofskonferenz. Bei der heutigen Sonntagsmesse haben mich die Menschen mit Jubel und Applaus erwartet, aber ich habe gesagt: Das ist nicht für mich, sondern zur großen Ehre Gottes.“

Der Preis ist mit einer verhältnismäßig hohen Summe (1,1 Millionen Pfund, also 1,3 Millionen Euro, Anm. d. Red.) dotiert, die Sie für Ihre Tätigkeiten verwenden sollen. Haben Sie darüber schon mit den Vertretern der Templeton-Stiftung gesprochen?

Foto: Stuart Miles,  FreeDigitalPhotos.net
„Ja, das habe ich. Für mich ist die moralische Dimension des Preises sehr wichtig. Diese Summe ist groß, und ich habe bereits ein Projekt, das ich vertiefen möchte: den Dialog zwischen den Gläubigen verschiedener Religionen und zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen. Die Vertreter der Stiftung möchten auch die internationale Dimension meiner Arbeit verbreitern. Genaue Projekte muss ich mir noch überlegen.“