Munition aus dem Ukraine-Krieg eingeschmolzen: Glocke aus den Niederlanden nach Prag gebracht

Die Glocke der St. Erlöserkirche in Prag in der Königlichen Gießerei Eijsbouts in Asten, Niederlande.

In der Prager Salvator-Kirche ist am Dienstag eine Glocke angekommen, die in den Niederlanden gegossen wurde. Sie enthält Fragmente von Waffen und Munition, die die russischen Truppen im Krieg gegen die Ukraine benutzt haben.

Foto: Filip Nerad,  Český rozhlas

Die Vertreter des Prager Glöckner-Vereins Castullus stellten die neue Glocke auf eine Holzkonstruktion vor den Altar auf. Sie wird am Donnerstag von der niederländischen Königin Máxima bei einer feierlichen Zeremonie offiziell an die Kirche übergeben. Die „Freiheitsglocke“, wie der Arbeitsname für das Instrument lautet, wird dann von Priester Tomáš Halík gesegnet.

Tomáš Halík | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

Im Korpus der Bronzeglocke ist Material aus Patronenhülsen verarbeitet, die in der Ukraine gesammelt wurden. Auf dem Korpus gibt es zahlreiche kleine Kreuze, die die Opfer der russischen Aggression gegen die Ukraine symbolisieren. Dies teilte Ondřej Boháč vom Verein Castullus der Presseagentur ČTK mit. Im Herzen der Glocke stecke zudem ein Fragment einer russischen Rakete S-300, die auf die Ukraine abgefeuert worden sei, so Boháč.

Foto: Botschaft der Niederlande in Prag

Auf der Glocke gibt es zwei Inschriften in den drei Sprachen Tschechisch, Niederländisch und Ukrainisch. Die eine ist ein Zitat aus dem Neuen Testament: „Bleibt fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!“ Die zweite Inschrift sagt etwa über den Sinn der Glocke aus: „Gegossen aus Waffenfragmenten in der schweren Zeit der russischen Aggression gegen die Ukraine. Als ein Ausdruck der Freundschaft zwischen den Niederlanden, Tschechien und der Ukraine rufe ich zum Frieden und zur Freiheit auf.“

Foto: Botschaft der Niederlande in Prag

Erst nach den Sommerferien wird die Glocke, deren Herstellung insbesondere von niederländischen Firmen finanziert wurde, im Nordturm der Kirche installiert werden. Die ursprünglichen Instrumente der Salvator-Kirche wurden während des Ersten Weltkriegs von der Armee beschlagnahmt und für die Waffenherstellung genutzt.

Der Verein Castullus und seine Initiative für die Erneuerung des Glockenfonds in Tschechien haben zuvor bereits die neuen Glocken für die Prager Kirchen St. Castullus sowie St. Gallus und St. Ägidius organisiert. Außerdem stehen sie hinter dem Projekt der Glocke #9801. Deren Nummer symbolisiert die Zahl aller Glocken, die einst von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden sind.

Autor: Martina Schneibergová | Quelle: ČTK
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