Erinnerung an die Opfer der Schlacht bei Königgrätz: „Komitét 1866“ kümmert sich um die Denkmäler
Vor genau 160 Jahren, am 3. Juli 1866, trafen österreichische und preußische Truppen in der Nähe von Hradec Králové / Königgrätz aufeinander. Die Schlacht ist in vielen Sprachen nach dem Dorf Sadová / Sadowa benannt. Sie stellte einen Meilenstein auf dem Weg zur Vereinigung Deutschlands dar. Die harten Kämpfe dieses einen Tages hinterließen 16.000 Tote und Vermisste. Die Habsburger mussten die preußischen Waffenstillstandsbedingungen akzeptieren.
In der Landschaft nordöstlich von Hradec Králové erinnern bis heute zahlreiche Kreuze und Denkmäler an die blutige Auseinandersetzung. Der Verein „Komitét 1866“ bemüht sich, diese Mahnmahle zu erhalten. Miroslav Suchý ist Vorsitzender des Vereins. Vor dem Denkmal der „Batterie der Toten“ sagte er gegenüber Radio Prag International:
„Der Krieg von 1866 spielte sich fast auf dem ganzen Gebiet Böhmens ab. Nahe Königgrätz fand jedoch die entscheidende Schlacht statt. Auf dem ehemaligen Schlachtfeld befinden sich rund 500 Kreuze und Denkmäler. Viele davon stehen heute im Wald oder auf einem Feld. Darunter sind bescheidene Gräber sowie monumentale Denkmäler mit Skulpturen.“
Miroslav Suchý sagt, den zeitgenössischen Angaben zufolge habe die österreichische Armee bei Königgrätz rund 42.000 Männer verloren, miteinberechnet seien jedoch auch verletzte Soldaten. Er fügt hinzu:
„Viele Opfer sind erst später an den Folgen der Kriegsverletzungen gestorben. Auf preußischer Seite wurden 9.000 Gefallene und Verletzte gezählt. Zudem brach nach Kriegsende eine Choleraepidemie aus, bei der bis zu 70.000 Menschen starben.“
Unmittelbar nach der Schlacht am 3. Juli 1866 seien viele der Toten in Gräbern bestattet worden, die gar nicht gekennzeichnet worden seien, berichtet Miroslav Suchý.
„Die Gefallenen wurden damals meistens von Bauern und anderen Dorfbewohnern bestattet, die nach den Kämpfen in ihre halbzerstörten Häuser zurückkehrten. Der Kriegsveteran des preußisch-österreichischen Kriegs, Jan Nepomuk Steinský (1848–1922, Anm. d. Red.), hat damals die Orte besucht, an denen sich die Schlacht abgespielt hatte. Er begegnete Zeitzeugen und sah viele der verwüsteten Gräber, die zudem gar nicht beschriftet waren. Die Gefallenen wurden oft auf Feldern oder in Gärten begraben. Steinský fiel ein, einen Verein zu gründen, der sich um die Gräber von 1866 kümmern würde.“
Der Verein wurde 1888 in Cerekvice nad Bystřicí gegründet. 1892 sei dann ein zentraler Verein entstanden, der sich um die Kriegsgräber kümmern sollte, erzählt Miroslav Suchý. Der Schirmherr des Vereins war Prinz Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, dem die Herrschaft Náchod gehörte:
„Um die Denkmäler kümmerte sich der Verein faktisch bis 1942. Nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich wurde jedoch die Tätigkeit aller Vereine verboten. 1945 mussten die verbleibenden Mitglieder nachweisen, dass sie nicht mit den NS-Besatzern zusammengearbeitet hatten. 1952 wurde der Verein von den Kommunisten dann erneut verboten. Seitdem haben immer nur einige Menschen die Denkmäler und Kreuze im Geheimen gepflegt. An den Jahrestagen wurden die Interessenten daran gehindert, die Gedenkorte zu besuchen. Einige von ihnen wurden vom kommunistischen Geheimdienst StB auch verhaftet. So ging es bis 1989.“
Das kommunistische Regime versuchte laut Suchý, die historischen Denkmäler zu vernichten und sie aus dem Bewusstsein der Menschen zu entfernen.
„Im Svíb-Wald, wo sich der blutige Brennpunkt der Schlacht befunden hatte, sollte damals eine Mülldeponie errichtet werden. Und gleich in der Nähe sollte ein Brennstofflager entstehen. Dazu ist es jedoch nicht gekommen, die Brennstoffe wurden ein Stück weiter in Cerekvice gelagert. 1990 wurde die Vereinstätigkeit dann wieder aufgenommen. Der Verein ‚Komitét 1866‘ hat seinen Sitz seitdem in Hradec Králové. Wir kümmern uns um rund 500 Anlagen. Es entstehen jedoch auch neue Denkmäler. Denn auf Feldern oder beim Bau der Autobahn D35 wurden sterbliche Überreste von Gefallenen gefunden.“
Mehr über den Verein „Komitét 1866“ erfahren Sie unter www.1866.cz.







