Tschechische Fluggesellschaft CSA unter neuer Führung

Jaroslav Tvrdik und Radomir Lasak (Foto: CTK)

Die Tschechische Fluggesellschaft CSA erwartet ein Wechsel an der Führungsspitze. Der bisherige Direktor Jaroslav Tvrdik nämlich wird den Chefsessel verlassen und soll auf Wunsch von Premierminister Jiri Paroubek zum Wahlkampfmanager der Sozialdemokraten werden. Bara Prochazkova berichtet.

Jaroslav Tvrdik und Radomir Lasak (Foto: CTK)
Der ehemalige Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik (37) verlässt nach mehr als zwei Jahren die Führungsposition bei der Tschechischen Fluggesellschaft CSA, sein Nachfolger soll Radomir Lasak (40) werden, bisheriges Vorstandsmitglied des Energieversorgers CEZ. Experten spekulieren, dass Tvrdik seinen Posten wegen der schlechten Wirtschaftsergebnisse von CSA verlässt. Stimmt nicht, sagt Tvrdik, er gehe freiwillig:

"Ich kann kategorisch ausschließen, dass mich jemand aufgefordert hat, die Direktion der CSA zu verlassen. Es handelt sich ausschließlich um meine persönliche Entscheidung, die eine Wende in meinem Leben bedeutet. Wenn ich meinen Kollegen aus der Sozialdemokratie und Premierminister Jiri Paroubek geholfen habe, dann werde ich wieder ein anderes Engagement annehmen, außerhalb der Tschechischen Fluggesellschaft und auch außerhalb der staatlichen Verwaltung."

Bisheriger CSA Direktor Jaroslav Tvrdik (Foto: CTK)
Der Ökonom der Wertpapiergesellschaft Cyrrus, Jan Prochazka, ist jedoch anderer Meinung:

"Meiner Meinung nach ist es nicht seine persönliche Entscheidung. Ich kann nicht in Herrn Tvrdik hineinschauen, aber ich gehe nicht davon aus, dass ihn nur der Wille, in die Politik zurück zu gehen und den Sozialdemokraten bei der Wahlkampagne zu helfen, zu dieser Entscheidung geführt hat. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dahinter die kulminierte Unzufriedenheit der Regierung mit seinen Manager-Fähigkeiten steckt."

Denn unter der Führung von Tvrdik hat die CSA rote Zahlen geschrieben, für das vergangene Jahr wird die Firma wahrscheinlich 329 Millionen Kronen Verlust verzeichnen, das sind mehr als 11 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor war die Firma mit fast der gleichen Summe im Plus. Radomir Lasak, soll nach der Aufsichtsrats- und Vorstandssitzung am 18. Januar den leer gewordenen Chefsessel besetzen und in Zukunft das mehrheitlich staatliche Unternehmen auf die geplante Privatisierung vorbereiten. Wirtschaftsanalytiker Jan Prochazka bilanziert:

"Trotz einiger Verbesserungen, wie zum Beispiel einer besseren Auslastung der Flugzeuge oder einer eindeutig höheren Zahl von Passagieren, schreibt die Tschechische Fluggesellschaft Verluste. Das größte Problem im Moment ist meiner Meinung nach eine fehlende Marketing-Strategie. Herr Lasak hat in der Energiefirma CEZ hervorragende Manager-Fähigkeiten gezeigt und wird deshalb wahrscheinlich ein besserer Leiter dieses Kolosses sein."

Die Führungsposition bei CSA wurde jedoch gegen die Proteste von Pilotenvereinigungen, genauso wie vor zwei Jahren, ohne Auswahlverfahren besetzt. Es sei nötig, die Firma schnell zu übergeben, ein Auswahlverfahren hätte Zeitverlust bedeutet, erklärte Premierminister Jiri Paroubek.