Tschechische Krankenschwestern auf Praxis in Österreich

Krankenschwestern

Herzlich willkommen beim Themenkaleidoskop, liebe Freunde. Aus dem Prager Studio begrüßt Sie Lucie Mouckova. Internationale Zusammenarbeit in der Krankenpflege - so heißt ein gemeinsames Projekt des niederösterreichischen Seniorenheims in Hainburg a/d Donau und des Lehrstuhls für Krankenpflege der Südböhmischen Universität in Ceské Budejovice (Budweis). Insgesamt acht tschechische Studentinnen haben im Sommer vorigen Jahres einige Zeit im erwähnten Altersheim verbracht.

Den Organisatoren dieses Projektes ging es darum, die Seniorenpflege zu verbessern, aber auch darum, den Projektteilnehmern einen Austausch von Ideen und Erfahrungen zu ermöglichen. Auf österreichischer Seite war eine der Organisatorinnen Eva Prochazkova. Zu dem Projekt sagte sie uns:

"Ursprünglich entstand die Idee im Rahmen unseres Studiums der Krankenpflege hier an der Ersten Medizinischen Fakultät. Wir überlegten, wie die Seniorenpflege verbessert werden könnte. Und so kamen wir auf den Gedanken, ausländischen Studentinnen eine Praxis in Österreich zu ermöglichen. Dieses Projekt fand heftige Unterstützung vonseiten der Leitung des Seniorenheimes in Hainburg, wo ich zur Zeit arbeite. Im Sommer kamen also die ersten Studentinnen, und wir werden sehen, wie sich das Projekt weiterentwickeln wird. Zuerst wandten sich österreichische Organisatoren an Tschechien, weil mit diesem Nachbarland die Kontakte am stärksten sind. Weiter waren es die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Dieses Projekt wurde auch politisch unterstützt, denn Österreich legt tatsächlich großen Wert auf die Entwicklung guter Beziehungen mit den Nachbarländern. Außerdem herrschte große Begeisterung darüber, dass es in der Zeit der Polemik wegen der sogenannten Benes-Dekrete oder wegen des Kernkraftwerks Temelin auch etwas Positives gibt."

Die Worte von Eva Prochazkova ergänzt jetzt die Leiterin des Pflegepersonals des Hainburger Altersheimes, Nada Prangl:

Das Hauptwort haben jedoch natürlich die Studentinnen, die an dem Projekt teilnahmen - Michaela, Zdenka und Ludmila. Wie eine von ihnen zugab, gab es am Anfang ein bisschen Probleme mit der Sprache. Denn das, was man in der Schule lernt, entspricht oft nicht der Realität:

"Der österreichische Dialekt war anfangs ziemlich schwierig, aber wir haben's geschafft. Wenn die Leute sahen, dass wir uns Mühe gaben sie zu verstehen, versuchten sie langsamer zu sprechen. Es ging also. Manche Patienten haben sich sogar ihre Zähne eingesetzt, damit wir sie besser verstehen. Sie haben auch unser Deutsch korrigiert, also es war sehr angenehm. Und da in diesem Seniorenheim viele Krankenschwestern aus der Slowakei arbeiten, hatten wir es leichter. Wenn wir also etwas nicht auf Deutsch sagen konnten, gingen wir einfach ins Tschechische über und verständigten uns so."

In Tschechien herrscht die Vorstellung, dass tschechischem Pflegepersonal in ausländischen Krankenhäusern nur eine untergeordnete Arbeit zugeteilt wird. Die Studentinnen bestätigen dies jedoch nicht:

"Dieses Problem gab es gar nicht. Die Senioren haben uns sogar gesagt, dass man uns ansieht, dass wir nicht aus Österreich sind. Dass unser Zugang zu den Patienten anders ist - mit einem Lächeln und so. Dass wir also eine andere Mentalität haben. Die Menschen hielten uns wirklich für gleichwertig. Sie interessierten sich auch dafür, wie die Krankenpflege in Tschechien aussieht. Natürlich hörten sie gern, dass manches in Österreich besser ist. Auf der anderen Seite: bei anderen Dingen behalten wiederum wir die Oberhand."

Beim Vergleich der Krankenpflege in beiden Ländern bezeichnen die Studentinnen auf der tschechischen Seite eine gewisse Steifheit oder Abneigung gegenüber neuen Ideen als Hauptproblem, selbst wenn diese für die Patienten sowie für das Personal von Nutzen wären. Jedenfalls stimmten alle darin überein, dass diese Praxis unbezahlbar war. Und da keine von ihnen weit von der tschechisch-österreichischen Grenze lebt, würden sie ein eventuelles Angebot zur Arbeit im Ausland wahrscheinlich nicht ablehnen.

Nach dem Dienst im Seniorenheim lernten die tschechischen Studentinnen in Begleitung einer einheimischen Krankenschwester auch die Umgebung der Stadt Hainburg kennen:

"Wir nahmen auch an einem Dorffest teil. Dabei wurden wir vom ganzen Dorf empfangen, denn vor dem Fest erschien ein Zeitungsartikel über uns. Die Leute haben uns sehr nett aufgenommen. Sie fragten uns, wie es uns bei ihnen gefällt... Es war sehr angenehm. Es wurde für uns auch eine Exkursion des dortigen Rettungsdienstes organisiert, wir konnten das Krankenhaus besuchen, und natürlich stand auch eine Reise nach Wien auf dem Programm. Während unseres Aufenthaltes stürmte gerade das Hochwasser durch die Gegend, und das war keinesfalls ein schöner Anblick."

Zum Schluss fragten wir noch einmal die Leiterin des Seniorenheimes, Nada Prangl, ob auch die Möglichkeit in Erwägung gezogen würde, dass österreichische Krankenschwestern eine Praxis in Tschechien machen:

Autor: Lucie Mouckova
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