Tschechischer Eishockeyverband gegen Rückkehr von Russen zu internationalen Turnieren

Alois Hadamczik

Russische Eishockeyspieler und -spielerinnen dürfen nach knapp vier Jahren wieder an internationalen Turnieren teilnehmen. Das entschied der internationale Sportgerichtshof CAS am Freitag und gab damit einer Berufungsklage Russlands statt. In Tschechien nehmen Sportfunktionäre und viele, aber nicht alle Politiker klare Stellung gegen die Entscheidung. Sie verweisen darauf, dass der russische Krieg gegen die Ukraine nicht zu Ende ist. Doch was bedeutet das im Praktischen für die Ausrichtung und die Teilnahme an den anstehenden Weltmeisterschaften unterschiedlicher Spielklassen?

Alois Hadamczik ist Vorsitzender des tschechischen Eishockeyverbandes. Er sagte am Freitag, dass ihn die Entscheidung des CAS geschockt habe:

„Und zwar habe ich nicht erwartet, dass über die Berufung gerichtlich verhandelt wird, solange dieser abscheuliche Krieg läuft. Unsere Ansicht als Verband ist eindeutig: Solange es den Krieg gibt, überschattet das moralische Problem alle sportlichen Dinge.“

Deswegen hat sich der Verband gegen die Rückkehr russischer Eishockeyspieler und -spielerinnen auf die internationale Bühne ausgesprochen.

Verbandsvorsitzender fordert Politik zum Handeln auf

Doch im Januar findet in Ostrava / Ostrau die Weltmeisterschaft der Spielerinnen bis 18 Jahre statt. Laut Hadamczik hat sein Verband jedoch keine eigenen Handlungsmöglichkeiten…

„Wir müssen uns der Entscheidung des CAS stellen, wir können sie nicht umkehren. Als einzelnes Land geht das nicht. Wir können nur unsere Regierung darum bitten, den russischen Eishockeyspielerinnen keine Visa auszustellen“, so der Verbandsvorsitzende.

Boris Šťastný | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

Genau darüber will Sportminister Boris Šťastný (Motoristé sobě) nun sprechen. Am Freitag hatte er eine offizielle Protestnote an den CAS geschickt. Doch die Erteilung von Visa ist Sache des Außenministeriums. Deswegen ergänzte Šťastný in einer politischen Talkshow des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (ČT):

„Die Frage ist, ob wir gesetzliche Möglichkeiten haben, um die Teilnahme zu verhindern. Ich werde mit dem Vorsitzenden des tschechischen Eishockeyverbandes, Alois Hadamczik, dem Vizepräsidenten des Eishockey-Weltverbandes IIHF Petr Bříza sowie mit Außenminister Petr Macinka und in Zukunft voraussichtlich auch mit Innenminister Lubomír Metnar reden. Damit werde ich das Maximum dessen tun, was ich machen kann. Alles Weitere liegt an den anderen.“

Boykott durch mehrere Länder?

Doch der Eishockeyverband muss auch entscheiden, wie er mit der Teilnahme an den internationalen Wettbewerben in anderen Ländern umgeht. Vor allem steht in der zweiten Maihälfte kommenden Jahres die Herren-Weltmeisterschaft in Deutschland an.

„Wenn die anderen Länder zur WM fahren, können wir nicht wegbleiben. Die Sanktionen für einen Boykott wären so schwerwiegend, dass uns dies die Eishockeyspieler vorwerfen würden. Aber wenn die Menschen Charakter haben, dann verbünden wir uns – etwa die Schweden, Finnen und wir – und sagen, dass wir die Entscheidung nicht akzeptieren und nicht nach Deutschland fahren“, so Hadamczik.

Der ehemalige Eishockey-Superstar Dominik Hašek ist bekannt dafür, dass er die Ukraine im Kampf gegen Russland unterstützt. Im Interview für Radio Prag International fand er deutliche Worte und forderte:

„Wir brauchen ein Gesetz, das russischen Sportlern und Teams eindeutig verbietet, in unserem Land öffentlich aufzutreten.“

Hašek appelliert an Parlamente

Hašek sagte zudem, dass er in derselben Weise an das Europaparlament und die Parlamente weiterer Länder appelliere.

Dominik Hašek | Foto: Jana Přinosilová,  Tschechischer Rundfunk

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Männer-WM in Mai kommenden Jahres oder die Juniorinnen-WM im Januar hier in Tschechien zur Reklame für den Krieg werden. Dies ist eine Sache unserer Parlamentarier – also die der Tschechischen Republik, Deutschlands und der Europäischen Union. Sie gestalten die Regeln und machen die Gesetze. Und sie müssen sofort handeln, nicht erst morgen oder übermorgen, sondern heute“, so der frühere Torhüter.

Innerhalb der tschechischen Regierungskoalition herrscht aber den ersten Äußerungen nach keine eindeutige Meinung über die Rückkehr russischer Eishockeyspieler und -spielerinnen auf die internationale Bühne, weswegen Sportminister Šťastný am Sonntag auch sagte:

„Mindestens sollte das erreicht werden, was auch bei den Olympischen Spielen gilt. Das ist der Start nur mit einer weißen Flagge und ohne Hymne.“

abspielen

Verbunden