Wirtschafts-Symposium in der Nationalbank

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Edles Ambiente, ein ebenso reichhaltiges Buffet, ein prominenter Referent und 85 kritische Experten: Beim Wirtschaftssymposium im Kongressaal der tschechischen Nationalbank wurde vorige Woche diskutiert, ob auf dem Podium oder anschliessend beim offiziellen Empfang. Denn das Thema, dass die Organisatoren der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Wirtschaftsinstitutes CERGE-EI den tschechischen Ökonomen sowie den Experten aus der EU gestellt hatten, ist einmalig: Wie hat die Tschechische Republik den Übergang zur Marktwirtschaft bewältigt? Mehr dazu in einem Bericht von Jürgen Webermann:

Vaclav Klaus hatte eine Anekdote parat, um auch dem letzten Ökonomen aus der westlichen Welt klar zu machen, wie radikal der Systemwechsel in Tschechien nach der Wende war: Er habe, erzählte der Hauptredner des Wirtschaftssymposiums, 1990 Besuch von amerikanischen Ökonomen bekommen. Als diese ihm versprachen, ihm Informationen ins Finanzministerium zu faxen, habe er nur Bahnhof verstanden - ein Faxgerät kannte er nicht. Spätestens da war klar: Beim Wirtschaftssymposium, zu dem die Adenauer-Stiftung und das Wirtschaftsinstitut CERGe-EI 60 tschechische und rund 25 EU-Wissenschaftler geladen hatten, ging es um Erfahrungen um einen Reformprozess, der für alle - ob Marktwirtschafts-Kenner aus dem Westen oder Ökonomen aus den Mittel- und osteuropäischen Staaten, neu war.

Das Ziel des Symposiums war, ein Netzwerk aufzubauen, Brücken zu schlagen zwischen den tschechischen Wissenschaftlern und den Ökonomen der sogenannten "Brüsseler Initiative", eine Vereinigung von Experten aus den EU-Staaten, die sich auch mit Mittelosteuropa beschäftigen. Und die kamen mit großem Interesse nach Prag, wie Wim Kösters, Mitglied der Brüsseler Initiative, betont:

Dementsprechend aufmerksam hörten die Teilnehmer dem Vortrag von Vaclav Klaus zu, der einerseits die von ihm mit eingeleiteten Reformen der frühen Neunziger Jahre verteidigte, andererseits bekannte, dass auch er "im Gehen gelernt" habe. Bei der anschliessenden Diskussion unter anderem mit dem ehemaligen französischen Fachminister Phillipe Weber erläuterte Klaus noch einmal selbst die Schwierigkeiten, denen Tschechien im Reformprozess ausgesetzt war.

Am Freitag dann setzten die Experten in verschiedenen Diskussionsrunden ihre Gespräche fort. In der sogenannten "Prager Erklärung" bekannten sie sich zur sozialen Marktwirtschaft als geeignetes Instrument, im Zeitalter der Globalisierung erfolgreich zu bestehen. Was jedoch vielleicht noch wichtiger war: Sie können die geknüpften Verbindungen nun nutzen, um gemeinsam an Reformprojekten in der EU und in Tschechien weiterzuarbeiten.

Autor: Jürgen Webermann
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