Wochenschau

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Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zum deutschsprachigen Programm von Radio Prag. In der folgenden halben Stunde unterhalten wir Sie wieder mit Beiträgen unserer beliebten Wochenendrubriken. Doch zunächst hören Sie - wie gewohnt - unseren Rückblick auf die Ereignisse der letzten Woche. Am Mikrofon begrüßt Sie Lothar Martin.

Am vergangenen Sonntag trat der Vertrag über soziale Sicherheit zwischen der Tschechien Republik und der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In dem Vertrag ist geregelt, dass die Bürger beider Länder, die im Heimatland krankenversichert sind, ab dem 1. September dringende medizinische Hilfe auch kostenlos im jeweiligen Nachbarland erhalten. Tschechen, die in Deutschland und Deutsche, die in Tschechien arbeiten und Sozialversicherung zahlen, haben laut dem Vertrag ebenso Anspruch auf Krankengeld und Rente.

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Am Montag begann für rund 1,5 Millionen Schüler und Studenten in Tschechien das neue Schuljahr. Knapp 100 000 Kinder wurden neu eingeschult. Nicht in allen Schulen allerdings konnte am Montag mit dem Unterricht begonnen werden. In vielen Gemeinden und Städten, die vom Hochwasser betroffen wurden, wird der Unterricht erst Mitte September oder Anfang Oktober beginnen.

Ebenfalls am Montag hat der tschechische Präsident Vaclav Havel vier vom Hochwasser schwer betroffene Gemeinden in Süd- und Westböhmen besucht. Zusammen mit seiner Gattin Dagmar überbrachte das Staatsoberhaupt den vier Gemeinden dabei Reinigungsmittel, Gummihandschuhe und weiteres dringend benötigtes Material. Havel stellte fest, dass seine Kanzlei den betroffenen Bewohnern neben diesen Spenden vor allem mit moralischer Unterstützung helfen kann.

Am Montag wurde auch die Gedenkstätte Terezin/Theresienstadt nach dem Hochwasser erstmals wieder geöffnet. Bei der Flut im August stand Theresienstadt bis zu anderthalb Meter unter Wasser. Ersten Schätzungen zufolge wurden dabei Schäden von über 60 Millionen Kronen verursacht. Derweil ist die Zahl der Hochwasseropfer in Tschechien auf 17 gestiegen. Das letzte Opfer war ein 47-jährige Mann aus Südböhmen, der am Montag beim Abpumpen von Hochwasser ohnmächtig geworden und ertrunken ist.

Tschechien und die Slowakei wollen in der abschließenden Phase der Beitrittsverhandlungen ihrer Länder zur EU bei den Gesprächen über die Kapitel Landwirtschaft und Haushaltspolitik zusammenarbeiten. Ebenso gemeinsam wollen sie in Fragen der sogenannten Benes-Dekrete vorgehen. Darauf einigten sich die Außenminister beider Länder, Cyril Svoboda und Eduard Kukan, bei ihren Verhandlungen am Mittwoch in Bratislava.

Der erste Auslandsbesuch von Vladimír Spidla seit seiner Ernennung zum Premier hatte den tschechischen Regierungschef am Mittwoch und Donnerstag nach Polen geführt. Mit dem polnischen Präsidenten Alexander Kwasniewski kam Spidla darin überein, dass sich die Zusammenarbeit in der Visegrad-Gruppe bewährt habe. In den Gesprächen mit seinem polnischen Amtskollegen Leszek Miller stellten beide Ministerpräsidenten übereinstimmend fest, dass die tschechisch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen ein gutes Niveau erreicht haben, es aber weitere Reserven zu erschließen gelte.

V.l.n.r.: Erwin Pröll, Thomas Klestil und Vaclav Havel (Foto: CTK)
Für die Präsidenten von Tschechien und Österreich, Václav Havel und Thomas Klestil, sollte eine mögliche bewaffnete Auseinandersetzung mit dem Irak "eine Aktion der internationalen Völkergemeinschaft und nicht der Alleingang eines Staates sein". Auf diese gemeinsame Einschätzung einigten sich die Staatsoberhäupter am Donnerstag bei einem Treffen in der südmährischen Stadt Znojmo/Znaim. Des weiteren haben beide Politiker mehr Sachlichkeit in der Diskussion über die strittigen Fragen in den tschechisch-österreichischen Beziehungen - die sogenannten Benes-Dekrete und das südböhmische Atomkraftwerk Temelín - gefordert. Österreich sei bereit, sich nachhaltig für einen schnellen EU-Beitritt Tschechiens einzusetzen, heißt es in einer Erklärung, die die Staatsoberhäupter am Donnerstag in Znojmo veröffentlichten.

Die Ministerpräsidenten und weitere Spitzenpolitiker der sogenannten Visegrad-Gruppe haben sich bei ihrem Treffen am Donnerstag im südpolnischen Krynica dafür ausgesprochen, dass der Verbund der vier Länder auch nach dem EU-Beitritt seiner Mitglieder Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei fortbestehen soll. Diese Auffassung wurde auch von Tschechiens Premier Vladimír Spidla vertreten.

Einheiten der tschechischen Armee und der Bundeswehr übten am Freitag bei einem gemeinsamen Manöver in Hradiste bei Karlovy Vary/Karlsbad das "Zerstören eines Terroristenlagers". An der gemeinsamen Übung nahmen etwa 500 tschechische und mehrere Dutzend deutsche Soldaten teil. Neben den Bodentruppen kamen auch tschechische Kampfhubschrauber und deutsche Jagdflugzeuge vom Typ "Tornado" zum Einsatz.