Zehnjähriges Jubiläum der UNO-Kinderrechtskonvention in Tschechien

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Genau vor zehn Jahren - am 6. Februar 1991 - hat Präsident Vaclav Havel die UNO-Kinderrechtskonvention unterschrieben. Dieses Dokument verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen im November 1989 und bis auf wenige Länder ratifizierten es bis heute alle Staaten der Weltgemeinschaft. Wie dieser Vertrag in der Tschechischen Republik eingehalten wird, untersuchte Daniela Kralova.

Die UNO-Kinderrechtskonvention ist ein Dokument, dass die Einhaltung der Kinderrechte auf internationaler Ebene rechtlich verankert. Sie hat eine hohe rechtliche Stellung. Laut Verfassung der Tschechischen Republik ist sie den hiesigen Gesetzen übergeordnet. Rechte auf Überleben, Entwicklung, Schutz und eine Meinungsäußerung gehören zu ihren Bestandteilen.

Trotz dieses hohen Stellenwerts gelingt ihre Umsetzung in Tschechien nach Meinung von Kinderrechtsorganisationen dennoch nicht ganz. Nach den Ursachen dieses Zustands fragten wir den Kinderpsychologen und Mitglied des tschechischen Ausschusses für Unicef Jiri Kovarik: "Wenn ich sehr kritisch sein sollte, müsste ich sagen, dass der Fehler wahrscheinlich darin liegt, dass die Kinderrechtskonvention noch nicht in die Praxis eindrang. Weder Richter noch Sozialarbeiter, Pädagogen oder Psychologen berücksichtigen das Dokument genügend bei ihrer Arbeit.

Und wenn es passiert, sind es eher nur Ausnahmen. Die Kinderrechtskonvention, die die besten Interessen des Kindes verteidigt, ist in vielen Fällen ganz eindeutig. Beispielsweise in Fragen wie wer bei einem Kind das Sorgerecht übernehmen oder ob ein Kind zu einer Ersatzfamilie gehen soll, ist die Konvention ganz klar, aber nur die Wenigsten argumentieren mit ihr und nützen sie für ihre Arbeit. Und das, obwohl sie eine höhere rechtliche Gültigkeit besitzt als geläufige Gesetze."

Bei Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, wird die Kinderrechtskonvention nur wenig anwendet. Das wirkt sich wahrscheinlich auch auf die Kinder auf. Wie, fragten wir nochmals den Kinderpsychologen Jiri Kovarik:

"Ich denke vor allem, dass den Kindern zu wenig Raum gegeben wird, ihre Meinung bei Sachen zu äußern, die sie direkt angehen, sei es zum Beispiel die Frage, wer das Sorgerecht nach einer Scheidung bekommt oder auf welche Art und Weise sich das Kind die Lösung in seiner Familie vorstellen würde, in der es irgendeine pathologische Situation gibt. Aber es geht auch um Kleinigkeiten, wie wenn zum Beispiel in einem Dorf oder in einer Kleinstadt geplant wird, ob dort eine Asphaltstraße gebaut oder ein Spielplatz errichtet werden soll. Die Prioritäten sind meisten dort gesetzt, wo es für die Erwachsenen und nicht für die Kinder Vorteile bringt."

Für diesen Zustand muss man gewiss nach Lösungsansätzen suchen. Dazu Jiri Kovarik:

"Ich glaube, dass es heutzutage wichtig wäre, wenn die neu gewählten Hauptmänner die Frage der Kinderrechte unter ihre Schirmherrschaft nehmen würden: Wenn sie beaufsichtigen würden, dass die Kinderrechte auf regionaler Ebene nicht vernachlässigt werden. Denn jede Region hat ihre Besonderheiten und die muss man berücksichtigt. Ich würde dafür plädieren, dass man den Aktivitäten, die von unten kommen, so unterstützend wie möglich entgegenkäme: Damit meine ich verschiedene Bürgerinitiativen, Kinder- und Jugendtreffpunkte usw. Wenn die Leute etwas von selber machen möchten, sollte man für sie Bedingungen schaffen, dass sie es auch umsetzen können."

Autor: Daniela Kralova
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