„Zelenka ist nicht der böhmische Bach“ – Collegium 1704 startet in eine neue Saison

Das Prager Barockorchester Collegium 1704 und das Vokalensemble Collegium Vocale 1704 wurden 2005 von dem Cembalisten und Dirigenten Václav Luks gegründet. Drei Jahre später entstand eine musikalische Brücke zwischen Prag und Dresden, die an die reiche kulturelle Tradition beider Städte anknüpft. Seitdem verbindet das Ensemble die beiden Musikstädte mit regelmäßigen Konzerten und Projekten. Nun gehen das Orchester und das Vokalensemble in eine neue Saison.

Missa votiva von Jan Dismas Zelenka | Foto: Collegium 1704

Für das Collegium 1704 beginnt eine Saison mit zwei Komponisten, die das Ensemble seit seinen Anfängen begleiten: Johann Sebastian Bach und Jan Dismas Zelenka. Besonders freut sich Orchesterleiter Václav Luks auf Zelenkas „Missa votiva“, mit der das Ensemble im Herbst auf die Konzertbühne zurückkehrt. Das Werk hat für das Collegium 1704 eine besondere Bedeutung: 2007 nahm das Ensemble die Messe in Frankreich auf und ging damit auf Konzerttournee – ein entscheidender Moment in seiner internationalen Entwicklung.

Faszinierende Emotionalität

Václav Luks | Foto: Petra Hajská,  SOČR

Václav Luks bezeichnet als faszinierend. Aber:

„Manchmal sagt man, Zelenka ist sei der böhmische Bach. Ich sage, das ist ganz falsch“, so Luks.

Beide Komponisten seien musikalisch auf höchstem Niveau, stünden aber in sehr unterschiedlichen Traditionen, so der Dirigent: Bach sei tief in der lutherischen, Zelenka dagegen in der katholischen Tradition verwurzelt.

Gerade diese Eigenständigkeit macht Zelenka für Luks so spannend:

Die Musik der neapolitanischen Kirchen | Foto: Collegium 1704

„Was mich persönlich an Zelenka fasziniert, ist seine tiefe Emotionalität und seine Frechheit, mit der er seine Musiksprache formuliert.“

In seiner Musik verbinde sich die Inspiration durch die Renaissance-Polyphonie mit einer geradezu zukunftsweisenden, progressiven Tonsprache. Diese Verbindung von Altem und Neuem sei es, die ihn immer wieder inspiriere, gesteht Vávlav Luks.

Musikalische Brücke Prag–Dresden

H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach | Foto: Collegium 1704

Auch Bach steht in der neuen Saison im Mittelpunkt. Im Dezember führt das Collegium 1704 im Prager Konzertsaal Rudolfinum zweimal seine h-Moll-Messe auf. Und in der Karwoche folgt ein weiterer Höhepunkt: die Matthäus-Passion, deren Entstehung sich im kommenden Jahr zum 300. Mal jährt. Das Collegium 1704 feiert dieses Jubiläum mit einer großen Europatournee, die unter anderem nach Zürich, Madrid und Barcelona führt.

Ein weiteres wichtiges Thema für Václav Luks ist die musikalische Verbindung zwischen Prag und Dresden. Seit mehr als 15 Jahren baut das Collegium 1704 diese Brücke auf – und hat sich dabei in Dresden ein treues Stammpublikum erarbeitet. Auch hier spielt Zelenka eine zentrale Rolle: Er stammte aus Mittelböhmen, studierte in Prag und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Dresden. Jan Dismas Zelenka sei schon vor mehr als 300 Jahren der erste Brückenbauer gewesen, sagt Luks.

Musikalische Reisen durch Europa

Die Musik der neapolitanischen Kirchen | Foto: Collegium 1704

Am 7. September 2026 spielt Collegium 1704 unter der Leitung von Václav Luks im Prager Kulturzentrum  Vzlet im Prager Stadtteil Vršovice. Bei diesem Konzert mit dem Titel  „Die Musik der neapolitanischen Kirchen“ erklingen Werke von Francesco Durante, Jan Dismas Zelenka und Domenico Scarlatti. Das Konzert findet im Rahmen der diesjährigen Saison des Kammerkonzertzyklus „Collegium 1704 und Freunde im Vzlet“ statt. Unter dem TitelStichwort „Musikalische Reisen durch Europa“ wird dabei historische Musik mit Literatur, gesprochenem Wort und theatralischer Imagination verbunden.

Der ehemalige Kinosaal bietet dabei eine besondere Atmosphäre – stellt die Musiker aber auch vor ungewöhnliche akustische Herausforderungen. Was macht den Vzlet zu einem außergewöhnlichen Konzertort, und welche Herausforderungen bringt seine Akustik mit sich? Diese Fragen beantwortet Eva Velická, die neue Direktorin des Collegium 1704, im zweiten Teil des Gesprächs.

Eva Velická | Foto: Thomas Curtelin,  Radio Prague International

Das vollständige Gespräch mit Václav Luks und Eva Velická über die neue Saison, Jan Dismas Zelenka, Johann Sebastian Bach und die musikalische Verbindung zwischen Prag und Dresden hören Sie in der Audioversion.

Mehr zum Collegium 1704 und seinem Programm erfahren Sie unter: https://collegium1704.com/de/.

Autor: Eva Nachmilnerová
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