28. Oktober - Staatsfeiertag der Tschechischen Republik

r_2100x1400_radio_praha.png

Wie bereits in den Nachrichten erwähnt, begeht die Tschechische Republik am 28.Oktober ihren Staatsfeiertag. Ihre Geschichte datiert, streng genommen, erst seit der Teilung der ehemaligen Tschechoslowakei und der daraus resultierenden Entstehung des selbständigen tschechischen Staates am 1.Januar 1993. Dieses Datum fällt seitdem jedes Jahr mit dem Neujahrstag zusammen und hat eigentlich keinen Bezug auf ein konkretes Ereignis in den davor zurückliegenden Jahren. Der 1.Januar 1993 war das Ergebnis der politischen Entwicklung, genauer in den tschechisch-slowakischen Beziehungen, nach der politischen Wende 1989 in der Tschechoslowakei. Die tschechische politische Repräsentanz hat aber beschlossen, den 28.Oktober nach wie vor als Staatsfeiertag zu begehen, obwohl sich dieser auf die Gründung der Tschechoslowakei 1918 bezieht. Diese Etappe der gemeinsamen tschechisch-slowakischen Geschichte ist integraler Bestandteil der tschechischen Geschichte geworden, die man nicht verdrängen konnte und offensichtlich auch nicht wollte. Trotz des zeitlichen Abstands leben in Tschechien immer noch viele Leute, die sich mit der ehemaligen Tschechoslowakei identifizieren und sich sogar als Tschechoslowaken bezeichnen. Es gibt auch solche, die die Tschechoslowakei verlassen und seit langer Zeit im Ausland leben. Sie haben zu einer neuen Identität gefunden, aber ihre Prägung durch die Zeit der sogenannten Ersten Republik, wie sich die Bezeichnung für die Zeitspanne der tschechoslowakischen Geschichte bis zum 2.Weltkrieg eingebürgert hat, tragen sie immer noch in sich. Ob sie wollen oder nicht. In der heutigen Ausgabe unserer Sendereihe wollen wir einen Blick auf diese Zeit mit Hilfe eines Sachkundigen zurückwerfen. Olaf Barth führte ein Gespräch mit Prof. Jiri Kosta, Jahrgang 1929, der die Erste Republik als Jugendlicher erlebte. Als einer der bedeutenden Akteure des Prager Frühlings 1968, emigrierte Kosta 1969 nach Deutschland. In den Jahren 1971-87 hatte er an der Frankfurter Goethe-Universität eine Professur für sozialistische Wirtschaftssysteme inne. Seither lebt er in Deutschland, besucht aber regelmäßig seine alte Heimat Prag. Hier ist also der Schauplatz mit Olaf Barth und Jiri Kosta.

Jiri Kosta betont, dass er in seiner Jugendzeit gegenüber der 1.Republik zunächst kritisch eingestellt war, da sie ihm zu wenig sozialistische Elemente enthielt. Seine Beziehung zur Republik habe sich aber im Laufe der späten dreißiger Jahre deutlich verbessert. Und er fügt an:

Nach 50 Jahren fand die 1.Republik ihre Fortsetzung zunächst in der freien Tschechoslowakei und nach '93 dann in der Tschechischen sowie in der Slowakischen Republik. Wie schätzt Jiri Kosta - der sowohl Insider als auch unabhängiger Beobachter von außen ist - die Entwicklung Tschechiens seit 1993 ein?

Was sein Fachgebiet, die Ökonomie angeht, so zeigt sich Jiri Kosta als ein Befürworter der radikalen Privatisierung, die die Regierung Klaus betrieb - trotz aller damit verbundener Schwierigkeiten. Er selbst habe sich für diese Alternative eingesetzt, jedoch:

Und welches ökonomische Fazit würde der Wirtschaftsexperte Kosta nach acht Jahren tschechischer Marktwirtschaft ziehen?:

Autor: Olaf Barth
abspielen