Als Opfer sexueller Belästigung werden Frauen und Männer bezeichnet werden

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Das tschechische Parlament hat am Mittwoch eine Novelle des Strafgesetzes gebilligt. Sie sieht strengere Strafen für sexuelle Straftäter vor. Aufgrund dieser Novelle wird künftig ohne Rücksicht auf das Geschlecht der Opfer gegen Täter ermittelt werden können. Mehr darüber von Lucie Krupickova:

Das bislang gültige Strafgesetz betrachtet nur die höchste Form der sexuellen Belästigung, die Vergewaltigung, als Delikt.. Die Novelle soll nun ermöglichen, auch andere Arten sexueller Belästigung zu ahnden, wie z.B. auch den erzwungenen oralen oder analen Sex. Und zwar unabhängig davon, ob das Opfer oder auch der Täter ein Mann oder eine Frau ist.

Ich fragte den Sexologen Petr Weiss, was er von dieser Novelle des Strafgesetzes hält:

"Ich halte es für einen großen Schritt in Richtung Emanzipation der Männer in der Gesellschaft. Unseren Forschungen nach waren etwa 5% der Männer in Tschechien bereits mindestens einmal Opfer einer Vergewaltigung. Aus sexologischer Sicht ist diese Novelle also sehr nützlich."

Könnte die Novelle zur Senkung der Zahl von sexuellen Missbräuchen in Tschechien beitragen?

"Ich denke eher nicht. Es wäre natürlich schön, aber wie Statistiken belegen, hängt die Zahl von Straftaten nicht so sehr mit der gültigen Legislative zusammen. Man kann sagen, dass die Zahl sexueller Missbräuche in den letzten 20 oder 30 Jahren relativ stabil geblieben ist."

Nach den Worten von Peter Weiss handelt es sich bei der Hälfte aller Opfer von Vergewaltigungen oder sexueller Belästigung um Partner oder Ehepartner. Nur jeder zehnte sexuelle Missbrauch wird an unbekannten Frauen auf der Straße begangen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Gesellschaft. In Ländern, wo die Emanzipation der Frauen mehr im öffentlichen Bewusstsein verankert ist, ist die Zahl von bei der Polizei gemeldeten Fällen höher. In Tschechien ist dagegen die latente Kriminalität sehr hoch. Es kommen hier nur 3% aller Fälle vor Gericht.

Autor: Lucie Krupickova
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