Ausstellung "Ende der Welt" im Kinski-Palais

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Willkommen zur heutigen Ausgabe des Spaziergangs durch Prag, in dem wir Sie in das Kinski-Palais auf dem Altstädter Ring führen möchten. Das Palais wurde nach einer tiefgreifenden Rekonstruktion vorige Woche wieder geöffnet - mit einer beachtenswerten Ausstellung mit dem Titel "Ende der Welt?". Einen angenehmen Spaziergang wünschen Ihnen Danilo Höpfner und Martina Schneibergova.

Das Kinski-Palais stellt eine Dominante der Ostseite des Altstädter Rings dar. Das Gebäude wurde nach dem Entwurf von Anselm Lurago in den Jahren 1755-1765 erbaut. Anstelle der heutigen Frontseite des Palastes stand in der romanischen Zeit ein Haus, von dem noch ein Saal mit einem Portal erhalten blieb. An der Nordseite des romanischen Hauses wurden Reste eines gotischen Gebäudes gefunden, von dem auch ein Feld des Kreuzgewölbes erhalten blieb. Im 14. Jahrhundert war dort eine Wechselstube untergebracht, die den Käufern von dem naheliegenden Ungelt zur Verfügung stand. Das Haus hiess deswegen "Zur alten Währung". Nach 1431 war das Haus eine Zeit lang im Besitz des bekannten hussitischen Führers Jakoubek von Vresova.

1615, als das Haus Heinrich Pichlberger gehörte, residierte dort die exotische Botschaft, die vom türkischen Sultan zum Kaiser Matthias entsendet worden war. Ein interessantes Schicksal hatte auch das südlichere Haus in dem Gebäudekomplex - das sog. "Muglicerovsky oder Hodejovsky"-Haus. Dort nahm Sigismund von Luxemburg von den Prager Bürgern den Treueeid entgegen. Knapp zwei Jahre später tat dasselbe auch Sigismunds Schwiegersohn Albrecht. Das Haus wurde deswegen mit Recht das Haus "Zum königlichen Stuhl" genannt. Nach 1506 liess der höchste böhmische Kanzler Albrecht Kolowrat die beiden Häuser, die sich am Ort des heutigen Palastes befanden, miteinander verbinden. Unter den Jagiellos wurde in diesem Objekt eine offizielle Residenz für Gäste aus den höchsten Kreisen errichtet. In den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts wurde das südliche Gebäude in ein luxuriöses zweistöckiges Renaissancehaus verwandelt. Gotische- sowie Renaissancemauerwerke sind bis heute in dem Barockobjekt enthalten geblieben.

In den Jahren 1750-1755 übergingen die beiden Gebäude, die sich auf dem Grundstück des künftigen Palastes befanden, in den Besitz des Grafen Jan Arnost Golz. Der Bau des Palastes wurde vielleicht schon 1765 beendet, Graf Golz starb bald danach. Seine Witwe verkaufte das Haus 1768 samt der Ausstattung für 35.000 Gulden an Frantisek Oldrich Fürst Kinski, der kaiserlicher Geheimrat und bekannter tschechischer Patriot war. Das Palais gehörte der Familie Kinski bis 1945.

Unter Rudolf Fürst Kinski - 1836 - wurde die ganze Residenz umgebaut. Dem Gebäude wurde das frühere Haus "Zu Pechanec" angeschlossen, wo sich am Ende des 18. Jahrhunderts Gerles bekannter öffentlicher Lesesaal befand. Während des Umbaus entstand die Fassade, die ein einzigartiges und sehr frühes Beispiel des barockisierenden Historismus in der tschechischen Architektur darstellt. Fürst Rudolf Kinski hatte die renovierte Residenz nicht mehr erlebt. Der namhafte tschechische Diplomat starb im Jahre 1836 im Alter von 34 Jahren.

Mit dem Kinski-Palais sind auch einige weitere namhafte Persönlichkeiten und schicksalhafte Ereignisse verbunden. 1843 wurde dort die bekannte Pazifistin und Friedensnobelpreisträgerin Berta Suttner-Kinski geboren. Franz Kafka, dessen Vater Heinrich im Erdgeschoss ein Geschäft hatte, besuchte in den Jahren 1893-1901 das deutsche Gymnasium, das dort den Sitz hatte. Bis 1929 war in dem Gebäude die polnische Botschaft untergebracht. Am 25. Februar 1948 verkündete Klement Gottwald vom Balkon des Gebäudes den Pragern den Anfang der bolschewistischen Diktatur. Genau 42 Jahre später stellte auf demselben Balkon Präsident Vaclav Havel fest, dass die Epoche der kommunistischen Experimente vorbei sei. Im Kinski-Palais sind seit 1945 die Sammlungen der Zeichnungen und der Graphik der Nationalgalerie untergebracht. Nach einer fünfjährigen Rekonstruktion wurde das Kinski-Palais vorige Woche wieder geöffnet. Ans Mikrophon bat ich bei dieser Gelegenheit den Direktor der Nationalgalerie, Professor Milan Knizak:

Das Kinski-Palais wurde mit einer Ausstellung zum Thema "Ende der Welt" eröffnet, in der Kunstwerke seit der Gotik bis in die Gegenwart zu sehen sind. Dazu Professor Knizak:

Eine Ausstellung, die nicht chronologisch, sondern thematisch konzipiert ist, kann auf Besucher, die nicht oft in Kontakt mit Kunst kommen, etwas überraschend wirken. Wir fragten noch einmal Professor Milan Knizak:

Soweit Professor Milan Knizak.