Beach-Volleyballerinnen Kiki und Maki feiern ihre erfolgreichste Saison

Foto: Jaroslav Bartoš, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Beach- oder auch Strandvolleyball besaß viele Jahre nur das Image einer Freizeitsportart. Seit dem olympischen Debüt dieses Sports im Jahr 1996 und der ersten WM nur ein Jahr später, jeweils in den USA, aber kletterte dessen Popularität enorm. Und auch in Tschechien ist Beach-Volleyball spätestens mit Olympia 2012 zu einem Begriff geworden – dank Kristýna Kolocová und Markéta Sluková. Bei den Spielen in London haben Kiki und Maki ,wie sich selbst nennen, den sehr guten fünften Platz belegt, in der diesjährigen Saison folgten nun ihre ersten zwei Turniersiege auf der World Tour. Das ist auch das Verdienst ihres österreichischen Trainers und Managers Simon Nausch.

Markéta Sluková und Kristýna Kolocová (Foto: Jaroslav Bartoš, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Strahlend und gut gelaunt traten die beiden 26-jährigen Beach-Volleyballerinnen am vergangenen Donnerstag vor die nationalen Medien. Sie hatten auch allen Grund dazu:

„Die abgelaufene Saison war anstrengend und lang, aber sie ist auch überaus erfolgreich gewesen“, offeriert Markéta Sluková den anwesenden Journalisten. Und Kristýna Kolocová ergänzt:

„Ich würde sagen, es war die beste Saison unseres Lebens. Jemand sagte mir jedoch vor kurzem, ich solle zurückhaltend bleiben, denn das Beste würde noch auf uns warten. Von daher korrigiere ich: Es war die bislang beste Saison unserer Karriere.“

Simon Nausch mit den beiden Beach-Volleyballerinnen (Foto: Offizielle Facebook-Seite von Kristýna Kolocová und Markéta Sluková, Public Domain)
Und Simon Nausch, der das Mädchenduo seit fünf Jahren betreut, wusste den Erfolg auch mit Zahlen und Fakten zu belegen. Von insgesamt 51 Turnierspielen haben seine Schützlinge 39 gewonnen. Sie feierten in Prag und Berlin ihre ersten beiden Grand-Slam-Turniersiege sowie noch je einen dritten und vierten Platz auf der World Tour. Seit Juli 2013 haben sich Kiki & Maki als einziges Team der Weltspitze in den Top Ten gehalten, und in Europa gehören beide zur Crème de la Crème überhaupt. Dafür hat Nausch unter anderem diese Erklärung:

„Gegenüber ihren Konkurrentinnen auf der World Tour sind beide relativ klein, dafür aber sehr flink. Man kann diese Gegebenheit auch so ähnlich sehen wie im Fußball: der spielstarke FC Barcelona würde vom athletischen FC Chelsea vermutlich körperlich niedergelaufen. Das heißt also, man muss genau wie der FC Barcelona Kombinationen spielen, man muss variantenreich agieren. Genau mit dieser Maßgabe habe ich schon sehr früh begonnen, die beiden Mädchen zu trainieren. Zudem legte ich Wert darauf, dass ihr Servicespiel sehr stark sein muss.“

Markéta Sluková (Foto: Petr Kadlec, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
In diesen und anderen Elementen des Spiels haben sich Kiki und Maki über die Jahre hinweg kontinuierlich verbessert. Doch wie ist es 2009 eigentlich zur Zusammenarbeit der beiden Tschechinnen mit Simon Nausch gekommen?

„Eigentlich hat alles begonnen mit einer Lovestory zwischen Maki und mir. Zuerst hatten wir nur eine ganz normale Boyfriend-Girlfriend-Beziehung. Ich habe indes gewusst, dass ich meine Karriere aus vornehmlich verletzungsbedingten Gründen nur noch aus Spaß betreiben kann. Eine Rückkehr zur Weltspitze oder Olympische Spiele waren für mich nicht mehr erreichbar. Aber wenn man halt dann so ein Jahr zusammen ist, und die Freundin auch Volleyball spielt, dann schaut man dann natürlich bei ihr auch etwas genauer hin. Und dabei habe ich schon ziemlich früh erkannt, dass das Team eigentlich viel Potenzial hätte. Dies hat man hierzulande aber ein wenig übersehen, weil in Tschechien weit mehr auf die Männer geschaut wird. Also habe ich mal damit angefangen, den Mädchen ein Konzept zu schreiben, wie man vorwärts kommen könnte. Denn sie hatten wirklich keine Ahnung gehabt, was ist eigentlich die World Tour und wie kommt man dorthin. Mit dem Konzept haben wir dann begonnen, so langsam in diese FIVB-Tour hineinzuwachsen.“

Kristýna Kolocová (Foto: Petr Kadlec, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Mit der Erarbeitung des Konzepts reichte der heute 36-jährige Nausch den beiden jungen Sportlerinnen quasi auch gleich seine hilfreiche Hand als Manager. Als Coach übernahm er das Duo erst später, nachdem der damalige Prager Verein der Mädchen aufgelöst wurde und sie sich so auch von ihrem tschechischen Trainer getrennt hatten. Schon früh erkannte Nausch indes das Talent von Kiki und Maki:

„Ich habe halt das Glück, dass ich aus Österreich komme und wir dort die Schwaiger-Schwestern haben. Beide Schwestern kenne ich, seitdem sie 17 Jahre alt waren. Daher konnte ich vergleichen und habe so auch sehr früh gesehen: Moment mal, Kiki und Maki sind vom Ball-Touch her eigentlich besser als die Schwaiger-Schwestern. Was meine Schützlinge damals indes noch nicht konnten und kannten, waren technische und taktische Feinheiten. Zum Beispiel die Antwort auf die Frage: Wie baut man ein Spiel mit System auf? Zudem waren ihre Grundtechniken wie Annahme oder Zuspiel einfach noch zu wackelig.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite von Kristýna Kolocová und Markéta Sluková, Public Domain
Spätestens in der diesjährigen Saison aber haben Kiki und Maki ihren Leistungssprung nachhaltig unter Beweis gestellt:

„Verbessert haben sich beide sowohl bei der Annahme als auch beim Aufschlag. Die Annahme ist sehr wichtig, denn sie ist der erste Ballkontakt im Spiel. Wir haben ebenso stark am Aufschlag gearbeitet, doch lustigerweise für ein kleines Team mehr an der Fehlerquote. Meine Prämisse dabei ist: Man darf mehr Fehler produzieren, muss im Gegensatz dazu aber auch mehr gute Aufschläge haben, die den direkten Punkt bringen. Also nicht umgekehrt: wenige Fehler machen, aber dafür viele leichte Aufschläge spielen. Und das, würde ich sagen, war letztes Jahr das Schlüsselelement.“

Dank dieser Verbesserungen und eines noch mehr im Detail verfeinerten Trainings sowie durch die hinzugewonnene Unterstützung von Special Coaches und Physiotherapeuten haben Kolocová und Sluková in diesem Jahr ihre bisher beste Saison hingelegt. Ist diese Erfolgsbilanz aber trotzdem noch zu steigern?

Foto: Offizielle Facebook-Seite von Kristýna Kolocová und Markéta Sluková, Public Domain
„Zwei Turniersiege in einem Jahr zu feiern, das ist meiner Meinung nach fast top. Das ist fast nicht mehr zu toppen. Bei den Medaillenrängen und Semifinal-Teilnahmen halte ich indes eine Steigerung für möglich. Wir werden folglich in diesem Winter daran arbeiten, dass die Mädchen diese Top-Leistungen öfter und konstanter abrufen können.“

Neben ihrer sportlichen Leistung haben Kiki und Maki ebenso das gewisse Etwas, um in ihrer Sportart auch auf ihre Weise herauszustechen:

„Beide lassen sich sehr gut vermarkten. Zum einen, weil sie optisch sehr gut aussehen, aber auch weil sie sehr authentisch sind. Sie verstellen sich im Grunde genommen fast nie. Manchmal würde ich es aber gerne mehr wollen, dass sie im Feld auch ein bisschen Schauspieler sind. Daran arbeiten wir auch. Aber eigentlich bin ich froh, dass sie sich wirklich so geben, wie sie sind – sie sich ausgiebig freuen oder auch mal ärgerlich sind am Court. Aber wie gesagt: beide lassen sich sehr gut vermarkten.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite von Kristýna Kolocová und Markéta Sluková, Public Domain
Die sportlichen Erfolge, die gute Vermarktung und die disziplinierte Nutzung der finanziellen Mittel haben mittlerweile auch dafür gesorgt, dass Trainer Simon Nausch nicht mehr – wie noch zu Beginn seines Engagements – umsonst arbeiten muss. Auch die beiden Spielerinnen können sich jetzt durchaus mehr Ausgaben erlauben als früher. Kristýna Kolocová:

„In dieser Saison haben wir so viel Preisgeld wie noch nie eingenommen. Zudem hatten wir starke Sponsoren, deshalb war diese Saison für uns auch in finanzieller Hinsicht die bisher beste. Auf der anderen Seite übersteigen unsere Einnahmen die hohen Kosten nicht in dem Maß, das wir jetzt sagen könnten, wir haben das Geld für die nächste Saison bereits zusammen. Von daher werden wir in den nächsten Wochen erneut versuchen, wieder ein solches Finanzpaket zusammenzukriegen, um auch im nächsten Jahr problemlos zu allen Turnieren der World Tour reisen zu können.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite von Kristýna Kolocová und Markéta Sluková, Public Domain
Laut Nausch müssten dafür wenigstens wieder knapp 50.000 Euro zusammenkommen. Denn in dieser Größenordnung lagen die Kosten, die das Team um Kiki und Maki in dieser Saison zu begleichen hatte. Die internationalen Top-Teams, allen voran die Beach-Volleyballerinnen aus Brasilien und den USA, können wohl bei ihren Turnierteilnahmen auf mehr als das Doppelte an Geld zurückgreifen. Deren Budgets liegen bei 100.000 bis 120.000 Euro, mutmaßt Nausch. Trotz dieses finanziellen Nachteils haben der in Prag lebende Österreicher, seine Verlobte Markéta Sluková und deren sportliche Partnerin Kristýna Kolocová auch in der kommenden Saison wieder ehrgeizige Ziele:

„Wie bereits gesagt, ich möchte dass Kiki und Maki so oft wie möglich ins Semifinale kommen und dann schauen wir einfach, was passiert. Ich will ihnen durch gutes Management und Training die Möglichkeit geben, weiter Turniere zu gewinnen. Die Teilnahme bei Olympia 2016 sollte als ein Muss-Ziel formuliert werden, aber man weiß nie, was da alles noch passieren könnte. Wenn wir aber in Rio dabei sind und alles gut läuft, dann kann man ruhig die Vision aussprechen: Wir wollen dort auch eine Medaille gewinnen.“

Autor: Lothar Martin
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