Bienale Grafiky

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Verehrte Hörerinnen und Hörer von Radio Prag die heutige Ausgabe des Kulturspiegels beginnen wir mit einer kleinen Geschichte. Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem angenehmen Restaurant, geniessen ein exquisites Essen und löschen ausgiebig ihren Durst, so dass Sie irgendwann das dringliche Verlangen nach dem stillen Örtchen überfällt. Wonach suchen Sie ? Sie stehen auf, schauen sich im Raum um und halten natürlich nach den Toiletten Ausschau, besser gesagt sie betrachten verschieden Türen bis Ihnen ein männliche oder weibliche Figur ins Auge fällt. Ein sogenanntes Piktogramm, ein Orientierungszeichen. Und damit sind wir mittendrin im Thema, nämlich der Grafik. In den folgenden paar Minuten führt Sie Marcela Pozarek durch die 19. internationale Grafik Biennale im südmährischen Brno, Brünn.

Auf Schritt und Tritt begegnen sie einem im Alltag, Wörter, Buchstaben, Zeichen, Signale, Hinweise - alles Sachen, an denen Grafiker lange herumtüfteln, bevor sie der Blick des menschlichen Auges streift. An der 19. Brünner Grafik Biennale vergab eine internationale Jury Preise an die Besten vom Fach und zwar in den Bereichen Typografie, Zeitschriften, Zeitungen und Neue Medien. An letztere Kategorie wurde erstaunlicherweise kein Preis vergeben und das laut dem Jurymitglied Rick Poynor aus einem einfachen Grund:

"Es gab da zwar einige interessante Arbeiten, die erreichten aber nicht den Standard den man bei einer so renommierten Biennale erwarten würde. Das wurde besonders deutlich, wenn man die neuen Medien mit den traditionellen Kategorien vergleicht, den bei Büchern ist das Niveau sehr hoch und man kann heute wirklich in ganz neue Bereiche vorstossen."

Während das Internet als Grafikspielwiese noch zu wenig innovativ ist, kann man das von der tschechischen Grafik nicht behaupten, wie der holländische Grafiker Gert Dumbar, ebenfalls Jurymitglied im Gespräch bestätigte: Bis zum 28. September kann man sich in Brünn die prämierten Arbeiten ansehen. Die goldene Medaille gewann ein amerikanischer Designer unter anderem für das CD Booklet Feelings von David Byrne. Aber auch die tschechische Grafikszene wird beispielsweise mit simplen Strichmännchen von Ales Najbrt qualitätsvoll präsentiert. Wo die Stärken der tschechischen Grafiker liegen, dazu äussert sich noch ein tschechischer Grafiker, der bereits lange in Deutschland lebt, Hostivit Vlasek : Einerseits werden in der Brünner mährischen Galerie die neusten Entwicklungen auf dem Gebiet Grafik präsentiert, andererseits kann man in einem Ausstellungsraum den Urvater der Typografie, den Schweizer Adrian Frutiger kennen lernen. Er hat sich zeitlebens mit Schriften, Zeichen und Symbolen beschäftigt, so ist es kein Wunder, dass sich die tschechische Seite gewünscht hat, diesen Klassiker erstmals mit seinem Werk in Tschechien zu zeigen. Der Kurator dieses schweizerischen Beitrages zur Brünner Biennale, Jürg Brühlmann erklärt im folgenden die Philosophie von Frutigers Schriftkunst: Liebe Hörerinnen und Hörer, wiedereinmal sind wir am Ende unseres Kulturspiegels, diesmal zum Thema Grafik. Vielleicht fallen Ihnen ja künftig die Piktogramme am stillen Örtchen im öffentlichen Raum ein bisschen mehr als sonst ins Auge...

Autor: Marcela Pozarek
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