Böhmens Wäldern entstammen Weihnachtsbäume für Prag und den Vatikan

Foto: ČTK

Die Tschechische Republik verfügt über viele gute und relativ geschlossene Waldbestände. Diese Wälder gelangen zumindest einmal im Jahr in den Fokus – wenn die Weihnachtsbäume gefällt werden. Auf zwei besonders schöne Exemplare trifft man in diesen Tagen auch an zwei exponierten Orten: auf dem Altstädter Ring in Prag und dem Petersplatz im Vatikan.

Altstädter Ring in Prag mit dem Weihnachtsbaum von Rataje (Foto: ČTK)
Es ist schon eine gute alte Tradition, dass der Baum für den bekanntesten Weihnachtsmarkt Tschechiens in den heimischen Wäldern geschlagen wird. Im vergangenen Jahr kam der Weihnachtsbaum für den Altstädter Ring in Prag aus der Gegend um Rokycany, in diesem Jahr wurde er im Landesinneren, im mittelböhmischen Ort Rataje nad Sázavou gefällt. Und wie im Vorjahr hat dazu auch ein Meister seines Fachs persönlich Hand angelegt: der zweifache tschechische Meister im Arbeiten mit der Motorsäge, Jiří Vorlíček. Zusammen mit einem geübten Kollegen vollzog Vorlíček die schweißtreibende Arbeit in bewährter Holzfällermanier, mit Beil und Handsäge.

Luboš Kubát (Foto: ČT24)
Die fast 24 Meter hohe Fichte hatte der aus Rataje stammende Vorlíček bereits während seiner ständigen Forstgänge ins Auge gefasst. Für den Markt in Prag standen aber noch 20 weitere Bäume auf der Liste. Einen Grund, weshalb die Wahl letztlich auf den Baum aus Rataje nad Sázavou fiel, nennt Luboš Kubát, der Bürgermeister des Ortes:

„Der Baum war bereits sehr hoch, deswegen hat er seine Umgebung gefährdet. Wir waren also ohnehin gezwungen, ihn zu fällen.“

Nachdem ein Baum gefällt ist, ist es auch interessant zu erfahren, wie alt er letztlich ist. Die Fichte für den Prager Weihnachtsmarkt wurde am letzten Sonntag im November geschlagen. Im Anschluss daran gab Vorlíček bekannt:

Jiří Vorlíček (rechts). Foto: ČT24
„Wir haben 68 Jahresringe gezählt. Das bedeutet, der Baum ist zirka 70 Jahre alt.“

Während dieser Baum den Altstädter Ring der Hauptstadt bereits seit einigen Abenden hell erleuchtet, hat ein weiterer Weihnachtsbaum aus Böhmen inzwischen seinen Bestimmungsort erreicht – den Vatikan. Es ist eine 25 Meter hohe Fichte, die im tschechisch-deutschen Grenzgebiet auf der böhmischen Seite geschlagen wurde, und zwar laut Auskunft des Bürgermeisters von Domažlice / Taus, Miroslav Mach, bei Folmava. Die Herkunft des rund 60 Jahre alten Baumes stiftete jedoch etwas Verwirrung. Gegenüber dem tschechischen Nachrichtenserver Denik.cz hatte Mach zuerst geäußert, die sieben Tonnen schwere Fichte sei ein Geschenk seiner Stadt. Alle weiteren Kosten bezahlten indes die Stadt Waldmünchen in der Oberpfalz und die bayerische Landesregierung, so Mach. Den Informationen der katholischen Presseagentur Kathpress zufolge aber sei der Baum offiziell das Geschenk der Stadt Waldmünchen. Diese Version hat Mach inzwischen der Presseagentur ČTK gegenüber bestätigt, vergaß aber nicht darauf zu verweisen, dass die Fichte aus dem Bestand der städtischen Wälder von Taus komme. Seiner Meinung nach stamme er von einem Ort, an dem früher eine Kompanie von Grenzbeamten gearbeitet und dort auch Bäumchen gepflanzt habe.

Miroslav Mach (Foto: ČT24)
Das Verwirrspiel scheint nun also aufgeklärt. Aufgrund dessen, dass der Baum direkt von der Grenze komme, sei er ein Symbol der tschechisch-deutschen Freundschaft, erklärte Mach. Das sieht auch der Vatikan so, denn zum feierlichen Anzünden der Kerzen am Baum wurden sowohl Vertreter aus Deutschland als auch aus Tschechien eingeladen. An diesem Freitag wird der Baum auf dem Petersplatz aufgestellt, die Kerzen aber werden erst eine Woche später, am 13. Dezember, angezündet.