Brand in Trafostation sorgt für zigtausendfachen Stromausfall in Prag

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Die Einwohner von Prag machen in diesem Frühjahr so einiges durch. Zunächst wird ihr Oberbürgermeister entmachtet, später tritt wegen eines Politskandals auch noch Regierungschef Petr Nečas zurück. Dazwischen kämpften die Prager gegen das starke Hochwasser, und in der Nacht zu Mittwoch war fast die Hälfte der Hauptstädter ohne Strom. Im jüngsten Fall war eine Trafostation in Brand geraten, die eine wichtige Funktion als Stromverteiler hatte.

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Am Dienstagabend, kurz nach halb elf, rückten insgesamt 70 Feuerwehrleute in den Prager Süden aus, um im dortigen Stadtteil Chodov den Brand einer Trafostation zu löschen. Eine zentrale Verteilerstation, wie sich schnell herausstellen sollte:

„Fast die Hälfte aller Prager Haushalte war dadurch ohne Strom. Das war schon ein kleiner Blackout“, beschrieb der Sprecher der Prager Energiewerke (PRE), Petr Holubec, die urplötzliche Notsituation.

Auch der Einsatzleiter der Feuerwehr, Antonín Šustr, wusste zu berichten, dass dies kein gewöhnlicher Einsatz war:

Sprecher der Prager Energiewerke (PRE), Petr Holubec (Foto: PRE)
„Als wir vor Ort eintrafen, kam es in der Trafostation gerade zu einer Detonation. Für uns war schnell klar: dieser Brand gehört zu den schwierigen und wir werden zwei bis drei Tage brauchen, um ihn zu besiegen.“

Den Brand selbst konnte die Feuerwehr dann noch in der Nacht löschen, doch der Trafo muss weiter gekühlt werden. Genauer gesagt müssen 60 Tonnen Öl gekühlt werden, die sich im Trafo befinden. Und auch an anderer Stelle musste die Feuerwehr kräftig zupacken. In mehreren Fahrstühlen waren Leute stecken geblieben, ein Prager Krankenhaus wie auch die Metro mussten ihre Notaggregate anlassen. Einige Straßenbahnlinien waren ebenfalls ohne Strom, insgesamt waren vom Blackout sechs Prager Stadtbezirke betroffen. Der Stromausfall konnte jedoch noch in der Nacht behoben werden, betont Holubec:

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„Die Wiederherstellung der Stromzufuhr in allen betroffenen Stadtteilen ist uns nach anderthalb Stunden gelungen. Das heißt, kurz nach Mitternacht waren überall in Prag die Lichter wieder an.“

Und Holubec vergisst nicht hinzuzufügen, warum das überhaupt möglich war:

„In diesem Fall hat sich gezeigt, dass die Investitionen, die wir in die Doppelung und Verdreifachung des Stromnetzes stecken, sich auszahlen. Diese Investitionen belaufen sich auf jährlich 1,5 Milliarden Kronen.“

Während des Stromausfalls hatten sich mehrere hundert Studenten eines nahe gelegenen Wohnheims in Richtung Trafostation auf den Weg gemacht. Sie wollten nachschauen, warum sie ohne Strom sind. Ein Fernsehreporter meinte scherzhaft, sie seien auf das einzige Licht zugegangen, das noch gebrannt habe. Die Polizei verhängte jedoch recht schnell eine Ausgangssperre, auch weil der dicke Qualm als Gesundheitsgefährdung eingestuft wurde.

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Am Mittwochmorgen bewegte sich der Prager Verkehr wieder ganz normal. Die Energiewerke beziehungsweise die Verteilergesellschaft, der der Trafo gehörte, aber haben jetzt alle Hände voll zu tun. Nach Einschätzung von PRE-Sprecher Holubec ist der Trafo völlig zerstört und der Einbau eines neuen wird einige Wochen dauern. In dieser Zeit werde der Strom über das Reservenetz geleitet. Das sei derzeit etwas schwieriger, weil viele Büros und Haushalte wegen der großen Hitze viel Energie für ihre Klimaanlagen brauchen, bemerkt Holubec. Auf die Frage nach den Gründen für den Trafobrand aber hat auch er noch keine schlüssige Antwort parat:

„Die Gründe können mehrere sein, angefangen vom heißen Wetter über irgendwelche technischen Defekte bis hin zu anderen Einflüssen.“

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Experten der Polizei werden die Brandursache jetzt genau untersuchen, sagte eine Polizeisprecherin. Und wer weiß, vielleicht muss sie gleich eine ganze Serie von Vorkommnissen aufklären – aus dem mährischen Havířov und aus einem weiteren Prager Stadtteil wurden am Dienstag und Mittwoch nämlich noch weitere kleinere Trafobrände gemeldet.