Carlo Masala stellt tschechische Übersetzung seines Buchs „Wenn Russland gewinnt“ in Prag vor

Carlo Masala

Das Buch „Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario“ von Carlo Masala ist letztes Jahr in Deutschland zum Bestseller geworden. Ende 2025 erschien das Buch des deutschen Politikwissenschaftlers und Hochschulprofessors auch in tschechischer Übersetzung. Am Montagabend fand in der Prager Václav-Havel-Bibliothek eine Diskussion mit Carlo Masala statt. Die Veranstaltung weckte großes Interesse, der Saal platzte aus allen Nähten. Zusammen mit Professor Masala auf dem Podium diskutierte der tschechische Filmregisseur Václav Marhoul. Das Thema war Masalas jüngster Bestseller, in dem er ein Szenario konstruiert, dass Russland die Bereitschaft der Nato mit dem Überfall auf die estnische Stadt Narwa testet. Und wie der Titel andeutet, gewinnt Russland in diesem Fall. Im Fokus der Debatte standen außer dem erfolgreichen Buch auch die gegenwärtige Lage in der Ukraine und die Bereitschaft der anderen Länder, sie zu unterstützen, sowie die Frage, wie das Regime in Russland weiter vorgehen könnte. Nach der Debatte entstand das folgende kurze Gespräch mit Professor Masala.

Professor Masala, Sie haben das Buch „Wenn Russland gewinnt“ geschrieben, noch bevor Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde. Würden Sie jetzt an dem Szenario noch etwas ändern?

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Nein, ich würde es genauso schreiben. Was sich jetzt geändert hat, ist sozusagen, dass Trump die Ukraine zur Kapitulation zwingt. Das ist neu. Aber in meinem Buch kapituliert sie ja, nur steht sie jetzt unter einem erheblichen amerikanischen Druck. Deswegen würde ich es jedoch nicht anders schreiben.“

Inwieweit hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass Westeuropa in seiner Beziehung zu Russland sehr naiv war?

„Dreißig Jahre lang waren wir naiv in der Beziehung zu Russland, weil wir verkannt haben, dass Russland eine neoimperiale Agenda hat. Die Russen haben sie uns auch Russen erzählt, aber wir haben es nicht geglaubt. Die Politik Westeuropas war durch Naivität gekennzeichnet.“

Sehen Sie eine Möglichkeit, Fake news und oft absurde Lügen einzuschränken, die durch die Sozialen Medien verbreitet werden und die Wahlergebnisse in verschiedenen Ländern beeinflussen?

Carlo Masala | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Ich glaube, einschränken kann man das nicht, man kann dem nur schneller begegnen. Es geht um die Geschwindigkeit, um diese Fake news richtigzustellen und Bürgerinnen und Bürger aufzuklären. Einschränken kann man es nicht, weil die Fake news immer einen Weg finden werden. Aber es geht um eine schnellere Reaktion darauf.“

Auch in unserem Land gibt es seit einigen Monaten eine populistische Regierung, die gegenüber der Ukraine nicht gerade sehr entgegenkommend zu sein scheint. Stellen derartige Regierungen in Mitteleuropa eine große Gefahr dar?

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Jedes Land, das eine Regierung hat, in der prorussische Kräfte sind, ist eine Gefahr für Europa. Es geht nicht nur um Zentraleuropa. Es ist egal, wo diese prorussischen Kräfte sind. Da die Europäische Union auf Einstimmigkeit aufgebaut ist, bedeutet jedes Land, das prorussische Kräfte in der Regierung hat, ein Problem und eine Gefahr für Europa und die Nato.“

Wir wissen, wie Ihr Buch endet. Sehen Sie jedoch eine Hoffnung für die nächsten Monate und Jahre?

„Die Hoffnung besteht darin, dass die Gesellschaften erkennen, dass die Demokratie verteidigt werden muss. Wenn sie das nicht erkennen, dann sehe ich kaum einen positiven Ausgang. Wenn es Gesellschaften erkennen, dann glaube ich schon, dass wir eine realistische Chance haben, Russland einzudämmen.“

Arbeiten Sie an einem weiteren Buch?

„Ja, ich arbeite an einem weiteren Buch. Dazu kann ich jedoch momentan nichts sagen.“

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