Chvalsiny (Kalsching) - Geburtsort des Schwarzenbergischen Schwemmdirektors Josef Rosenauer

Chvalsiny (Foto: Miloš Hlávka, CC BY-SA 3.0 UNported)

Dem grossen Sohne Kalschings Josef Rosenauer 1735 - 1804 Kaiserlich ernannter Landmesser u. Schwemmdirektor Erbauer der fürstlich Schwarzenbergischen Schwemmkanäle Gewidmet vom Deutschen Böhmerwaldbunde Den Segen der Heimat erschloss er auf kunstvoll geebneten Wegen der Wässer *** In diesem Haus wurde Josef Rosenhauer geboren 1735 - 1804 Verfasser der Schwemmkanäle 1991 Eine zweisprachige Gedenktafel erinnert in der südböhmischen Gemeinde Chvalsiny-Kalsching an Josef Rosenauer. Wir haben letztes Mal über sein Lebenswerk, den Schwarzenberger Schwemmkanal erzählt und versprochen, uns heute in seinen Geburtsort zu begeben. Nun wird unser Versprechen erfüllt. Gute Unterhaltung bei der Touristensprechstunde wünschen Lothar Martin und Markéta Maurová.

Chvalsiny (Foto: Miloš Hlávka, CC BY-SA 3.0 UNported)
Bald wird in Chvalsiny nicht nur diese Gedenktafel, sondern auch ein Museum an Josef Rosenauer erinnern. Die feierliche Eröffnung ist für den 20. Mai geplant. Hat man zu diesem Zweck Rosenauers Geburtshaus eingerichtet bzw. wo wird das Museum eigentlich untergebracht? Diese Frage stellte ich dem Bürgermeister von Chvalsiny/Kalsching, Bohumil Havlicek.

"Es wird in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert sein. Früher war dort das Rathaus untergebracht, später, zur Zeit der Ersten Republik, das Kreisgericht. Wir haben das Gebäude mit der finanziellen Unterstützung aus dem Programm Phare im letzten Jahr renoviert. Und nun gestalten wir dort die Ausstellung unseres Landsmanns, Ing. Rosenauer, der sein Leben mit dem Bau des Schwarzenberger Schwemmkanals verbunden hat. Sein Geburtshaus befindet sich auch in der Gemeinde, aber etwa fünf Häuser weiter. Wir wollen mit dem Museum auf die Bedeutung des Kanals hinweisen, der in der Zeit seiner Entstehung ein wichtiger Lebensunterhalt für Bewohner auf beiden Seiten des Böhmerwaldes war."

Die Bauarbeiten wurden bereits vollendet. Derzeit wird an der eigentlichen Ausstellung gearbeitet:

"In einem Raum steht schon jetzt eine Figurine von Rosenauer. Dieser Raum wird speziell dem Bau des Kanals gewidmet. Wenn es uns gelingt, wollen wir dort Messgeräte ausstellen, oder zumindest Fotos davon. Und natürlich etwas über das Leben Rosenauers. Des weiteren wird sich dort die Ausstellung über den Schwemmkanal befinden, die sich vornehmlich dem Wasserwerk, aber auch dem Leben entlang des Kanals widmen soll. Erinnert wird auch an die Zeit, als man begann, einige Teile des Kanals zu rekonstruieren, so dass man das Schwemmen zeigen kann.

Zudem befinden sich unten zwei Räume, die uns mit dem Leben der Bewohner von Chvalsiny und Umgebung bekannt machen. Dort sind vor allem Archivdokumente und Urkunden ausgestellt, die im Regionalarchiv in Krummau aufbewahrt wurden. Und in der neuen Eingangshalle planen wir eine Ausstellung über das Landschaftsschutzgebiet Blansky les."

Soweit also zum Museum, das bald eröffnet wird. Wie lange bekennt sich aber Kalsching zu Josef Rosenauer?

"Es ist eigentlich schon lange her. Noch zur Zeit vor der Wende 1989 gab es Erwägungen, eine Gedenktafel zu Ehren Rosenauers an dessen Haus zu platzieren. Es gelang aber erst nach der Wende, sie wurde 1991 enthüllt. Die Tafel ist zweisprachig: tschechisch und deutsch. Seitdem wird Rosenauer als ein bedeutender Landsmann von Chvalsiny wahrgenommen. Ende des Jahres 1994 wurde das Haus von einem Privatbesitzer gekauft und 1995 wurde entschieden, hier das Museum zu gründen."

Über das Lebenswerk von Josef Rosenauer, den Schwarzenberger Kanal, haben wir vor 14 Tagen erzählt. Die Lebensdaten des Direktors der Schwarzenberger Wasserschwemme bleiben gewissermaßen im Geheimen verborgen. Die Ursache dafür beruht in seiner unehelichen Herkunft sowie in der Tatsache, dass die Register von Kalsching durch einen Brand im Jahre 1808 vernichtet wurden. Fassen wir dennoch kurz zusammen, was uns bekannt ist:

Josef Rosenauer
Am 21. März 1735 wurde im schwarzenbergischen Waisenamt in Böhmisch Krummau Ursula Traxler, die Tochter von Martin Traxler, einem Zimmermann und Bürger des Städchens Chvalsiny/Kalsching, verhört. Sie bestätigte, dass sie am 26. Februar 1735 einen Knaben geboren hätte, der den Namen Josef bekam und der ein Kind des Webergesellen von Dobschitz Anton Rosenauer sei. Dieser hätte sie unter dem Versprechen, die Ehe mit ihr einzugehen, verführt. Der angebliche Vater bestand jedoch auf seiner Behauptung, dass er nicht der Vater von Josef sei, worauf er sogar vor Gott, der Jungfrau Maria und allen Heiligen schwor. Gegen Rosenauers Eidesschwur konnte man schwer Einspruch erheben, aber über seine Person sei noch zu erwähnen, dass er bereits seit 1733 Vater eines anderen unehelichen Kindes war. Ende des Jahres 1736 heiratete Anton Rosenauer und verschwand aus dem Leben von Ursula Traxler und deren Sohn.

Josef Rosenauer wuchs im Hause seines Großvaters in Kalsching auf. 1748 ging er zum Fasanenzüchter Peter Lambacher auf den Rotenhof in die Lehre. Er zeigte eine außergewöhnliche Begabung für die Wald- und Forstwirtschaft ebenso wie als Landvermesser. Als er 1758 um eine dienstliche Erhöhung ansuchte, verhinderte die uneheliche Herkunft seine Ernennung zum Forstadjunkt. Es gab jedoch einen Weg, wie dieses Problem zu lösen war. Durch eine Urkunde von Kaiserin Maria Theresia wurde die uneheliche Herkunft Josef Rosenauers wieder etwas legitimiert, so dass Rosenauer für seine Zukunft von dieser Diskriminierung befreit war.

Im Jahre 1759 trat Josef Rosenauer das Amt als Forstadjunkt des schwarzenbergischen Wald- und Forstamtes in Böhmisch Krummau an. Anfang der 60er Jahre schickte ihn sein Arbeitgeber zum Studium nach Wien, an die sog. Ingenieur-Akademie, die er mit hervorragendem Abschluss im Mai 1770 beendete. Nach Beendigung des Studiums ersuchte Rosenauer um eine erneute Aufnahme in den Dienst der Schwarzenberger und um die Zuteilung eines Waldreviers. 1771 äußerte sich Fürst Josef Adam von Schwarzenberg in dem Sinne, dass es schade wäre, Josef Rosenauer nur als gewöhnlichen Jäger zu beschäftigen und sein großes Talent nicht zu nutzen. Rosenauer wurde daher zum fürstlichen Ingenieur und zwanzig Jahre später zum Direktor der schwarzenbergischen Holzschwemme ernannt.

Seine eigene Familie konnte Rosenauer erst als 37jähriger und nach gänzlich gesicherter Existenz gründen. Seine erste Hochzeit fand 1772 mit der 23jährigen Antonia Bresky statt. Durch diese Heirat wurde er gleichzeitig zum Krummauer Bürger und Mitbesitzer des Hauses Nummer 54 in der Latran-Straße. In der Familie Rosenauer wurden vier Kinder geboren. Bei der Geburt der letzten Tochter starb jedoch die Mutter im Kindbett und so heiratete Josef Rosenauer zum zweiten Mal. Seine zweite Braut war die 20jährige Elisabeth Neumann, die ihm 11 Kinder geboren hat.

Das Leben Josef Rosenauers ging am 10. März 1804 in seinem Haus in Krummau zu Ende. Er starb an einer kurzen, schweren Krankheit an den Folgen einer missglückten Operation der Harnwege. Der Bedeutung und des Verdienstes von Josef Rosenauer waren sich schon seine Zeitgenossen bewusst. Fürst Josef Schwarzenberg bewertete das lebenslange Werk seines Angestellten in einem persönlichen Brief, der den Adressaten jedoch nicht mehr unter den Lebenden erreichte. Wir zitieren:

"Mit tiefem Bedauern und mit rührendem Herzen haben wir die traurige Nachricht über Ihren ernsthaften Gesundheitszustand erhalten. ... Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie zu unserer besonderen Erfreuung und zum Trost Ihrer zahlreichen Familie von dieser gefährlichen Krankheit sehr bald und gänzlich genesen. Wenn aber die göttliche Vorsehung Sie von dieser Welt in eine bessere Welt abrufen sollte, möchten wir Ihnen unsere gänzliche Zufriedenheit mit Ihren Dienstleistungen zusichern und möchten uns für Ihre Treue bedanken, die Sie uns und unseren Vorgängern erwiesen haben. Vielleicht kann zu Ihrer Beruhigung unsere Zusicherung beitragen, dass wir nach Ihrem Tod niemals auf Ihre Dienste vergessen werden, und dass wir väterlich um Ihre Frau und Kinder sorgen werden."

Falls Sie mehr vom Leben und Werk Josef Rosenauers erfahren möchten, besuchen Sie nach dem 20. Mai doch einfach die Gemeinde Chvalsiny/Kalsching. Und wenn Sie schon da sind, verpassen Sie nicht, außer dem dortigen Museum auch noch die spätgotische Kirche der hl. Maria Magdalena zu besichtigen. Sie bildet mit ihrem schlanken Turm eine von Fern auffallende Dominante des Städtchens und ist sowohl baugeschichtlich als auch kunsthistorisch sehr interessant.