Der Doppelgänger: Ratiboř hat ersten KI-Bürgermeister in Tschechien
Sogar Humor wurde ihm beigebracht. Die Rede ist von Tschechiens erstem digitalen Bürgermeister. Denn die Gemeinde Ratiboř hat seit vergangener Woche gleich zwei Rathauschefs: einen aus Fleisch und Blut und einen per Künstlicher Intelligenz geschaffenen.
Rund um die Uhr beantwortet der Bürgermeister von Ratiboř in Ostmähren alle möglichen Fragen zu seiner Gemeinde. Etwa jene nach der Einwohnerzahl…
„Im Jahr 2025 hatte Ratiboř rund 1830 Einwohner“, so etwa die geduldige Antwort.
Es ist der erste digitale Bürgermeister hierzulande, und er steht im Infozentrum des Ortes als lebensgroßer Videobildschirm. Ohne Zögern erläutert er auch gerne Fragen zu den Veranstaltungen und Plänen der Gemeinde, dem Einsatz öffentlicher Gelder oder etwa Gebühren. Und man kann ihn sogar über eine eigene Telefonnummer anrufen.
Der wirkliche Bürgermeister Martin Žabčík (parteilos) ist zufrieden mit seinem Doppelgänger – und stellt diesem eine Fangfrage. Er wolle wissen, wohin der Bürgermeister denn zum Mittagessen gehe. Der virtuelle Rathauschef antwortet, er selbst gehe nicht essen. Doch er wisse, wo sich Bürgermeister Martin Žabčík manchmal zu Tisch setze. Die KI nennt dann den Namen eines Lokals.
Der digitale Bürgermeister ist nicht nur einfach ein etwas besserer Chatbot. Sondern er wurde von Experten aus Tschechien und aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Texas über zwei Jahre hinweg aufgebaut. Martin Gazda wohnt in Ratiboř und leitet auch die Firma AI Produkce aus Zlín, die das System mitentwickelt hat. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte er:
„Wir bemühen uns, den Bürgermeister weiter kennenzulernen. Und dementsprechend stellen wir dann das System ein. Also welche Wörter er verwendet, welchen Humor er hat und ob er zum Beispiel eher empathisch ist oder in kürzeren Sätzen spricht. Wir versuchen also, die Persönlichkeit des Bürgermeisters in das digitale System zu übertragen.“
Martin Žabčík 2.0 gibt es gleich zweimal: Außer im Infozentrum steht noch im Vestibül des Bürgermeisteramtes ein solcher Videobildschirm. Die Bedienung soll so einfach sein, dass selbst Menschen ohne Computerkenntnisse keine Angst haben müssen. So sagt Žabčík:
„Wir werden ihn nicht nur hier auf dem Gemeindeamt vorstellen, sondern auch beim Treffen der Senioren. Dort werden wir erläutern, wie er funktioniert. Ich denke, dass sich die Senioren nicht fürchten müssen und er ihnen so näherkommen wird.“
Die neue Technologie bekommt Ratiboř fast kostenlos bereitgestellt, da es sich um ein Pilotprojekt handelt. Laut Gazda führt seine Firma mittlerweile aber Gespräche mit rund einem Dutzend weiterer Gemeinden in Tschechien über die Einführung eines digitalen Bürgermeisters. Denn für solche Digitalisierungsprojekte bietet der Staat finanzielle Hilfen an.
In Deutschland ist übrigens der erste KI-Rathauschef keine drei Monate früher präsentiert worden, und zwar im hessischen Ort Büttelborn. Und bereits im Dezember vergangenen Jahres war mit Amstetten auch die erste Stadt in Österreich dabei.







