Der Jazzmusiker, der den Bass zum Swingen brachte – George Mraz

George Mraz

In seinen Händen war der Kontrabass kein dumpfes Begleit-, sondern ein Soloinstrument. Die Rede ist von George Mraz, der aus Südböhmen stammte, viele Jahre lang in den USA gelebt hat und nun gestorben ist. Jazzgiganten wie Bill Evans, Dizzy Gillespie oder Oscar Peterson hielten ihn für einen der Größten an dem Instrument.

George Mraz | Foto: Brian McMillen,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

Die Geschichte von George Mraz ist die eines tschechischen Emigranten, der sich in den USA, dem Heimatland des Jazz, durchgesetzt hat. Geboren wurde er als Jiří Mráz im Städtchen Písek. Das war 1944, noch während Hitlers Besetzung von Böhmen und Mähren. Mit sieben Jahren begann er, Geige zu spielen. Jazz hörte der Schüler Jiří dann erstmals im Radio. In seiner offiziellen Biographie heißt es, dass es eine Aufnahme von Louis Armstrong gewesen sei, die ihn in Bann gezogen habe. In der Folge begann er, Saxophon und Bass zu lernen.

Berklee College of Music in Boston | Foto: John Phelan,  Wikimedia Commons,  CC BY 3.0

1961 schrieb sich Mraz am Konservatorium in Prag ein, um dort Kontrabass zu studieren. Nach dem Ende seines Studiums erhielt er 1967 in München ein Engagement im Jazzclub „Domicile“. Dort spielte er unter anderem auch mit seinem Landsmann Jan Hammer zusammen. Als im August 1968 die Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei einmarschierten, entschloss sich der Musiker zur vollständigen Emigration. Schon zwei Jahre zuvor hatte er bei einem Jazz-Wettbewerb in Wien das Angebot erhalten, am Berklee College of Music in Boston zu studieren. Nun nahm er dieses Angebot an, und so kam er in die USA.

Karrierestart bei Oscar Peterson

Oscar Peterson | Foto: Hans Bernhard,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

Doch es dauerte nicht lange, bis auch die allergrößten Jazzer auf den jungen Bassisten aus der Tschechoslowakei aufmerksam wurden. In einem Interview für eine tschechische Musikzeitschrift sagte George Mraz vor einigen Jahren, er wisse gar nicht, warum er das Glück gehabt habe, von Anfang an mit den Besten zusammenspielen zu können. Dizzy Gillespie wollte ihn in seinem Sextett haben. Doch er lehnte ab. Dann rief der Pianist Oscar Peterson, der ein Trio hatte. Das sei ihm sympathischer gewesen, bekannte Mraz rückblickend in dem Interview. Zwei Jahre lang spielte er mit Peterson zusammen. So wurde er zu einem äußerst gefragten Musiker. Fast alle wollten ihn haben, besonders häufig begleitete er das Thad Jones/Mel Lewis Orchestra, Stan Getz und Bill Evans. Auf mehr als 900 Schallplatten ist George Mraz zu hören, meist aber nur als Begleitmusiker. Dabei hatter er aber auch ein eigenes Quartett – und zwar mit dem Pianisten Richie Beirach, dem Schlagzeuger Billy Hart und dem Saxofonisten Rich Perry.

George Mraz | Foto: Petr Vidomus,  Český rozhlas

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 konnte George Mraz erstmals wieder seine Heimat besuchen. Das heißt, er spielte ab da auch mit zahlreichen tschechischen Jazzern zusammen. 2009 erhielt er vom damaligen Staatspräsidenten Václav Klaus die Goldene Ehrenplakette. 2016 wurde der Musiker an der Bauchspeicheldrüse operiert, dabei erlitt er einen Herzinfarkt, und es kam zu weiteren Komplikationen. George Mraz ist am 16. September in Prag im Alter von 77 Jahren gestorben.

Autor: Till Janzer
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