Der Medienspiegel

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Recht herzlich willkommen, verehrte Hörerinnen und Hörer, zu einer weiteren Ausgabe des Medienspiegels. Aus dem Prager Studio begrüßt Sie dazu Silja Schultheis.

Kommentare und Meinungen aus den seriösen tschechischen Tageszeitungen sowie die Geschichte der maßgeblichen Blätter dieser Kategorie sind Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, aus vergangenen Ausgaben des Medienspiegels bereits geläufig.

Heute möchten wir uns mit Ihnen zusammen einen Sektor erschließen, der in unseren Sendungen in der Regel weniger Beachtung findet: dem Feld der Boulevardzeitungen. Hier hat es in den vergangenen Jahren in Tschechien einige interessante Entwicklungen gegeben, die wir Ihnen im folgenden kurz schildern möchten, bevor wir uns dann mit einem der einflussreichsten Berater der hiesigen Boulevardpresse - Peter Prior - unterhalten. Er berät seit 1994 die größte tschechische Boulevardzeitung Blesk. Doch zunächst etwas zu deren Geschichte.

Die Boulevardzeitung Blesk erblickte Anfang April 1992 das Licht der Welt und galt nach der Wochenzeitschrift "Reflex" als zweites großes Medienprojekt des Schweizer Ringier-Konzerns in Tschechien. Dabei gelang es den Verlegern mit diesem Zeitungstitel, in eine Marktnische vorzudringen, denn bis dahin versuchte sich keine andere tschechische Tageszeitung auf dem Feld des Boulevards. Dem Erscheinen der ersten Nummer von Blesk am 1. April 1992 ging eine in Tschechien bis dahin noch nie da gewesene Werbekampagne voraus, die - wie Marktanalysen später zeigten - maßgeblich dazu beitrug, dass diese tschechische Zeitung in Farbe bereits nach den ersten Monaten zum Erfolg wurde. Das Konzept einer tschechischen Boulevardzeitung fand schon damals, also zu Beginn der 90er Jahre zahlreiche Nachahmer. In diesem Zusammenhang wäre insbesondere die Zeitung Expres zu erwähnen, die ebenfalls in Farbe erschien und Blesk nicht nur mit einem niedrigeren Verkaufspreis konkurrieren wollte, sondern auch mit weitaus "schneidigeren" und aggressiveren Titelüberschriften. Aus dem Duell Blesk gegen Expres ging letztlich Blesk als Sieger hervor. Zu den Hauptkonkurrenten von Blesk gehörte stets die seriöse Tageszeitung Mlada fronta Dnes, wobei es Blesk erstmals im Frühjahr 2000 gelungen ist, den bisherigen Marktführer Mlada fronta dnes in der verkauften Auflage zu überflügeln. Das führte bei Mlada fronta dnes im Herbst/Winter 2000 zum großen Köpferollen, und der neue Chefredakteur Pavel afr sah sich vor das eindeutige Ziel gestellt, für das Blatt die verlorengegangene Spitzenposition zurück zu erobern. Beide Blätter - Blesk und Mlada fronta dnes - erscheinen heute in einer täglichen Auflage von ca. 250 000 Exemplaren und liefern sich weiterhin ein Kopf-an Kopf-Rennen.

Seit Ende April 2001 hat Blesk einen weiteren Konkurrenten bekommen - das Boulevardblatt Super, das nun mit gleichen Mitteln, wie seinerzeit Expres versucht, Blesk zu überholen - niedrigerer Preis, aggressiver Stil, noch mehr Nacktfotos usw. Super wird von einer österreichischen Gesellschaft herausgegeben (EPIC) und verfügt über gute Kontakte zu dem privaten Fernsehsender TV-Nova - es wird behauptet, das dessen Direktor Vladimir Zelezný Super mitfinanziert, auf NOVA laufen täglich Werbeblöcke für Super etc. Beliebte Themen von Super: Skandale und Skandälchen der tschechischen "society" und vor allem das Präsidentenpaar.

Genug der Vorrede. Wir haben nun Peter Prior ans Mikrophon gebeten und ihn über seine Tätigkeit in der tschechischen Boulevardpresse-Landschaft befragt.