Der schwere Weg ins zivile Leben

Foto: Archiv der tschechischen Armee
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Rund 800 Soldaten scheiden jährlich aus der tschechischen Armee aus. Das Verteidigungsministerium will für sie nun den Weg in die freie Wirtschaft einfacher machen.

Foto: Archiv der tschechischen Armee
Bosnien, Kosovo, Afghanistan – so sieht der Lebenslauf eines tschechischen Soldaten in der Regel aus. Rund 800 von ihnen verabschieden sich jedes Jahr aus der Truppe, meist aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einer davon ist Jiří Kašpárek, auch er war zwanzig Jahre lang auf dem Balkan und im Hindukusch:

„Ich bin irgendwann an einen Punkt gelangt, an dem ich in der Armee nicht mehr weiterwollte. Ich war zudem in einem Alter, in dem man durchaus einen Neuanfang wagen kann. Nach 25 Jahren Militärdienst habe ich mich entschieden, freiwillig auszuscheiden.“

Jiří Kašpárek hat den Sprung ins zivile Leben geschafft, wenn auch weiterhin im Dienste der Armee. Er ist als Manager in der Geschäftsführung bei der staatlichen Anstalt für Militärtechnik untergekommen. Der Weg dorthin sei aber steinig gewesen, meint der ehemalige Berufssoldat:

Foto: Archiv der tschechischen Armee
„Wenn jemand 25 Jahre lang in derselben Firma arbeitet, dann ist der Wechsel nicht einfach. Ich habe intensiv nach einem neuen Job gesucht. Ich will ehrlich sein: Insgesamt habe ich 70 Bewerbungen verschickt, und nur bei 15 oder 20 bin ich in die engere Auswahl gekommen.“

Das Verteidigungsministerium nimmt die Probleme der Veteranen ernst. Das Ressort hat deshalb eine Datenbank eingerichtet, die den Ex-Militärs die Jobsuche erleichtern soll. Das System sei ganz auf die Bedürfnisse der Soldaten zugeschnitten, erklärt Verteidigungsminister Lubomír Metnar:

„Unsere heutigen Veteranen, die von den aktuellen Auslandseinsätzen zurückkehren, werden es so viel einfacher haben. Sie werden Zugriff haben auf eine Datenbank mit Angeboten von 11.000 Unternehmen und können sich dann je nach ihrer Spezialisierung und Ausbildung die passende Arbeit aussuchen. Das soll einen zufrieden Start ins zivile Leben ermöglichen.“

Jaroslav Hanák  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Entstanden ist die Datenbank in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Diese sieht darin vor allem eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel hierzulande. Deshalb wolle man die ehemaligen Armeeangehörigen insbesondere an das produzierende Gewerbe vermitteln, erklärt Jaroslav Hanák. Er leitet den Verband für Industrie und Verkehr:

„Wir stellen Angebote aus den jeweiligen Regionen und Branchen ins Internet. Auf jeden Fall ist sowohl etwas für den Büroangestellten dabei, als auch für den ehemaligen Fallschirmspringer mit seiner enormen physischen Kondition. Allen Veteranen gemein sind jedoch die guten Fremdsprachenkenntnisse.“

Nichtsdestotrotz finden sich die meisten ehemaligen Soldaten in einigen wenigen Branchen wieder. Sie setzen sich vor allem hinter das Steuer von Lkws und Rettungswagen oder heuern bei privaten Sicherheitsdiensten an. Das liege vor allem an der Berufserfahrung und der Qualifikation vieler der Männer, erklärt Eduard Stehlík. Er leitet bei der tschechischen Armee die Abteilung für Kriegsveteranen:

Eduard Stehlík  (Foto: Kristýna Hladíková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Es gibt da Leute, die in ihren 20 Jahren Militärdienst Millionen von Kilometern in schwerem Gerät zurückgelegt haben. Die sind beispielsweise perfekte Kandidaten für Speditionen, aber auch auf dem Bau. Viele Veteranen haben eine umfassende Berufserfahrung, oft fehlen ihnen aber die Zeugnisse und Bescheinigungen für den zivilen Berufseinstieg.“