Ein Bataillon in jedem Kreis: Tschechien plant Ausbau von Militärstützpunkten

Im Krisenfall müsste die tschechische Armee Tausende von Soldaten unterstützen, die sich zum Beispiel an die Ostgrenze der Nordatlantikvertragsorganisation begeben. Ein ständiges Übernachtungslager befindet sich in Rančířov bei Jihlava.

In Tschechien sollen mehr Militärbasen entstehen. In zehn Jahren soll in jedem der 14 Kreise ein Bataillon zur Territorialverteidigung stationiert sein. Die Armee sucht dafür nicht nur nach neuen möglichen Standorten. Sie kehrt auch an Stützpunkte zurück, die eigentlich schon aufgegeben wurden.

4. Schnelle Eingreifbrigade in Žatec | Foto: Libor Želinský,  Tschechischer Rundfunk

Žatec ist eine historische Garnisonsstadt. Mit der derzeitigen Militärpräsenz ist man vor Ort zufrieden. So sagte Bürgermeister Radim Laibl (Partei Ano) vor einiger Zeit in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Es sind hier, glaube ich, über 1000 Soldaten stationiert. Sie geben hier natürlich auch ihr Geld aus und leben hier. Das ist eine Chance für die Unternehmer in der Stadt.“

Vielerorts in Tschechien wurden ab den 1990er Jahren Kasernen und Stützpunkte aufgegeben. Nun kehre sich der Trend jedoch um, sagt Pavel Lipka, stellvertretender Generalstabschef:

Mobiles Militärlager | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Wir haben die Armee 30 Jahre lang heruntergerockt und versucht, alles loszuwerden, was nur geht. Aus manchen Kreisen haben wir uns gänzlich zurückgezogen, oder wir haben dort nur kleine Standorte behalten. Die Lage hat sich aber massiv verändert. Das bringt neue Herausforderungen mit sich und bedeutet auch, dass wir an einige Orte zurückkehren müssen.“

So hat die Armee im vergangenen Jahr etwa den Flughafen in Líně bei Plzeň / Pilsen zurückerhalten. Geplant ist, dort eine Logistikeinheit aufzubauen. Martin Sobotka (parteilos) ist der Bürgermeister der Gemeinde Dobřany, die unmittelbar an das Flughafengelände grenzt. Ob die neue Militärpräsenz seinem Ort etwas bringe, wisse er derzeit noch nicht. Die Kommunikation mit der Armee sei aber zufriedenstellend, sagt Sobotka:

Pavel Lipka | Foto: Tschechische Armee

„Wir verlassen uns derzeit auf die Versprechen der Armee, die uns gesagt hat, dass sie in der Lage ist, etwa für überlastete Straßen oder Kindergärten eine Lösung zu finden.“

Neben der Rückkehr nach Líně kündigte die Armee unlängst auch an, den Flughafen im mährischen Přerov wieder militärisch zu nutzen. 2013 hatte man sich von dort zurückgezogen.

Dass Tschechien gerade in den Bereichen Logistik und Luftverteidigung aufs Tempo drückt, hängt unter anderem mit den aktuellen Vorgaben der Nato zusammen. Die Armee will aber zudem sicherstellen, dass bis in zehn Jahren in jedem der tschechischen Kreise ein Bataillon für die Territorialverteidigung stationiert ist. Laut General Pavel Lipka kehrt man dafür nicht nur zu alten Standpunkten zurück, sondern hält auch Ausschau nach möglichen neuen Orten:

Mobiles Militärlager - Sanitäre Einrichtungen | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Man darf sich aber nicht vorstellen, dass wir neue Kasernen bauen, die denen gleichen, in denen 365 Tage im Jahr professionelle Einheiten stationiert sind. Wir suchen eher nach passenden und auch dezentralen Objekten, in denen die Stützpunkte eingerichtet und von denen aus die Aufgaben erfüllt werden können.“

Zu diesen Aufgaben zählt die Landesverteidigung im Konfliktfall, die Stützpunkte sollen aber auch den Militärkonvois von Bündnispartnern zur Verfügung stehen. Die Bataillone bestehen jeweils aus 600 Personen. Berufssoldaten werden dabei zwar den Kern bilden. Der Großteil der Einheiten soll aber durch Reservisten abgedeckt werden.

Die personelle Situation der tschechischen Streitkräfte ist allerdings eines der Kernprobleme:

Die Stützpunkte sollen aber auch den Militärkonvois von Bündnispartnern zur Verfügung stehen. | Foto: Tschechisches Fernsehen

„Wir brauchen nicht nur mehr Ausrüstung, sondern vor allem mehr Leute“, sagte Generalstabschef Karel Řehka schon im Herbst vergangenen Jahres.

Verteidigungsministerium und Generalstab erhoffen sich nun, dass die Anwerbung unter anderem durch die höheren Gehälter für Soldaten in Schwung kommt. Die Regierung in Prag hat nämlich letzte Woche eine Anhebung des Soldes beschlossen.

Autoren: Ferdinand Hauser , Kateřina Gruntová | Quelle: Český rozhlas
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