Deutsch-tschechische Spuren – das Kunstsymposium in Schirnding

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Im oberfränkischen Schirnding ist noch bis zum 26. August die Ausstellung „Spuren hinterlassen“ für Besucher geöffnet. Sie ist das Ergebnis eines Symposiums, das jedes Jahr grenzüberschreitend Künstler zusammenbringt. In diesem Jahr wurden die Kunstwerke vor allem von der Frage inspiriert, wie man als Künstler Spuren hinterlassen kann, die grenzüberschreitend wirken. Dabei waren auch fünf tschechische Künstler. Ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Schirnding, Reiner Wohlrab.

Kunstsymposium in Schirnding 2011 (Foto: Archiv von Tobias Ott)
Herr Wohlrab, seit 2004 gibt es das Künstlersymposium in Schirnding. Am Sonntag wurden die Arbeiten des aktuellen Jahrgangs der Öffentlichkeit vorgestellt. Vielleicht können Sie ein bisschen beschreiben, worum es da eigentlich geht…

„Unser Thema in diesem Jahr nennt sich ‚Spuren hinterlassen’, verantwortlicher künstlerischer Leiter ist Tobias Ott. Wir haben versucht, dies wie immer vielfältig zu machen, ob Bildhauerei, Fotografie oder Malerei. Man will eigentlich Zeichen setzen, um die grenzüberschreitende nachbarschaftliche Arbeit und das Zusammenleben hier voranzutreiben.“

Reiner Wohlrab
Dieses Jahr sind fünf tschechische Künstler dabei. Ist die tschechische Beteiligung jedes Jahr so hoch?

„Wir hatten immer schon tschechische Künstler dabei, die hier mitgearbeitet haben. Mal sind es mehr, mal weniger. Das hat damit zu tun, dass wir gute nachbarschaftliche Kontakte pflegen zu der Galerie 4 in Cheb und zu Jan Samec in Karlovy Vary, dem Direktor der dortigen Galerie.“

Wer wählt die Künstler aus?

„Ich überlasse das immer dem- oder derjenigen, der oder die als künstlerischer Leiter oder künstlerische Leiterin das Symposium in die Hand nimmt. Die tschechischen Künstler werden aber immer von unserem tschechischen Projektpartner ausgesucht. Dieses Mal war das Zbyněk Illek von der Galerie 4.“

Zbyněk Illek
Welche Bedeutung hat bei dem Symposium der grenzüberschreitende Aspekt?

„Schirnding ist ein direkter Grenzort. Wir möchten natürlich auch unsere Nachbarn besser kennenlernen und die nachbarschaftliche Entwicklung vorantreiben. Es hat eine sehr große Bedeutung, dass Künstler aus Tschechien, Litauen oder der Ukraine, also aus den östlichen Ländern, immer mit dabei sind und also mit ihrer Sichtweise Spuren hinterlassen.“

Das heißt, sie pflichten dem einen großen Aspekt bei?

„Da legen wir Wert darauf. Es ist auch befruchtend, dass der Gedanke europäisch ist. Die diesjährige Gruppe hat durch die Harmonie, die untereinander war, herausgestochen. Zum Schluss hat es fast Tränen gegeben, als man sich trennen musste. Es könnte sein, dass sich dieselbe Gruppe noch einmal in einem Jahr hier im Künstlerhaus trifft. Das wird momentan angestrebt.“

Kunstsymposium in Schirnding 2011 (Foto: Archiv von Tobias Ott)
Die Künstler wohnen einige Tage zusammen. Arbeiten die Künstler auch zusammen? Gibt es Werke, die gemeinsam entstanden sind?

„Ja natürlich, durch dieses Miteinanderarbeiten, Miteinanderwohnen und Miteinanderfeiern entstehen Ideen. Man hilft sich gegenseitig, dabei erhält der eine oder andere auch Einblicke in das künstlerische Wirken seines Nebenmanns oder seiner Nebenfrau. So entstehen auch gemeinsame Arbeiten, oder der eine probiert beim anderen etwas aus. Man spricht auch über die Arbeiten und so entsteht wieder etwas ganz anderes. Dass vor allem jüngere oder etwas ältere Leute sich gegenseitig beflügeln, macht das Symposium aus. Die Kraft der Jugend und die Erfahrung des Alters ergänzen sich da prima.“

„Spuren hinterlassen“ heißt der Titel der Ausstellung, was hat es damit auf sich?

„Die Künstler kommen aus Tschechien und ganz Deutschland, und sie sind begrenzt hier, für knappe zehn Tage. Man will hier nicht nur wie im Urlaub kurz sein, sondern will auch ein Zeichen setzen, das geschieht auf künstlerische Weise. Man will hier das Zeichen ‚Wir waren da’ setzen - und es soll hier eine Spur nach Europa gehen, eine kleine natürlich nur.“

Wie ist das Kunstsymposium entstanden? Was war die Grundidee dahinter?

Künstlerhaus in Schirnding (Foto: Archiv von Tobias Ott)
„Das Künstlerhaus in Schirnding ist im Besitz von Frau Erika Klos, die in Kaiserslautern wohnt. Frau Klos selbst ist Malerin und hatte 2003 als erstes die Idee, dass man hier in diesen Räumen ein Symposium machen könnte. Das entstand damals impulsiv und ohne große Vorbereitung. Ich habe gesagt, ich helfe als Bürgermeister, und habe das Nötigste getan, damit Frau Klos in Schirnding mit ihren Künstlerfreunden eine gute Woche verbringen konnte. Diese Idee damals ist recht gut angekommen, es war von Anfang an eine tolle Stimmung. Die Menschen aus Schirnding haben sich gefreut, dass die Künstler tätig sind, und etwas Leben hier entsteht.“

Welche Bedeutung hat denn mittlerweile das Symposium für die Gemeinde Schirnding?

„Es hat mittlerweile einen festen Platz im Veranstaltungskalender. Immer am Freitag, bevor das Symposium zu Ende geht und die Ausstellung eröffnet wird, gibt es ein kleines Fest. Dabei versuchen wir, den Kontakt zwischen den Künstlern und der Bevölkerung herzustellen. Man spricht miteinander, man feiert miteinander - und so lernt man sich gegenseitig besser kennen und bekommt auch ein Verständnis für die Kunst. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, dass hier in Schirnding dieses Symposium und das Künstlerhaus als Orte angenommen werden, die den Menschen Freude machen.“

Kann man mit einer Fortsetzung im nächsten Jahr rechnen?

„Wir streben es an. Jetzt ist aber erst einmal die Zeit, die ganzen Eindrücke aus diesem Jahrgang zu verarbeiten, auch die Kosten zu sammeln und zu überschauen. Wir werden toll unterstützt von der Oberfrankenstiftung und dem Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Wir brauchen diese Unterstützung, damit wir als Einrichtung bestehen können. Das Künstlerhaus wird schließlich ehrenamtlich getragen.“

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