Deutsche Landwirte in Tschechien?

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Im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt Tschechiens stellen sich für die tschechische wie auch für die deutsche Seite eine Menge empfindlicher wie unangenehmer Fragen. Orakelt man in Deutschland eine Immigrationswelle "preiswerter" Arbeitskräfte aus dem südlichen Nachbarland, sorgt sich die tschechische Seite wiederum nicht nur um ihren Arbeits- sondern auch um ihren Grundstücksmarkt. Der Frage, wie es um das Interesse an tschechischem Boden steht, geht im folgenden Beitrag Karin Schöne nach.

Die tschechische Diplomatie erwägt eine mindestens siebenjährige Frist nach EU-Beitritt, innerhalb derer es Interessenten aus dem Ausland nur begrenzt möglich sein soll, Grund und Boden in der Tschechischen Republik zu erwerben. Die Presseabteilung des Außenministeriums rechtfertigt diese Absicht vor allem mit der Sorge vor Spekulationen und dem Fakt, dass die Streitfälle um Restitutionsansprüche und Privatisierung gerichtlich noch nicht vollständig geklärt sind. Hinter diesen kühlen Argumenten steht auf dem festen Sockel der Geschichte ein ganz anderes Gespenst. Der Verkauf von Boden an Deutsche bedeutet für Tschechen vor allem ein psychologisches Problem, weiß ein Mitglied der Schattenregierung der demokratischen Bürgerpartei (ODS) einen weiteren Grund. Wie stark das Interesse von deutscher Seite am Kauf von Boden sein wird oder vielleicht schon ist, will der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums Frantisek Kovar noch nicht abschätzen. Die Haltung des tschechischen Staates fasst er jedoch so zusammen:

Momentan liegt es im Interesse des Staates, den restlichen staatlichen Boden, wie deklariert, an Landwirte zu verkaufen und zwar in tschechische Hände.

Auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Verkauf von tschechischem Grund und Boden an ausländische Bürger gesetzlich untersagt. Wer aber einen Weg sucht, kann schon seit einigen Jahren entweder als Gesellschafter einer tschechischen Firma landwirtschaftliche Fläche mieten oder aber durch die Gründung einer GmbH das Recht auf den Kauf von Grundstücken erwerben. In den Jahren nach der politischen Wende hat sich schon so mancher bayrische Bauer, wie zum Beispiel die Landwirte Maximilian Schmaizl und Roman Gernert, die schon seit 1994 tschechischen Boden in der Gegend um Cheb bestellen, auf der Suche nach zusätzlicher Ackerfläche im Nachbarland umgeschaut. Hier liegt zweifellos gerade in den Grenzregionen noch viel Boden ungenutzt. Dieser ist hauptsächlich noch in staatlichen Händen, von wo aus er entsprechend den Restitutionsregelungen wieder zu den ehemaligen Eigentümern gelangt. Diese sind nicht immer entschlossen, das zurückgewonnene Eigentum auch landwirtschaftlich zu nutzen und verkaufen es unter dem Preis an Grundstücksmakler. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Wiese in der Nachbarschaft eines Rapsfeldes einem Prager Taxifahrer gehört. Frantisek Kovar, zu dem Problem des brachliegenden Bodens befragt, kann bestätigen:

Der Boden liegt vor allem auf Privatgrundstücken brach. Der Staat kann in dieser Frage erst eingreifen, wenn es auf diesem Boden zur Beschädigung der Nachbargrundstücke kommt.

Fachleute sind sich derweil einig, dass sich das Interesse potentieller Käufer aus dem Ausland nur auf bestimmte Regionen konzentrieren wird. Das sind zum einen die günstig gelegenen Grenzregionen wie natürlich auch Gebiete mit besonders gutem Boden. Abzusehen ist auch, dass nach einer Öffnung des Marktes tschechische Landwirte im Preiskampf nur schwer würden mithalten können. Deren Interesse, staatlichen Boden zu erwerben, um ihn anschließend als landwirtschaftlich zu nutzen, ist aber auch heute schon begrenzt.

Autor: Karin Schöne
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