Deutscher Silberschatz von der Müllhalde: Archäologen machen Fund auf Schloss in Nordböhmen
Archäologen haben im Garten des Schlosses Nový Falkenburk einen Schatz entdeckt. Er gehörte einst der Familie Liebieg, die ihn dort im Vorfeld ihrer Vertreibung im Jahr 1945 versteckt hatte.
Die Familie Liebieg war eine bedeutende Textilunternehmerfamilie, die ihren Sitz in Liberec / Reichenberg in Nordböhmen hatte. Sie prägte in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich das Leben in der dortigen Region mit. Ihre Mitglieder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben.
Seit 1901 besaßen die Liebigs das Schloss Nový Falkenburg in Jabloné v Podještědí. Dort wurde nun von Mitgliedern des Vereins Lokace artefaktů ein Schatz entdeckt. Den Tipp hätten sie von dem bekannten Schatzsucher Josef Mužík bekommen, sagte der Vereinsvorsitzende Pavel Podrazský am Montag vor Journalisten: „Mužík wurde im Jahr 1996 von einem Nachkommen der Familie Liebieg kontaktiert. Dieser erzählte ihm, dass sich der Familienschatz auf Schloss Nový Falkenburk befände, wo er nach Kriegsende in aller Eile vergraben wurde.“
Die Suche im Garten des Schlosses, das heute als Kinderheim dient, dauerte anderthalb Jahre. Schließlich wurden drei Kisten unter einer zwei Meter tiefen Erdschicht auf einer alten Müllkippe entdeckt. Darin befanden sich Silberbestecke und -geschirr aus dem 19. und teilweise aus dem 17. Jahrhundert, lange Schusswaffen und einige Weinflaschen. Allein der Materialwert der 50 Kilogramm Silber beträgt rund eine Million Kronen (41.000 Euro). Der historische Wert ist laut Experten aber weitaus höher und lässt sich nicht beziffern. Jetzt befindet sich der gesamte Fund im Nordböhmischen Museum in Liberec.
„All diese Dinge wurden professionell in Zellophan verpackt. Wir lagern einige im Kühlschrank und einige in den Konservierungswerkstätten. Wir haben vor, den ganzen Schatz nicht nur aufzubewahren, sondern ihn auch im Museum auszustellen und den Leuten zu zeigen – vor allem, weil es ein Liebieg-Schatz ist“, sagt der Archäologe des Museums Petr Brestovanský. Die Familie Liebieg stand hinter der Gründung des Nordböhmischen Museums und stiftete ihm eine Reihe von Sammlungsstücken. Die Restaurierungsarbeiten an den Schatzstücken sollen mehrere Monate dauern.







