Die Bürgerinitiative Symposion

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Willkommen zu einer neuen Ausgabe des Themenkaleidoskops, liebe Freunde. Aus dem Prager Studio begrüßt sie Lucie Mouckova. Diesmal möchte ich ihnen die Bürgerinitiative Symposion vorstellen.

Symposion wurde bereits vor 10 Jahren gegründet, und zwar von Olga Sozanska und ihrem Mann, dem Künstler Jiri Sozansky, sowie dem jetzigen Rektor der Akademie der bildenden Künste in Prag, Jiri Kotalik. Symposion knüpfte an die inoffiziellen künstlerischen Aktivitäten der bildenden Künstler in den 70er und 80er Jahren an. Während der Zeit des Kommunismus versuchten die Künstler, mit ihren Werken auf die moralische, kulturelle und materielle Verwüstung des eigenen Landes zu reagieren. Am stärksten litt darunter das nordböhmische Gebiet. Das war einer der Gründe, warum die Künstler früher ihre Aktivitäten auf dieses Gebiet ausrichteten und warum später auch Symposion sein erstes Projekt in dieser Region veranstaltete. Die Direktorin der Initiative, Olga Sozanska, sagte mir dazu:

"Das erste Projekt fand in der Kirche Mariae Verkündung in Litomerice (Leitmeritz) unter dem Titel Die Barockzeit und die Gegenwart statt. Die Kirche ist ein wunderschönes 250 Jahre altes Barockwerk des italienischen Architekten Octavio Broggio. Sie war sehr beschädigt und 40 Jahre lang praktisch ungenutzt. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Französischen Institut, dem Goethe-Institut sowie der deutschen und der österreichischen Botschaft realisiert. In der Kirche stellten ihre Werke prominente europäische Künstler aus, wie z.B. Emilio Vedova aus Italien, Günther Uecker aus Deutschland, Ernest Pignon-Ernest aus Frankreich, außerdem tschechische Künstler wie Pavel Nesleha, Oldrich Kulhanek u.v.a."

Die Vernissage der Ausstellung in der Kirche Mariae Verkündung in Leitmeritz war laut Olga Sozanska ein großer Erfolg. Frau Sozanska erzählte mir, dass die alten Omas in Leitmeritz dabei sogar weinten, denn sie erinnerten sich daran, dass sie in dieser Kirche noch heirateten und seitdem verödete sie allmählich. An dieses Projekt knüpften dann viele weitere an. Nennen wir beispielsweise die Ausstellung von 1994. Sie wurde wieder in der Leitmeritzer Kirche aufgebaut, als Reaktion auf die damalige Situation in der Balkan-Region, unter dem Titel "Offener Dialog". Dort stellten Künstler verschiedener Nationen und Religionen ihre Werke aus.

Die Assoziation Symposion hat auch einige Projekte mit dem deutschen bildenden Künstler Steffan Mitzlaff aus Kassel veranstaltet. Einige seiner Ausstellungen fanden in Prag statt; nach dem Krieg in Jugoslawien wurde Stefan Mitzlaff und einigen anderen deutschen Künstlern angeboten, mit Symposion in Tuzla und Mostar ihre Grafiken zu präsentieren. Ich fragte Steffan Mitzlaff, ob und warum kulturelle Aktivitäten wichtig sind für Menschen, die oft nicht genug zum Essen haben:

Die Aktivitäten der Bürgerinitiative Symposion haben sich im Laufe der Zeit geändert. Dazu sagt Olga Sozanska:

"Wir haben mit großen internationalen Projekten begonnen, denn nach der Wende mangelte es an Kontakten zwischen tschechischen Künstlern und denjenigen aus den westlichen Ländern. Dann arbeiteten wir viel mit bildenden Künstlern vom Balkan, also aus den von Krieg betroffenen Regionen. Und in letzter Zeit konzentriert sich Symposion mehr auf sozusagen intime Themen. Voriges Jahr haben wir z.B. ein Projekt initiiert, das dem Leben und den Taten des Dichters der katholischen Moderne Jan Zahradnicek gewidmet wurde. Zahradnicek war einer von denjenigen Künstlern, die wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung in den 50-er Jahren eingesperrt waren.

In diesem Jahr bereitet Symposion ein umfangreiches Projekt vor. Es soll Die Outsider heißen - Menschen am Rande. Mit diesem Projekt wollen seine Initiatoren nicht nur auf die Arbeitslosen aufmerksam machen, die gewollt oder ungewollt oft eben am Rande der Gesellschaft leben müssen, sondern auf alle, die sich aus welchem Grund auch immer nicht vollständig in die Gesellschaft integrieren können.

Und so beurteilt die bisjerigen Aktivitäten der Symposion der deutsche Künstler Steffan Mitzlaff:

Und damit geht das heutige Themenkaleidoskop zu Ende. Es verabschiedet sich Lucie Mouckova.

Autor: Lucie Mouckova
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