Die Spitzen der tschechischen und österreichischen Diplomatie besuchen gemeinsam die Hochwassergebiete Südböhmens

Cyril Svoboda und Benita Ferrero-Waldner in Cesky Krumlov, Foto:CTK

Wenn die Tschechische Republik und Österreich zur Zeit bilaterale Fragen erörtern, dann geschieht dies meist im Schatten der zwei momentan strittigsten Punkte in den zwischenstaatlichen Beziehungen: Nämlich im Schatten des Kernkraftwerks Temelin und der sogenannten Benes-Dekrete. Als aber am Dienstag die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner einige vom Hochwasser besonders stark betroffene Städte Südböhmens besuchte, da fanden diese beiden Dauerthemen offiziell keine Erwähnung. Vielmehr ging es um möglichst gute Kooperation bei der Beseitigung der Katastrophenfolgen. Gerald Schubert berichtet:

Benita Ferrero-Waldner und Cyril Svoboda in Cesky Krumlov, Foto:CTK
Das Treffen, das am Dienstag früh im südböhmischen Cesky Krumlov / Krumau begann, war eines auf höchster diplomatischer Ebene. Immerhin war es Außenminister Cyril Svoboda selbst, der seine österreichische Amtskollegin Benita Ferrero-Waldner in der vom Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogenen Stadt empfing. Cesky Krumlov könnte dabei tatsächlich als symbolträchtiger Ort für eine mögliche Annäherung der beiden Nachbarstaaten gelten, deren Beziehung in den letzten Monaten nicht immer reibungslos verlaufen war: Die Stadt liegt relativ nahe an der österreichischen Grenze und ist durch ihre natürliche Lage und architektonische Schönheit weit über die Region hinaus als beliebtes Touristenziel bekannt. Darüber hinaus bietet sie - etwa als langjährige Wahlheimat des österreichischen Malers Egon Schiele - eine Vielzahl von Verweisen auf einen historisch gewachsenen, gemeinsamen Kulturraum, der neben allen aktuellen Differenzen für die Grenzregion dennoch bestimmend ist.

Ob der Versuch, die Hochwasserfolgen in diesem Gebiet mit vereinten Kräften zu beseitigen, tatsächlich zu einer Verbesserung des tschechisch-österreichischen Gesprächsklimas führen wird, das kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden. Außenminister Svoboda jedenfalls lobte die Rolle Österreichs beim Zustandekommen des neuen EU-Katastrophenfonds, der auch Gelder für Kandidatenländer bereitstellen wird, und aus dem Ferrero-Waldner nun Unterstützung für Tschechien zugesichert hat. So meinte Svoboda:

"Diese Initiative hat einen konkreten Ursprung: Kanzler Schüssel initiierte den Gedanken, jenen Fonds ins Leben zu rufen. Und es wird es das erste Mal sein, dass die Tschechische Republik als Beitrittskandidat die Chance hat, Geld aus Mitteln zu erhalten, die ausschließlich für Mitgliedsstaaten bestimmt sind."

Und noch einen Aspekt gilt es zu betonen: Neben der Festigung der Beziehungen auf EU-Ebene, die durch den neu entstandenen Fonds wohl zu verbuchen ist, kam es im Zusammenhang mit dem Hochwasser auch auf lokaler Ebene zu Demonstrationen unbürokratischer Nachbarschaftshilfe. Tschechen halfen Österreichern, Österreicher halfen Tschechen. Um den Eingang dieses Motivs in das Konzert der Diplomatie ist man nun offensichtlich auf beiden Seiten bemüht.