Erfolgsgeheimnis von Severochema: Innovative Produktpalette und verstärkter Export

Foto: Archiv Severochema

Am Freitag und Samstag finden in ganz Tschechien die regionalen Kreiswahlen statt. Im Kreis Liberec / Reichenberg aber wurde bereits gewählt, und zwar in der freien Wirtschaft. Experten haben darüber befunden, wer sich als beste Firma und als bester Unternehmer des Jahres in dieser nordböhmischen Region erwiesen hat. Diesen Titel erhielten das Unternehmen Severochema sowie der Goldschmied und Schmuckmacher Vladimír Hejral. Radio Prag stellt beide Sieger vor.

Foto: Toscani
Die Firma des Jahres im Kreis Liberec ist das Unternehmen Severochema. Die Chemiewaren-Firma ist seit fast 60 Jahren auf dem Markt, versteht es aber bestens, Tradition und Innovation gut miteinander zu verbinden. Eine ziemlich neue Komponente des Unternehmens sind zum Beispiel Produkte zur Beseitigung von Graffiti. Im vergangenen Jahr verbuchte Severochema einen Umsatz von umgerecht 11 Millionen Euro.

Zu den traditionellen Erzeugnissen der Chemiefabrik gehören der Feueranzünder Pepo und das Fensterreinigungsmittel Iron. Beide bereits lange vor der Wende hergestellte Produkte bietet die Firma bis heute an. Nach Aussage von Roman Hrnčíř, dem Vorstandsvorsitzenden von Severochema, ist die Produktionspalette aber gerade beim Feueranzünder weitaus größer als früher:

Roman Hrnčíř (Foto: Firma roku / Hospodářské noviny)
„Heutzutage produzieren wir nicht nur den festen Feueranzünder, sondern eine ganze Reihe von Erzeugnissen zum Zünden von Feuer. Das sind Feueranzünder für den Kamin, zum Grillen und für andere Zwecke. Dazu bieten wir entsprechende Reinigungsmittel für den Grill oder den Rauchabzug an.“

Die Firma Severochema wurde im Jahr 1954 in Liberec gegründet. Mit ihrer damaligen Produktion knüpfte sie zum Teil an traditionelle Erzeugnisse an, die hier bereits seit dem Jahre 1884 hergestellt wurden. Mit der nach der Wende wieder eingeführten Marktwirtschaft nahm aber auch die Konkurrenz zu:

„Der Markt ist gesättigt. In den letzten Jahren aber hat sich der Bedarf an Grillzubehör enorm erhöht. Für mich gibt es dafür zwei Gründe. Zum einen hat sich das Grillen in Tschechien zu einem wahren Modetrend entwickelt, wodurch unsere Produktion in der Sommerperiode kräftig steigt. Der feste Feueranzünder zum Beispiel wurde ursprünglich zum Anzünden des Kamins für die Winterperiode hergestellt. Der zweite Grund liegt für mich in unserer krisengeschüttelten Zeit. Ein Teil der Bevölkerung verkürzt ihren Urlaub oder lässt Auslandsreisen ganz wegfallen, verbringt dafür aber mehr Freizeit im eigenen Garten.“

Graffitireinigung (Foto: Archiv Severochema)
Eine weitere Erfolgsschiene, auf der Severochema gerade in den letzten Jahren fährt, ist die Herstellung von Produkten zur Entfernung von Graffiti beziehungsweise zur Prävention vor Graffiti-Schmierereien:

„An Erzeugnissen zum Schutz vor Graffiti oder aber der Säuberung von Graffiti arbeiten wir schon etwas mehr als zehn Jahre. Wir versuchen dabei eine ganze Reihe von Firmen besonders aus dem Baugewerbe oder auch Wohnungsgenossenschaften anzusprechen, denn bei dem unbefugten Versprühen von Graffiti handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

Die Firma Severochema ist aber nicht nur im Inland präsent, sondern versucht sich immer mehr auch auf den ausländischen Märkten zu behaupten. Auch hier habe sein Unternehmen schon einen Achtungserfolg erzielen können, sagt Hrnčíř:

Feueranzünder Pepo (Foto: Archiv Severochema)
„Auch beim Export haben wir mittlerweile ganz beachtliche Zahlen vorzuweisen. Natürlich lief es nicht gleich am Anfang so gut wie heute. Wir haben erst vor acht, neun Jahren mit dem Export begonnen, also relativ spät. Das hätten wir schon zu Anfang der 90er Jahre tun sollen. Von dem anfänglichen Exportvolumen von fünf Prozent sind wir inzwischen aber schon bei über 20 Prozent angekommen.“

Die größte Menge an Produkten und Halbfabrikaten der Firma wird an Nachbarländer wie Deutschland und die Slowakei sowie nach Ungarn ausgeführt. Ebenso erfolgreich hat sich Severochema aber auch auf dem schwedischen Markt etabliert.


Goldschmied Hejral meistert Spagat zwischen Tradition und Zeitgeist

Verlobungsring von Vladimír Hejral (Foto: Firmenarchiv Hejral Kov a šperk)
Der beste selbständige Unternehmer des Jahres im Kreis Liberec ist der Goldschmied und Schmuckmacher Vladimír Hejral. Auch Hejral setzt auf Tradition. Seine Domäne ist die Herstellung von Verlobungsringen nach Wunsch des Kunden. In seiner Kollektion hat er dabei rund 500 Modelle im Angebot.

Vladimír Hejral hat sein Handwerk von der Pieke auf gelernt. Schon seine Vorfahren arbeiteten in der Bijouterie. Er selbst hat das Handwerk eines Goldschmieds und Juwelier in Jablonec nad Nisou / Gablonz erlernt. In Smržovka / Morchenstern gründete er seine Firma, die nun schon fast 25 Jahre auf dem Markt ist. Der Anfang seines Schaffens war jedoch nicht ganz einfach. Hejral erinnert sich:

„Zum Beginn meines Unternehmertums im Jahr 1988 gab es noch kein Gewerbegesetz. Es bedurfte daher einer staatlichen Verordnung, um in mein Privathandwerk einsteigen zu können. Weil das Ergebnis meiner Arbeit allerdings Produkte waren, die für den Devisenmarkt bestimmt waren, gab es große administrative Probleme. Ich musste deshalb eine Ausnahmegenehmigung vom Devisengesetz erhalten.“

Kinderohrringen von Vladimír Hejral (Foto: Firmenarchiv Hejral Kov a šperk)
Hejral wurde ein so genannter Deviseninländer und konnte seine Arbeit aufnehmen. Sein damaliges Angebot war auf den allgemeinen Bedarf zugeschnitten:

„Nach und nach hat meine kleine Firma das ganze Sortiment an Schmucksachen angeboten, angefangen von Kinderohrringen über Ringe, Armreifen und ähnliches.“

Mittlerweile aber reagiert Vladimír Hejral auch immer stärker auf modische Trends. Einer dieser Trends sind Verlobungsringe aus weißem Gold, welches das klassische gelbliche Gold bereits verdrängt hat, so Hejral:

„Der heutige Trend ist das weiße Gold, das einen Marktanteil von 55 bis 60 Prozent hat. Für mich ist das ein bisschen schade, denn der eigentliche Glanz des Goldes geht damit verloren. Als weißes Gold bezeichnet man ein Material aus rostfreiem Edelstahl, das heute immer häufiger in der Schmuckherstellung verwendet wird.“

Gebäude der Firma Hejral Kov a šperk (Foto: Firmenarchiv)
Trotz dieser und anderer Innovationen lässt das Interesse an Verlobungsringen ständig nach. Zu den Gründen dieser Entwicklung sagt Hejral:

„Heutzutage ist die Nachfrage nach Schmuck nicht mehr so hoch wie früher. Das allerdings würde ich nicht auf die Krise zurückführen. Ich würde eher sagen, dass die junge Generation heute ganz andere Wertvorstellungen hat. Früher kaufte man zum Abiturientenball eine Kette oder einen Anhänger oder ein anderes Schmuckstück. Heute stehen ganz andere Dinge im Vordergrund, zum Beispiel Smartphones oder Computer. Es gibt ganz einfach ein viel größeres Angebot.“

In den fast 25 Jahren seines Schaffens hat sich auch in der Herstellungsweise von Schmuck so einiges verändert. Dennoch bleibt Hejral sich und den klassischen Produktionsmethoden treu:

„Mir gefallen Schmuckwaren von dem Augenblick an, in dem man sie als separate Einzelstücke betrachten kann. Schmuck wird heute zwar weniger getragen, was man mir mithin zum Vorwurf macht, doch wenn ein Einzelstück fertig ist, fesselt es mich immer wieder aufs Neue. Dort beginnt auch der Zauber eines jeden Schmuckstücks, der in seiner Einmaligkeit besteht.“