Forum Gesellschaft

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In der heutigen Folge sprechen wir über die Neuregelgung der Beziehungen zwischen Raucher und Nichtraucher an den tschechischen Arbeitsplätzen. Im zweiten Block berichten wir dann über die Eröffnung einer neuen medizinischen Einrichtung in Prag, die sich auf ältere Patienten spezialisiert. Von Blanka Trcanova.

Obwohl das Gesetz gegenüber den Rauchern strenger geworden ist , obwohl sie selbst in der Neujahrsnacht die Entscheidung getroffen haben ihre Last loszuwerden, sieht es auf den Arbeistplätzen in der Tschechischen Republik genauso aus wie früher. In vielen Firmen wird einfach weiter geraucht, und das obwohl die Novelle des Arbeitsgesetzbuches ab Januar das Rauchen überall dort verbietet, wo sich auch nur ein Nichtraucher aufhält. Und die Nichtraucher? Die haben sich mittlerweile daran gewöhnt und würden mit ihrer Beschwerde sowieso nicht vor Gericht ziehen. Viele Raucher glauben, es sei damit genüge getan, wenn sie auf den Flur oder auf die Toilette gehen. Nur das Arbeitsgesetzbuch verbietet auch hier das Rauchen, denn auch hier bewegen sich die Nichtraucher. Die einzige Lösung sind Raucherräume, und wenn der Arbeitgeber diese nicht einrichtet, müsste das Rauchverbot eigentlich in der ganzen Firma gelten, betont Jan Dra¹nar vom Gewerkschaftsverband des Gesundheitswesens und der sozialen Fürsorge. (odborový svaz zdravotnictví a soc. péèe.) Die Nichtraucher haben oftmals das Gefühl, die Raucher seien durch sie eingeschränkt, eigentlich ist das aber genau umgekehrt, betont Eva Králiková vom Institut für Hygiene und Epidemiologie der Karlsuniversität. Auf die Einhaltung der neuen Regelungen müssten die jeweiligen Abteilungsleiter achten, die dann bei einem wiederholten Verstoss gegen die Arbeitsdisziplin (so die korrekte Bezeichnung ) auch eine Mahnung oder eine Geldstrafe erteilen können.

Viele Firmen, sprich Arbeitgeber, sind in der Tschechischen Republik aber mittlerweile privat und der Staat kann nur in öffentlichen Räumen und Plätzen eingreifen, d.h. nicht in privaten Firmen. Es ist so, als wollte der Staat kontrollieren, ob Sie zu Hause z.B. nicht im Kinderzimmer rauchen.

Wirkungsvolle Methoden wären nach Meinung von Eva Králiková finanzielle Abzüge für die Zeit, die man mit dem Rauchen vergeudet hat, oder andersrum, die Raucher müssten diese Zeit nacharbeiten. Raucherpausen gibt es nicht, sagt sie ganz hart aber mit Recht, so etwas erwähnt doch kein Gesetz. Ein konkretes Beispiel ist z.B. die Firma Greiner in Slu¹ovice, wo den Rauchern 500 Kronen von der Prämie abgezogen werden, sagt der Personalleiter Jaroslav Hrabáèek.

Für die Barkeeper und Kellner ist die Novelle des Arbeitsgesetzbuches nur der erste Schritt, denn gegenüber den rauchenden Gästen hilft sie ihnen vorerst nur wenig. Der zweite Schritt kommt mit der Einführung der europäischen Hygienenorm. Alle Restaurants und Gaststätten müssen sich dann eine Klimaanlage anschaffen, damit weder die Angestellten noch die Gäste durch den Rauch belästigt werden. Dass diese Vorschrift in Folge des finanziellen Aufwandes zur Schliessung vieler Einrichtungen führen wird, ist wieder ein anderes Problem, das wir bewältigen müssen, sagt Zlatko Vondráèek, Vorsitzender des tschechisch-mährischen Gewerkschafstverbands der Gaststätten - und Hotelbetreiber.

Das Prager Allgemeine Fakultätskrankenhaus hat Mitte Januar im Zentrum der Hauptstadt Prag die erste geriatrische Klinik eröffnet, in der man sich auf Altersheilkunde spezialisiert. Es handelt sich hierbei um die erste spezielle Einrichtung ihrer Art in der ganzen Tschechischen Republik. "Ca.14% der z.Z in unserem Land lebenden Menschen sind über 65 Jahre alt, das sind 1,5 Mio. Einwohner. Im Jahr 2002 wird diese Anzahl Schätzungen nach 22% erreichen und damit die 2 Millionen-Grenze überschreiten. Medizin, die sich speziell mit den Senioren befassen würde, steht noch nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Gesellschaft , in Kürze muss es aber so weit sein, sagte anlässlich der Eröffnung dieser Klinik ihr Chefarzt Dozent Jiri Neuwirth. Seinen Aussagen nach, erhöht sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung schrittweise, die heutigen 65-jährigen haben reale Chancen, über 80 zu werden. Bisher werden die Senioren nur von 127 speziell ausgebildeten Medizinern und Pflegern betreut, was aber sehr wenig ist. Das Gebäude, in dem früher die chirurgische Klinik von Professor Pafko war, bekannt für die Lungenoperation des Präsidenten Havel war, wurde für die Belangen der älteren Patienten mit Aufwendungen in Höhe von 2 Millionen Kronen umgebaut und ausgestattet. 121 Betten stehen hier zur Verfügung , 35 davon für Patienten nach Unfällen, Operationen und akuten Erkrankungen mit gezielter Rehabilitation. 86 Betten sind für spezielle Pflegebetreuung bestimmt. Insgesamt kann ein Patient bei uns bis zu 100 Tagen sein. Wir möchten , dass er erst dann nach Hause geht, wenn er wirklich selbständig ist, sagt Jiri Neuwirth. Diese geriatrische Klinik möchte sich jedoch mit gleichem Interesse auch der Vorbeugung widmen. Man bringt den Patienten bei , wie sie sowohl geistig als auch körperlich fit bleiben können. Für ein gesundes Altwerden ist der gesunde Verstand eine wesentliche Priorität . Dafür ist besonders das Sprachenlernen gut geeignet. Ebenfalls wichtig ist ausreichende Bewegung, die Kreislauf- und Herzerkrankungen vorbeugt. Obwohl das allgemein bekannt ist, verbringen 80 % der Frauen über 70 Jahre ihre Tage überwiegend im Sitzen. Weil in den Reihen der Mediziner auch für Nachwuchs gesorgt werden muss, organisiert bzw. begleitet die neue geriatrische Klinik auch die entsprechende Ausbildung der Studenten der Ersten medizinischen Fakultät sowie die Weiterbildung der Ärzte im postgradualem Studium.

Autor: Blanka Trcanova
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