Fußball: Pilsen feiert Einzug in die Europa League und Trainer Vrba

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FC Viktoria Pilsen. Vor drei Jahren kannte diesen Fußballverein fast niemand außerhalb Tschechiens, jetzt aber haben sich die Kicker aus der westböhmischen Bierstadt zum dritten Mal in Folge für die K.o.-Runde eines europäischen Wettbewerbs qualifiziert. Durch den Last-Minute-Sieg über ZSKA Moskau sicherten sich die Pilsener als Drittplatzierter der Gruppe D in der Champions League das Ticket für die nächste Runde in der Europa League. Dies sowie die Meistertitel 2011 und 2013 sind nicht zuletzt das Verdienst von Trainer Pavel Vrba, der nach dem Spiel am Dienstagabend vom Club aus Pilsen verabschiedet wurde.

Tomáš Wágner (rechts). Foto: ČTK
Die Situation vor dem letzten Spieltag der Gruppenphase in der Champions League war klar umrissen: Pilsen und Moskau machen Platz drei in ihrer Gruppe unter sich aus; die Gastgeber mussten gewinnen, um in der Europa League zu überwintern. Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit stand es 1:1, dann aber schossen die Blau-Roten noch das Tor zum Sieg.

Den Treffer zum 2:1-Endstand erzielte der nur acht Minuten zuvor von Trainer Vrba eingewechselte Tomáš Wágner. Als die Flanke seines Mitspielers František Rajtoral im Strafraum auf ihn zukam, wusste er genau, was zu tun ist:

Daniel Kolář (Mitte). Foto: ČTK
„Ich habe die Situation noch vor Augen: Ich habe mir gesagt, nur die Ruhe bewahren. Und dann war der Schuss ein Treffer. Nervös war ich nicht, denn alles ging sehr schnell.“

Bis dahin aber hatte sich das Spiel für die Pilsener nicht so gut entwickelt. Nach gut einer Stunde schockte der Nigerianer Ahmed Musa die Gäste um Kapitän Pavel Horváth mit dem 1:0. Doch schon zwei Minuten später dezimierte sich der Gegner – für sein unbeherrschtes Nachtreten an Václav Procházka wurde Moskaus Spielmacher Alan Dzagoev vom Platz gestellt. Mittelfeldspieler Daniel Kolář, der in der 76. Minute das 1:1 markierte, sagte dazu nach dem Spiel:

Pavel Horváth (Foto: ČTK)
„Dieser Platzverweis hat sehr uns geholfen. Auf der anderen Seite hatten wir vor und nach der Szene insgesamt mehr Chancen als die Russen. Deshalb haben wir verdient gewonnen.“

So sah es auch der Kapitän. Darüber hinaus schilderte Pavel Horváth im Anschluss vor Journalisten, weshalb er und seine Mitspieler schon vor der Partie besonders motiviert waren:

„Ich bin sehr froh darüber, dass wir gewonnen haben, denn wie sich die Spieler von ZSKA uns gegenüber verhalten haben, hat mir nicht gefallen. Schon im Hinspiel in St. Petersburg hielten sie es nicht für nötig, uns nach der Begegnung die Hand zu geben. Obwohl sie gewonnen hatten, kehrten sie uns nach der Partie den Rücken zu. Das hat mich gestört.“

Pavel Vrba (Foto: ČTK)
Die zweite große Motivation des Rückspiels war der Trainer. In seiner fünfjährigen Amtszeit beim FC Viktoria hat Pavel Vrba den Verein zu bis dahin nie gekannten Höhen geführt: Mit dem Team holte er 2011 den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte, zwei Jahre später wiederholte Pilsen den Triumph. Seit ihrer ersten Meisterschaft haben die Westböhmen den tschechischen Fußball zudem stets international vertreten – mit viel Erfolg. Die Siege über Atletico Madrid oder Neapel sowie der dreifache Einzug in die K.o.-Runde der Europa League sind auf ewig mit dem Namen des Trainers verknüpft. Am Donnerstag wird Vrba nun das Amt des Nationaltrainers antreten. Die Pilsener Spieler aber wissen die Zusammenarbeit mit ihm bereits zu würdigen. Linksverteidiger David Limberský:

David Limberský (links). Foto: ČTK
„Es gibt wohl nur wenige Drehbuchautoren, die eine solche Geschichte, wie wir sie erlebt haben, auch schreiben können. Wir sind von Erfolg zu Erfolg geeilt und werden wohl erst nach unserer Karriere begreifen, was wir geschafft haben. Denn für das, was in den letzten vier Jahren passiert ist, gibt es nur ein Wort: es war ein Märchen.“

Autor: Lothar Martin
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