Fußballclubs Slavia und Sparta Prag kreuzen zu Silvester erneut die Klingen

Foto: Tschechisches Fernsehen

Silvester, der letzte Tag des Jahres, wird eigentlich überall auf der Welt gefeiert: mit Freude, Ausgelassenheit, reichlich Alkohol und sehr oft auch mit Böllern und Raketenfeuerwerk. Andererseits gibt es vielerorts auch lokalspezifische Besonderheiten, die am Silvestertag stattfinden. Eine solche Spezialität ist ein populäres Fußballspiel in der tschechischen Hauptstadt: das Derby zwischen den Altstars der beiden Traditionsvereine Slavia und Sparta Prag.

Foto: Tschechisches Fernsehen
Die Vereine Slavia und Sparta Prag wurden schon Anfang der 1890er Jahre gegründet. Damit gehören sie zu den ältesten Fußballclubs auf dem europäischen Festland. Seitdem haben sie schon in hunderten Begegnungen, darunter 280 Ligaspiele, die Klingen gekreuzt. Doch damit nicht genug: Seit 1986 treten auch die Altstars der beiden Clubs in aller Öffentlichkeit gegeneinander an, und zwar jeweils um die Mittagszeit am Silvestertag. Damit in diesem Duell viele Tore fallen und Spieler wie Zuschauer einen Grund mehr haben, dabei zu sein, wird in dieser Begegnung zum Beispiel jede dritte Ecke eines Teams durch einen Elfmeter ersetzt. Und auch in der Halbzeitpause wird etwas geboten. Da können dann Zuschauer vom Elfmeterpunkt aus auf Champagnerflaschen zielen, die in den Torecken hängen. Das Wichtigste aber ist immer noch das Spiel selbst, betont Spartas Ex-Spieler Luděk Stracený:

Luděk Stracený  (Foto: ČTK)
„Natürlich wollen wir auch Fußball spielen, vor allem aus Freude. Aus diesem Spiel ist zwar mehr und mehr eine traditionelle öffentliche Veranstaltung geworden, doch auf dem Rasen müssen wir schon etwas zeigen.“

Seit zwölf Jahren wird das Duell auf dem Kunstrasenplatz in der Nähe des Slavia-Stadions ausgetragen. Da aber die Fitness bei ehemaligen Profis mit den Jahren spürbar nachlässt, werden seit Silvester 2003 jeweils zwei Begegnungen zwischen den beiden Vereinen ausgetragen: die Partie der über 35-Jährigen und das Spiel der über 45-Jährigen. Der 43-jährige Michal Horňák, der als Rechtsverteidiger mit Sparta zehnmal Meister wurde und 1996 im EM-Finale von Wembley gegen Deutschland unterlag, aber weiß, dass auch im Duell der Jüngeren die Kondition eine große Rolle spielt:

Foto: Tschechisches Fernsehen
„Fußballerisch können wir noch sehr gut mithalten, aber die physische Seite macht uns sehr zu schaffen. Ich habe zum Beispiel vor kurzem noch in der B-Mannschaft von Sparta mittrainiert. Im spielerischen Bereich war ich gut dabei, doch nach 20 Minuten habe ich körperlich völlig abgebaut. Die Kondition spielt im Fußball eine sehr wichtige Rolle und ohne sie hätten wir keine Chance.“

Besonders die älteren, die über 45-jährigen Ex-Spieler, werden in ihrem Match die eine oder andere Verschnaufpause einlegen müssen. Der Vorfreude auf das Duell mit dem Erzrivalen aber tut das keinen Abbruch. In beiden Teams werden auch einige ehemalige Bundesligaprofis auflaufen, im Slavia-Dress zum Beispiel Ivo Knoflíček. Er hat zwischen 1989 und 1992 beim FC St. Pauli und VfL Bochum gekickt. Der 51-Jährige verweist darauf, dass auch er nicht mehr so wie früher durch die gegnerische Abwehrreihe marschieren wird:

Ivo Knoflíček  (Foto: ČTK)
„Ich halte weiterhin mein Gewicht, doch mit meinen fast 52 Jahren bin ich nicht mehr so schnell wie damals. Obwohl – ein Frantisek Veselý, der war auch noch mit 60 Jahren so flink wie ein Reh. Den Spielern in meinem Alter sollte ich schon noch entwischen können, aber es wird nicht so sein wie früher, damit muss ich mich abfinden.“

Das Spiel der Altstars über 45 Jahre wird zu Silvester um 11.15 Uhr angepfiffen, die Begegnung der jüngeren Spieler dann eine Stunde später. In der Bilanz der bisherigen Silvesterderbys ist übrigens Slavia mit 18 Siegen, bei fünf Niederlagen und vier Remis das erfolgreichere Team. Bei den über 45-Jährigen hat nach den zehn Partien indes Sparta mit 3:2 Siegen die Nase vorn.

Autor: Lothar Martin
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